Berliner Schüler verbessern sich leicht bei PISA 2006

- Zöllner: Grund zur Zuversicht für Berlin - Bessere Leistungen in allen drei Fächern führen erstmalig zu mindestens durchschnittlichem Ergebnis im OECD-Vergleich - Weitere Schritte zur Verbesserung der Unterrichtsqualität in Arbeit

18.11.2008 Berlin Pressemeldung Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung

Die Leistungen der Berliner Schülerinnen und Schüler im internationalen Leistungsvergleich PISA im Jahre 2006 haben sich im Vergleich zu PISA 2003 in allen Fächern verbessert – im Grundlagen-fach Lesen allerdings nicht ganz statistisch signifikant: Erstmalig liegen die Ergebnisse im Lesen und in Mathematik im internationalen Durchschnitt, in der Naturwissenschaft sogar über dem OECD-Durchschnitt. Im deutschlandweiten Vergleich der 16 Bundesländer liegt Berlin auf den Rängen 9, 11 und 12 vor den Stadtstaaten Bremen und Hamburg sowie mindestens einem westdeutschen Flächenland wie Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen oder Hessen.

Vergleich der Ergebnisse PISA 2006 und 2003

PISA-E 2006 PISA-E 2003

 

Berlin - D-Rang - D-Schnitt OECD-Schnitt Berlin - D-Rang - D-Schnitt OECD-Schnitt
Mathematik 495 (12.) 504 498 488 (13.) 503 500
Lesen 488 (9.) 495 492 481 (10.) 491 494
Naturwissenschaft 508 (11.) 516 500 493 (10.) 502 500


An dem nationalen Vergleich PISA-E 2006 nahmen rund 3900 Schüler aus 108 Schulen aus Berlin im Alter von 15 Jahren teil. Rund ein Drittel (32,3 %) der Berliner hatten einen Migrations-hintergrund. Von den getesteten 15-jährigen hatten über 15 % die 9. Klasse noch nicht erreicht.

Bildungssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner: "Für die Berliner Schulen ist PISA 2006 ein Grund zur Zuversicht. Die Leistungen der Berliner Schüler sind leicht besser geworden: Sie haben im Durchschnitt mehr Punkte erreicht als im Jahre 2003 und haben sich damit mindestens so schnell entwickelt wie der Durchschnitt der OECD-Länder.

Wir haben guten Grund zur Zuversicht: Die im Jahre 2006 getesteten 15-jährigen Schülerinnen und Schüler haben noch kaum von den umfassenden Reformen des Berliner Schulgesetzes im Jahre 2004 profitieren können. Deshalb dürften die Ursachen der besseren PISA-Ergebnisse eher allgemein in einer größeren Qualitätsorientierung in den Schulen und einem höheren Stellenwert der Bildung in den Familien liegen und noch nicht an den vielen gezielten Fördermaßnahmen der Schulen. Hierfür spricht auch der deutliche Leistungssprung in Mathe in den Gymnasien. Von dem allgemeinen Stimmungswandel haben Kinder aus bildungsfernen Familien genau deshalb weniger profitiert. Zwar ist diese Problemgruppe und die Abhängigkeit zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg deutschlandweit etwas kleiner geworden, dennoch bleibt die Förderung bildungsbenachteiligter Kinder die größte Herausforderung für die Bildungspolitik –nicht nur in Berlin.

Die Testgruppe im Jahre 2009 wird deutlich mehr von den bildungspolitischen Reformen seit 2004 profitiert haben. Deshalb können wir zuversichtlich sein, dass der nächste Test auch spürbar bessere Ergebnisse liefern wird."

Wichtige PISA-Einzelergebnisse für Berlin

  • Mit 32,3 % hat Berlin den fünfthöchsten Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund.
  • Mit 41 % hat Berlin den weitaus größten Anteil an türkisch-stämmigen Schülern an den Schülern mit Migrationshintergrund. (Abbildung 10.1., Seite 354 der Langfassung)
  • Mit 14,6 % hat Berlin den höchsten Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund, der im Alltag vor allem die Herkunftssprache der Eltern sprechen. (Abbildung 10.2., Seite 356 der Langfassung)
  • Wenn man die unterschiedliche Bildungsnähe der Familien sowie die Unterschiede im Sprachgebrauch statistisch herausrechnet, haben Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund in Berlin die gleichen Chancen das Gymnasium zu erreichen wie Schülerinnen und Schülern ohne Migrationshintergrund. (Tabelle 10.5., Seite 361 der Langfassung)
  • Schülerinnen und Schüler ohne Migrationshintergrund erreichen in der Naturwissenschaft das deutschlandweit fünftbeste Ergebnis. (Tabelle 10.6., Seite 367 der Langfassung)
  • Der Anteil von Berliner Realschülern in der niedrigsten Mathe-Kompetenzstufe I und darunter beträgt 23,8 %. In Baden-Württemberg und Bayern liegt der Vergleichswert der Realschule bei 3,4 %. (Tabellen 6.2.2., 6.3.2. und 6.4.2. der Kurzfassung)
  • Über die Zeitreihe der PISA-Studien 2000 bis 2006 sind an Berliner Gymnasien deutliche Leistungszuwächse in allen drei Testbereichen auszumachen. Darüber hinaus hat sich der negative Zusammenhang zwischen dem wachsenden Anteil an Gymnasiasten pro Jahrgang und dem mittleren Leistungsniveau verkleinert. Das heißt, dass es Berlin trotz steigender Zahlen an Gymnasiasten gelingt, ein hohes Leistungsniveau an Gymnasien zu erreichen.
  • Weiterhin besteht eine deutliche Leitungsstreuung im Berliner Schulwesen. So ist der Anteil der Schüler auf oder unter der geringsten Kompetenzstufe hoch (zwischen 20 % und 25 %), gleichzeitig besitzt Berlin den zweithöchsten Anteil an Schüler auf der höchsten Kompetenzstufe (nach Bayern) mit über 11 %.

Die Weiterentwicklung der Unterrichtsqualität ist der Schwerpunkt der Schulen und der Bildungspolitik in Berlin seit dem PISA-Schock im Jahr 2001. Es sind bisher mehr als 40 Maßnahmen zur Förderung mathematischer und naturwissenschaftlicher Kompetenzen, zur Förderung der Lesekompetenz, zur Lehrerbildung/ Fortbildung, zur Diagnose, Strukturmaßnahmen, Maßnahmen zur individuellen Förderung und für Kooperationen ergriffen worden, die für die Entwicklung der bei PISA getesteten Kompetenzen relevant sind. Die im Jahre 2006 getesteten Schüler haben allerdings nur teilweise von wenigen dieser Maßnahmen profitiert, z. B. vom SINUS-Transfer-Programm zur Stärkung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts, vom Fortbildungsprogramm mit dem Schwerpunkt Deutsch als Zweitsprache oder von der Verankerung einer neuen Aufgabenkultur im Unterricht.

Zöllner erarbeitet weitere Schritte zur Verbesserung der Unterrichtsqualität

Um die Qualitätsentwicklung an Berliner Schulen kontinuierlich fortzuführen und zu stärken, hat Bildungssenator Zöllner die Bildungsverwaltung mit weiteren Schritten zur Verbesserung der Unterrichtsqualität beauftragt. Ziel ist es, bis zum Anfang des Jahres 2009 konkrete Maßnahmen zu erarbeiten, die die Eigenverantwortung für die Qualitätsentwicklung stärken, eine präzisere Diagnose von Schulen mit erheblichem Entwicklungsbedarf ermöglichen, die Zielgenauigkeit des Unterstützungssystems verbessern sowie die Verbindlichkeit und Nachhaltigkeit der Qualitätsentwicklung der einzelnen Schulen deutlich steigern.

Bildungssenator Zöllner: "Es besteht kein Zweifel, dass Berlin gewaltige Anstrengungen zur Verbesserung der Unterrichtsqualität unternommen und viel geleistet hat. Mein Dank gilt den engagierten Lehrerinnen und Lehrern an den Schulen. Die Befunde zeigen erneut, dass die Lösung der Qualitäts- und Gerechtigkeitsprobleme ohne eine Veränderung der Schulstruktur mindestens bei Haupt- und Realschulen nicht möglich sein wird.

Auch wenn der Hinweis auf die schwache Sozialstruktur der Schülerschaft berechtigt ist, können und werden wir uns weder mit dem Status Quo noch mit dem Entwicklungstempo zufrieden geben. Trotz der ermutigenden PISA-Ergebnisse bin ich davon überzeugt, dass Berliner Schülerinnen und Schüler noch viel besser sein können. Wir brauchen auf den wichtigen Ebenen, die die Qualitätsentwicklung der Schulen beeinflussen, neue Ideen und Maßnahmen zur Stärkung des Qualitätsentwicklungsprozesses."

An folgenden weiteren Schritten wird derzeit gearbeitet:

1. Präzisere Diagnose von Entwicklungsbedarf
unter anderem

  • Validität der Ergebnisse von Vergleichsarbeiten Stichworte: mehr Sicherheit im Vorfeld, bei der Durchführung und in der Korrektur von Vergleichsarbeiten
  • systematische landesweite und regionale bzw. schulinterne Standortbestimmung
    Stichworte: verbindliche Bestimmung der Lernausgangslage (Schulanfangphase und 7. Jahrgang), mindestens eine Parallelarbeit in 5, 7, 9 (schulintern/ kooperierende Schulen), Schüler evaluieren Lehrkräfte, Erweiterung der Schulinspektionen, flächendeckende Einführung eines Selbstevaluationsportals

2. Verbindlichkeit und Nachhaltigkeit
unter anderem

  • Lehrerfortbildung
    Säulen: Fortbildungs-/ Kompetenzzentren in den Regionen, Fortbildungsbudget für Schulen, verbindliche Schwerpunkte UND Bedarfsorientierung
  • Schulleitungsqualifikation und -auswahl
    Stichworte: Rahmenbedingungen, Ausbildung und Qualifizierung, Begleitung/ Tandem/ Coaching, Anreize/ Eingruppierung

3. Eigenverantwortung und Unterstützung
unter anderem

  • Dienstleistungsorientierung der Schulaufsicht
    Stichworte: Analysebasierte (Schulinspektion) Beratungskompetenz, Begleitung und Controlling der schulinternen Qualitätsentwicklungsmaßnahmen
  • ineinandergreifende Unterstützungssysteme
    Stichworte: Schulaufsicht, ProSchul, Fortbildungsangebote, Tandem- und Netzwerkbildung

Allgemeines zu PISA:
Testzeitpunkt für PISA 2006 war April und Mai 2006 - d. h. im Schuljahr 2005/2006. Die Tests dauerten 120 Minuten, außerdem noch 50 Minuten für den Schülerfragebogen.
Bundesweit nahmen 1530 öffentliche und private Schulen sowie insgesamt 40 000 Schülerinnen und Schüler (pro Schule je 25 15-Jährige und je 10 Schüler aus der Jahrgangsstufe 9) an PISA-E teil, darunter 108 Schulen (19 Hauptschulen, 41 Integrierte Gesamtschulen, 22 Realschulen und 26 Gymnasien) und 3900 Schüler aus Berlin.


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