Bildungsministerin und Landauer Wissenschaftler stellen zentrale Ergebnisse der ersten landesweiten Vergleichsarbeiten für Grundschulen im Fach Mathematik vor

Bildungsministerin und Landauer Wissenschaftler stellen zentrale Ergebnisse der ersten "Die rheinland-pfälzischen Grundschülerinnen und Grundschüler haben im Fach Mathematik insgesamt ein gutes Leistungsniveau. Allerdings gibt es vor allem im Sachrechnen noch ein eindeutiges Verbesserungspotenzial. Verstärkt werden sollen zudem die Bemühungen um eine Verbesserung der Diagnosekompetenz von Lehrerinnen und Lehrern." Dieses Fazit aus den ersten landesweiten Vergleichsarbeiten (VERA) in Mathematik, die Ende November 2003 von allen rund 43.000 Viertklässlerinnen und Viertklässlern in den 990 Grundschulen landesweit geschrieben worden waren, zogen heute Bildungsministerin Doris Ahnen und die für die Entwicklung und Auswertung von VERA verantwortlichen Landauer Professoren, Andreas Helmke und Ingmar Hosenfeld, bei einer Pressekonferenz in Mainz.

22.06.2004 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-Pfalz

"Die Ergebnisse der Landesstichprobe von 60 Schulen bei den ersten Vergleichsarbeiten liefern wichtige Erkenntnisse sowie eine gute Grundlage für die Qualitätsentwicklung in den Grundschulen insgesamt, und sie bieten den Grundschullehrkräften wichtige Hinweise für die Strukturierung und Gestaltung ihres künftigen Unterrichts im Fach Mathematik", betonte Doris Ahnen.

Prof. Dr. Andreas Helmke und Prof. Dr. Ingmar Hosenfeld resümierten, bei einem generell guten Ausbildungsstand in Mathematik hätten die Viertklässlerinnen und Viertklässler des zu Ende gehenden Schuljahres die besten Ergebnisse im mathematischen Teilgebiet Arithmetik erzielt: Zu Beginn des Schuljahres 2003/04 hätten beim Zahlenrechnen 88 Prozent der Schülerinnen und Schüler auf einer dreistufigen Kompetenzskala mindestens die Kompetenzstufe 2 erreicht. In Geometrie habe dieser Anteil bei 74 Prozent und in dem eng mit der Lesekompetenz verbundenen Bereich des Sachrechnens bei 59 Prozent gelegen. "Erfreulich ist, dass dieses Leistungsniveau von nahezu allen Klassen mit relativ geringen Abweichungen erreicht werden konnte", sagte die Bildungsministerin.

Im Vergleich zu der Normierungsstudie im Vorjahr seien zum Teil erhebliche Verbesserungen festgestellt worden, sagte Helmke weiter. 2002 waren im Rahmen der Aufgabenentwicklung Vergleichsdaten für den Leistungsstand am Beginn der 4. Jahrgangsstufe gewonnen worden. Auch wenn der Vergleich zwischen Normierungsstudie und den ersten landesweiten Vergleichsarbeiten aus empirischer Sicht mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten sei, könnten insbesondere in den Teilbereichen Geometrie und Sachrechnen deutliche Verschiebungen zum Positiven festgestellt werden, stellte der Landauer Professor fest. Hier zeige sich offenbar, dass es den Lehrkräften gelungen ist, auf die Anforderungen des neuen Rahmenplans, der verstärkt den Bereich Geometrie berücksichtigt, bereits ein Jahr nach seiner Einführung mit veränderten Schwerpunkten im Unterricht zu reagieren.

Trotz der insgesamt guten Ergebnisse ergebe sich vor allem im Bereich des Sachrechnens noch Verbesserungspotenzial, ergänzte Prof. Dr. Ingmar Hosenfeld. Dass dieses Potenzial genutzt werden könne, zeigten unter anderem die schon genannten Verbesserungen der Leistungen in der vierten Jahrgangsstufe im Vergleich zum Vorjahr. Wichtig für die bildungspolitischen Folgerungen und für die Weiterentwicklung der Grundschule sei allerdings auch die Erkenntnis der Studie, dass für die Qualität des Unterrichts die unterrichtende Lehrkraft offenkundig eine zentrale Bedeutung habe, stellten Hosenfeld und Helmke fest. Dies zeige sich in besseren Leistungen der Klassen, die längere Zeit - das heiße mehr als zwei Schuljahre - von derselben Mathematiklehrerin beziehungsweise demselben Mathematiklehrer unterrichtet wurden. Dagegen spiele in dieser Untersuchung - wie schon in anderen Vergleichsstudien - die Klassengröße kaum eine Rolle. Die Wissenschaftler unterstrichen, im Zusammenhang mit der Mathematikleistung habe zudem die Sozialschichtverteilung innerhalb einer Klasse ebenfalls eine vergleichsweise geringe Bedeutung. Der relative Anteil von Kindern nicht-deutscher Muttersprache wirke sich nicht nachweisbar auf die Mathematikleistung einer Klasse aus.

Die erfreulichen Befunde im Bereich der mathematischen Kompetenzen kämen natürlich im Rahmen der diesjährigen Vergleichsarbeiten auch durch die zusätzliche Hereinnahme des Faches Deutsch wieder auf den Prüfstand, unterstrich Bildungsministerin Ahnen. "Die Vergleichsarbeiten als weitere Maßnahme zur Qualitätssicherung der Bildungsarbeit an rheinland-pfälzischen Grundschulen enthalten zahlreiche Ansätze und Informationen, die im Unterricht genutzt werden können", so Doris Ahnen, die zugleich den Lehrerinnen und Lehrern in den Grundschulen des Landes ausdrücklich für ihr Engagement und ihren Einsatz bei der Durchführung und Auswertung der ersten Vergleichsarbeiten dankte. Die Ministerin betonte, die Vergleichsarbeiten erfüllten insbesondere in folgenden Bereichen eine wichtige Rolle:

  • Auf der Ebene der Schule dienten die Ergebnisse der Verortung der eigenen Arbeit durch einen Vergleich der eigenen Ergebnisse mit den Durchschnittswerten auf Landesebene und mit den Ergebnissen anderer Schulen. Schulen mit ähnlichen Rahmenbedingungen (wie soziale Zusammensetzung der Schülerschaft) könnten beim so genannten 'fairen Vergleich' ihr Abschneiden mit vergleichbaren Schulen überprüfen.

 

  • Für die Lehrerinnen und Lehrer ergäben sich zahlreiche Möglichkeiten, um die Ergebnisse für den Unterricht nutzbar zu machen, wie beispielsweise die Hinweise auf unterschiedliche Leistungsniveaus in verschiedenen Teilbereichen der mathematischen Kompetenz zeigten. Oder aber dadurch, dass die Lehrkräfte die Möglichkeit zur systematischen Analyse von typischen Fehlermustern ihrer Schülerschaft erhielten und Stärken und Schwächen der unterrichteten Klasse in Verbindung mit ihrer eigenen Unterrichtspraxis identifizieren könnten.

 

  • Die Ergebnisse der Vergleichsarbeiten und ihre Auswertung lieferten wichtige Impulse für die Diagnosekompetenz der Lehrerinnen und Lehrer, die sich in Zusatzbefragungen als verbesserungsfähig erwiesen habe. Durch die Einbettung in den schulischen und schulübergreifenden Vergleichsrahmen könne eine Verbesserung der diagnostischen Kompetenz erreicht werden. Die Vergleichsarbeiten hätten auch gezeigt, dass die Notengebung im Fach Mathematik zu global und noch zu einseitig auf die Arithmetik konzentriert sei. Schülerinnen und Schüler mit schlechten Noten können also je nach Inhaltsbereich durchaus Potenziale haben, die es zu entdecken und zu fördern gelte.

 

  • Für die Eltern seien die Ergebnisse der Vergleichsarbeiten eine Zusatzinformation zum Leistungsstand ihres Kindes, die zur Beratung über die weitere Schullaufbahn herangezogen werden könne. Außerdem sollten die Ergebnisse Ausgangspunkt für gezielte individuelle Förderung sein.

Doris Ahnen unterstrich: "Die Vergleichsarbeiten und auch die weitere Umsetzung des neuen Rahmenplans Mathematik für die Grundschulen werden anhand der bundeseinheitlichen Bildungsstandards, die derzeit erarbeitet werden, überprüft und weiterentwickelt. Es hat sich aber eindeutig erwiesen: Die Ergebnisse der Vergleichsarbeiten liefern zu Beginn der vierten Jahrgangsstufe wichtige zusätzliche Informationen über den Leistungsstand des Kindes und eine valide Basis für die Entwicklung gezielter individueller Fördermaßnahmen, die noch besser auf die Stärken und Schwächen der Schülerinnen und Schüler abgestimmt werden können." Für die Zukunft sei - beginnend schon im Herbst dieses Jahres - vorgesehen, die Vergleichsarbeiten nicht nur auf das Fach Deutsch zu erweitern, sondern durch die Beteiligung der Kooperationspartner Berlin, Bremen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein auch eine länderübergreifende Verortung der rheinland-pfälzischen Ergebnisse zu ermöglichen.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden