Deutscher Lehrerverband

"Das ist Alarmismus auf der Basis unzureichender Datensätze"

Der Deutsche Lehrerverband hat die jüngste Bildungsstudie der Bertelsmann-Stiftung kritisiert. Wörtlich sagte Verbandspräsident Josef Kraus dazu:

12.03.2012 Pressemeldung Deutscher Lehrerverband (DL)

"Was die Bertelsmann-Stiftung hier publiziert, ist teilweise nicht seriös. Zum Beispiel wärmt diese Studie zu erheblichen Teilen PISA-Daten auf, die längst diskutiert wurden. Außerdem erfasst die Bertelsmann-Studie bei der Analyse der sozialen Hintergründe der Gymnasiasten nicht, dass sich das deutsche Bildungswesen durch eine ausgesprochen vertikale Durchlässigkeit auszeichnet. Die Studie legt hier nämlich PISA-Daten zugrunde. Mit PISA aber wurden Fünfzehnjährige getestet und befragt; deren tatsächliche Bildungsabschlüsse kommen in der Studie somit nicht zum Tragen. PISA ist deshalb als Indikator für die Durchlässigkeit des deutschen Bildungswesens ungeeignet. Denn rund die Hälfte aller Studierberechtigten hat kein Gymnasium besucht, sondern den Weg zur Studierberechtigung auf anderen Wegen erworben. Unter diesen jungen Leuten sind sogenannte bildungsferne Schichten sogar stark vertreten.

Man kann der Bertelsmann-Stiftung den Vorwurf nicht ersparen, dass sie die Karte der Bildungsgerechtigkeit spielt, im Endeffekt mit ihrem Alarmismus aber Bildungswege außerhalb des Gymnasiums implizit als minderwertig diskreditiert. Die Bertelsmann-Stiftung sollte auch davon Abstand nehmen, PISA-Ergebnisse als Indikatoren für das Leistungsvermögen von Schülern bzw. von ganzen Schulsystemen zu betrachten. Mit PISA wird nämlich ein sehr enges Verständnis von schulischer Bildung propagiert. In PISA kommen nämlich maßgebliche Bildungsbereiche gar nicht vor, die eine umfassende Allgemeinbildung ausmachen – nämlich die Fächer Fremdsprachen, Geschichte, Politik, Geographie, Religionslehre/Ethik, Kunst, Musik sowie die literarische Bildung."


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