Ergebnisse unterstreichen Notwendigkeit der eingeleiteten Schulreformen

Verbesserungen in den Naturwissenschaften, konstante Leistungswerte in Mathematik und bei den Lesekompetenzen. Das sind die Ergebnisse des PISA-Ländervergleichs 2006 für Schleswig-Holsteins 15-jährige Schülerinnen und Schüler. "Ich freue mich über das gute Ergebnis in den Naturwissenschaften. Der fehlende Aufwärtstrend bei der Lesekompetenz und in Mathematik ist dagegen enttäuschend. Hier müssen wir vor allem bei den leistungsschwächeren Schülerinnen und Schülern deutlich zulegen, um Anschluss an die internationale PISA-Spitzengruppe zu finden", sagte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave heute (18. November) nach der Vorstellung der PISA-Ergebnisse in Berlin. "Erfreulich sind die guten bis sehr guten Ergebnisse der schleswig-holsteinischen Gymnasien im bundesweiten Vergleich."

18.11.2008 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Die Ministerin wies darauf hin, dass die umfangreichen Reformen und Förderinitiativen der vergangenen Jahre zum PISA-Testzeitpunkt im Frühsommer 2006 noch keine positiven Effekte haben konnten. So gelte das neue Schulgesetz mit der Einführung von Gemeinschaftsschulen und Regionalschulen und dem schrittweisen Auslaufen der Schulart Hauptschule bis 2015 erst seit Anfang 2007. "Damit schaffen wir gerade auch für leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler die Voraussetzungen für anregende Lernumgebungen. Der Umbau unseres Schulsystems hin zu längerem gemeinsamen Lernen und mehr individueller Förderung nimmt jetzt Fahrt auf." Auch viele andere grundlegende Veränderungen wie der systematische Ausbau der vorschulischen Sprachförderung oder das erfolgreiche Leseförderprogramm "Niemanden zurücklassen" hätten sich auf die im Jahr 2006 getesteten 15-Jährigen noch nicht auswirken können. "Die Fortschritte werden mittel- und langfristig sichtbar werden."

Obwohl das Leistungsniveau in Mathematik und Lesen gleich geblieben ist und sich in den Naturwissenschaften sogar verbessert hat, muss sich Schleswig-Holstein bei PISA-2006-E jeweils mit schwächeren Platzierungen als bei PISA-2003-E begnügen. "Andere Länder haben stärker zugelegt als wir. Das muss ein Ansporn für alle Beteiligten sein, ihre Anstrengungen weiter zu intensivieren."

Mit 510 Punkten und Platz 10 (2003: 497 Punkte/Platz 8; 2000: 486 Punkte/Platz 6) in den Naturwissenschaften, 497 Punkten und Platz 11 (2003: 497 Punkte/Platz 7; 2000: 490 Punkte/Platz 5) in Mathematik sowie 485 Punkten und Platz 12 (2003: 488 Punkte/Platz 5; 2000: 478 Punkte/Platz 8) müsse sich das Land aber nach wie vor nicht verstecken. "Die Punktzahlen der Länder liegen teilweise sehr dicht beieinander, so dass sich ein breites Mittelfeld auf einem ähnlichen Leistungsniveau ergibt. Hier haben die Platzierungen angesichts der bei Stichprobenerhebungen üblichen Schätzfehler nur eine eingeschränkte Aussagekraft", erläuterte die Bildungsministerin. Sie wies zudem darauf hin, dass die Gymnasien ihre guten Platzierungen im Vergleich der Länder weitgehend halten konnten. In "Naturwissenschaften" wurde mit 607 Punkten ein 5. Platz erreicht (2003: 598 Punkte/Platz 4), in "Mathe" waren es 596 Punkte ein 3. Platz (2003: 591 Punkte/Platz 5), in "Lesen" 585 Punkte und Platz 8 (2003: 585 Punkte/Platz 3).

Für Schleswig-Holstein wie für die Mehrzahl der anderen Länder bestehen nach wie vor die Herausforderungen, die bereits im Dezember vergangenen Jahres nach der Veröffentlichung der internationalen PISA 2006-Ergebnisse festgestellt worden sind, so die Bildungsministerin:

  • Nach wie vor zeigen sich große Leistungsunterschiede zwischen den15-jährigen Schülerinnen und Schülern, die größer ausfallen als in vielen Staaten der OECD.
  • Zu viele unserer Schülerinnen und Schüler - vor allem aus sozial schwierigem Umfeld oder mit einem Migrationshintergrund - verlassen die Schule ohne die erforderlichen Grundlagen für einen erfolgreichen Übergang in die berufliche Ausbildung und für eine angemessene Lebensgestaltung.
  • Nach wie vor besuchen Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund oder aus sozial benachteiligten Familien seltener ein Gymnasium und erreichen einen niedrigeren Leistungsstand.

"Die soziale Herkunft hat nach wie vor einen viel zu großen Einfluss auf den schulischen Erfolg unserer Schülerinnen und Schüler. Das dürfen wir nicht hinnehmen. PISA zeigt: Wir brauchen bessere Bildungschancen gerade für Benachteiligte", sagte Erdsiek-Rave. Sie betonte, dass Schleswig-Holstein bereits weitreichende Konsequenzen aus PISA gezogen und viele zusätzliche Anstrengungen unternommen habe, um das Leistungsniveau der Schülerinnen und Schüler zu verbessern. "Die eingeleiteten Reformen sind ohne Alternative und müssen zügig und konsequent umgesetzt werden."

Folgende Entwicklungen hob sie besonders hervor:

1) "Mit der Einführung von Gemeinschaftsschulen und Regionalschulen haben wir bessere Rahmenbedingungen für längeres gemeinsames Lernen und individuelle Förderung geschaffen. In unserer Fortbildungsoffensive werden die Lehrkräfte zusätzlich auf diese Aufgaben vorbereitet. Durch den Einsatz von Lernplänen können wir Leistungsschwache wie besonderes Begabte stärker individuell fördern."

2) "Wir werden die Leseförderung an den Schulen noch weiter ausbauen. Das Programm "Niemanden zurücklassen" wird bereits von Hauptschulen auf Gemeinschaftsschulen und Regionalschulen ausgeweitet. Ziel ist es, künftig alle Schulen dieser Schularten in das Programm einzubeziehen."

3) "Wir wollen Kinder und Jugendliche, die aus sozial schwierigem Umfeld stammen oder einen Migrationshintergrund haben, noch besser fördern. Dazu gehört vor allem die Einrichtung zusätzlicher gebundener Ganztagsschulen in sozialen Brennpunkten. Allein dafür stellen wir 50 zusätzliche Stellen zur Verfügung."

4) "Die vorschulische und schulische Sprachförderung ist seit 2005 massiv ausgeweitet und qualitativ verbessert worden. Das Land investiert dafür allein in der laufenden Legislaturperiode 27 Millionen Euro." Inzwischen seien landesweit 54 DaZ (Deutsch als Zweitsprache)-Zentren aufgebaut worden, die den zielgerichteten Einsatz von 200 Lehrerstellen für besondere Sprachförderung in der Grundschule und an den weiterführenden Schulen sicherstellen."

5) "Die Instrumente zur Qualitätsentwicklung an unseren Schulen bleiben ein wichtiger Faktor für die Verbesserung des Unterrichts. Die Rückmeldungen aus dem Schul-TÜV (EVIT) und aus den Vergleichsarbeiten, die inzwischen in den Klassenstufen 3, 6 und 8 (VERA) durchgeführt werden, sind dafür unerlässlich. Die Schulen müssen diese Rückmeldungen noch konsequenter für die individuelle Förderung nutzen."

Die wichtigsten Ergebnisse für Schleswig-Holstein im Überblick:

Verteilung auf Schulen und Klassenstufen In der Tendenz ist der Anteil der Schüler/innen an Gymnasien, Realschulen, Gesamtschulen und Beruflichen Schulen leicht gestiegen, der von Schüler/innen an Hauptschulen zurückgegangen. Im Ländervergleich weist SH damit den niedrigsten Anteil von 15-jährigen Schülerinnen und Schülern an den Gymnasien auf.

Von den getesteten 15-jährigen Schüler/innen besuchen nach eigenen Angaben (zum Vergleich Pisa 2003 in Klammern)

Hauptschule: 26,7 % (29,3 %)
Berufliche Schule: 4,1 % (3,4 %)
Integr. Gesamtschule: 7,1 % (6,5 %)
Realschule: 32,1 % (31,4 %)
Gymnasium: 26,9 % (25,2 %)

Kompetenzunterschiede zwischen den Schularten

Zwischen den Leistungsergebnissen der Schülerinnen und Schüler der verschiedenen Schularten liegen erhebliche Unterschiede, insbesondere zwischen Hauptschulen und Gymnasien, die dem Lernzuwachs mehrerer Schuljahre entsprechen.

In Mathematik liegen die Leistungen an den Gymnasien mit 596 Punkten deutlich über denen an den Realschulen (504 Punkte) und an den Gesamtschulen (498 Punkte), die sich im OECD- Durchschnitt (498 Punkte) befinden. Die Hauptschülerinnen und -schüler (411 Punkte) liegen erkennbar darunter. Ein ähnliches Bild zeigt sich für die Naturwissenschaften mit 607 Punkten für die Gymnasien, 521 Punkte an Realschulen, 514 an Gesamtschulen und 422 an Hauptschulen (OECD- Mittelwert: 500 Punkte).

Noch größere Unterschiede zwischen den Schularten zeigen sich im Lesen mit 585 Punkten für die Gymnasien, 511 Punkte für die Realschulen, 503 Punkte für die Gesamtschulen und 387 für die Hauptschulen (OECD-Durchschnitt: 492 Punkte).

Der Anteil der Schülerinnen und Schüler auf oder unter Kompetenzstufe I liegt an den Realschulen zwischen ca. 7 und 11 Prozent; an den Gesamtschulen zwischen ca. 9 und 14 Prozent, an den Hauptschulen zwischen ca. 43 und 61 Prozent.

Alle Ergebnisse belegen

  • einen großen Leistungsvorsprung der Gymnasien vor allen anderen Schulformen,
  • einen leichten Vorsprung der Realschule gegenüber der Gesamtschule, im Vergleich zu anderen Bundesländern liegen die Leistungen beider Schularten dicht beieinander und im OECD-Durchschnitt,
  • einen sehr großen Abstand der HS zu allen andern Schulformen.

Verzögerte Schullaufbahn

Trotz eines deutlichen Rückgangs gegenüber PISA 2003 (47,4%) ist der Anteil der 15-Jährigen mit verzögerter Schullaufbahn auch bei PISA 2006 mit 38,3 Prozent unter den 16 Bundesländern nach wie vor am höchsten.

Anteil der Schüler/innen in SH, die ein oder mehrere Schuljahre wiederholt haben und/ oder zurückgestellt wurden (zum Vergleich Pisa 2003 in Klammern):

HS: 68,2 % (76,3 %),
IGS: 33,6 % (33,8 %),
RS: 35,7 % (42,7 %),
Gym: 13,0 % (23,5 %).

Soziale Herkunft

Auch für Schleswig-Holstein hat sich der Zusammenhang zwischen den erreichten Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler und ihrer sozialen Herkunft gegenüber PISA 2003 leicht entspannt. Er liegt im mittleren Bereich der Länder, aber immer noch über dem OECD- Durchschnitt.

Wie in allen anderen Ländern besuchen auch in Schleswig-Holstein Schüler aus der obersten Sozialschicht mehrheitlich das Gymnasium (46.9 % SH; 52,6 % Bundesdurchschnitt), der Anteil der 15-jährigen aus der untersten Sozialschicht, die ein Gymnasium besuchen, ist in SH mit 9,6 % unterdurchschnittlich (Bundesdurchschnitt 13,1 %). Allerdings hat der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und der Chance auf einen Besuch des Gymnasiums gegenüber PISA 2003 leicht abgenommen.

Migranten

Schleswig-Holstein wies unter den westdeutschen Flächenländern mit den niedrigsten Anteil von 15-jährigen Schüler/innen mit einem Migrationshintergrund auf (ca. 12 %). Auch in Schleswig-Holstein bestehen zwischen Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund deutliche Unterschiede in der Kompetenzentwicklung. Diese Unterschiede fallen im Ländervergleich allerdings mit am geringsten aus. Das gilt auch für die Bildungsbeteiligung, also auf welche Schularten sich die Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund verteilen.

Weitere Informationen zu PISA finden Sie im Internet unter folgenden Adressen: www.ipn.uni-kiel.de und www.pisa.oecd.org.


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