Bildungsgipfel-Theorie jetzt praktisch umsetzen!

Der nordrhein-westfälische Philologen-Verband begrüßt sehr, dass mit dem ´Gipfeltreffen´ die Bildungspolitik große öffentliche Aufmerksamkeit erfährt. Umfassende und nachhaltige Investitionen im Bildungsbereich sind unerlässlich, will Deutschland als rohstoffarmes Land konkurrenzfähig bleiben.

22.10.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Philologenverband NRW (PhV NRW)

Ein bunter Strauß von Erwartungen begleitet den Bildungsgipfel. Entscheidend ist aber nicht, dass wir uns auf mehr Bildungsberichterstattung, Bildungsforschung, Bildungsmonitoring verständigen. Entscheidend ist, dass ein konkreter Katalog verabschiedet wird, der die Bildungsqualität von der Vorschule, über Schulen, Hochschulen bis in den Weiterbildungssektor nicht theoretisch sondern praktisch verbessert.

Es ist völlig indiskutabel, dass die sogenannten Demografiegewinne wegen zurückgehender Schülerzahlen im Bildungssektor verbleiben müssen, u.a. um den Ganztag weiter auszubauen, die Klassengrößen spürbar abzusenken und die hohe arbeitszeitliche Belastung der Lehrerinnen und Lehrer zu reduzieren. Unbestritten muss aber auch die vorschulische Phase eine umfassende Sprachförderung einschließen. Die Hochschulkapazitäten sind so auszubauen, dass Studierende die erforderlichen Studienangebote erhalten, um Regelstudienzeiten einhalten zu können. Daneben muss es aber auch selbstverständlich sein, jetzt ein Klima der Anerkennung der Arbeit von Erziehern, Pädagogen und Lehrerinnen und Lehrern zu schaffen, das ihrem engagierten, sehr beanspruchenden Einsatz für die junge Generation gerecht wird.

"Wenn der Lehrerberuf in Deutschland keine stärkere gesellschaftliche Wertschätzung erfährt, dann läuft jede Qualifizierungsinitiative ins Leere, weil der Lehrernachwuchs ausbleibt. Daher muss das wachsende Tempo von Schulreformen gebremst werden. Die Arbeitsbedingungen für Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen sind deutlich zu verbessern. Bevor wir Berufstätige animieren, ein Hochschulstudium aufzunehmen, sollten die unzureichenden Kapazitäten zuerst an den Hochschulen ausgebaut werden. Sie sind jetzt bereits total überfordert. Die Studierenden werden ´künstlich ausgebremst´, weil die vorhandenen Angebote nicht ausreichen", so Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologen-Verbandes.

Vom Gipfel aus hat man zwar mehr Überblick, doch besteht auch die Gefahr, dass die Probleme vor Ort in weiter Ferne verschwimmen könnten. Die Wahrheit aber ist konkret! Und im ´Flachland´ der Schulpraxis müssen die Entscheidungen ankommen. Nur dann geht vom Bildungsgipfel ein gutes Signal aus.


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