Bayern isoliert sich schulpolitisch immer mehr!
Nun plant auch Baden-Württemberg, was in den meisten Bundesländern längst diskutiert und in einigen (z. B. Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen) bereits umgesetzt ist: Die Einführung von StufenlehrerInnen anstelle der schulartspezifischen LehrerInnenbildung. Künftig, so empfiehlt eine Expertenkommission, soll es Lehrkräfte für die Grundschule (Klassen 1 bis 4), für die Sekundarstufe I (Klassen 5 bis 10) und für die Sekundarstufe II (Klassen 11 bis 12 bzw. 13) geben. Alle werden in einem mindestens fünfjährigen Studium an Hochschulen ausgebildet und gleich eingruppiert. Auch die Gemeinschaftsschule, die es in etlichen Bundesländern längst gibt, wird in Baden-Württemberg schrittweise eingeführt. Im kommenden Schuljahr wird es ca. 130 solche Schulen für Kinder von Klasse 5 bis 10 geben, unabhängig von der Schulartempfehlung. Anschließend besuchen diese Jugendlichen entweder die gymnasiale Oberstufe oder beginnen eine berufliche Ausbildung. Die Nachfrage steigt.
04.04.2013 Pressemeldung GEW Bayern:
"Dies sorgt im benachbarten Bayern für Aufregung und Sorge um den Erhalt überkommener Strukturen, denn damit gerät die bayerische Schulpolitik immer mehr in die Sonderstellung der "ewig Gestrigen", so Gele Neubäcker, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Bayern. "Dabei sprechen immer mehr Argumente und Fakten für eine grundlegende Reform der LehrerInnenbildung und für die Überwindung unseres zergliederten Schulsystems." Durch die erste PISA-Studie wurde aufgezeigt, dass SchülerInnen mit gleichen Fähigkeiten, Interessen und Begabungen in allen Schularten zu finden sind. Dies ist inzwischen mehrfach belegt.
Außerdem unterrichten LehrerInnen auch in Bayern keineswegs nur an den Schularten, für die sie ausgebildet sind. Grundschullehrkräfte unterrichten z. B. auch an Gymnasien, Realschulen, Mittelschulen und Förderschulen, Gymnasiallehrkräfte auch an Grundschulen, Mittelschulen, beruflichen Schulen, Sonderschullehrkräfte an fast allen Schularten.
LehrerInnen unterrichten in erster Linie Kinder und Jugendliche, nicht zuerst die Schulfächer. Zehnjährige Kinder mutieren in den Sommerferien nach der vierten Klasse nicht zu Haupt-, RealschülerInnen oder GymnasiastInnen, die jeweils eine andere Pädagogik und Didaktik bräuchten. Völlig pervers mutet die Rechtfertigung der schulartspezifischen LehrerInnenbildung unter Berücksichtigung des veränderten Übertrittsverhaltens nach Klasse 4 an. Wenn angeblich in ländlichen Regionen immer weniger Kinder mit "Gymnasialeignung" tatsächlich auch ans Gymnasium wechseln und z. T. andere Wege zur Erreichung einer Studienberechtigung wählen, welche "Art von LehrerInnen" wird diesen Kindern dann gerecht?
Neubäcker: "Die GEW verfolgt das Ziel der "Gemeinsamen Schule für alle Kinder und Jugendlichen bis Klasse 10" und fordert seit langem eine schulartunabhängige LehrerInnenbildung, die neben hohen Kompetenzen in den gewählten Unterrichtsfächern gleichwertig hohe Kompetenzen in den sog. "Bildungswissenschaften" vermittelt. Dabei geht es neben der Didaktik v. a. um Themen wie Inklusion, individuelle Lernangebote, Förderung von Kindern mit Besonderheiten, Lerngruppen als soziale Systeme, Schullaufbahn- und Bildungsberatung u. a. m. Wenn die StufenlehrerInnenbildung zwar in drei Stufen organisiert wäre, aber mit Überschneidungen (z. B. Klassen 1 bis 6, Klassen 5 bis 10, Klassen 8 bis 12/13), würde sich zudem das Problem "LehrerInnemangel an der einen Schulart bei gleichzeitigem Überangebot an einer anderen" in Wohlgefallen auflösen!"
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