GEW Bayern zu den Ergebnissen des Grundschul-Ländervergleichs: Neue Aufregung um altbekannte Ergebnisse
Alle paar Jahre werden die Leistungen deutscher SchülerInnen in Mathematik, Deutsch und den Naturwissenschaften international und / oder innerdeutsch verglichen (PISA, VERA, IGLU, TIMSS ). Regelmäßig nehmen überwiegend die süddeutschen Flächenländer Spitzenplätze ein. Die Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen finden sich meist auf den letzten Plätzen. So auch bei den gerade veröffentlichten Ergebnissen des Ländervergleichs in vierten Grundschulklassen, bezogen auf "Lesen", "Zuhören" und "Mathematik". Bayern nimmt in allen drei Bereichen den ersten Platz ein.
08.10.2012 Pressemeldung GEW BayernDazu Gele Neubäcker, Vorsitzende der GEW Bayern: "Die Ergebnisse zeigen erneut, dass bayerische SchülerInnen bei Leistungsvergleichen besonders gut abschneiden. Da stellt sich zuallererst die Frage, warum das Bundesland mit den besten Ergebnissen eine unterdurchschnittliche Übertrittsquote auf "höhere" Schulen und eine ebenfalls unterdurchschnittliche AbiturientInnenquote hat.
Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass es keinen Anlass gibt, sich zufrieden zurückzulehnen. Seit vielen Jahren ist gut belegt, dass die soziale Herkunft, das Geschlecht und ein eventueller Zuwanderungshintergrund erheblichen Einfluss auf die Ergebnisse haben. Das gilt nach wie vor und insbesondere auch für Bayern. Die Hausaufgaben sind nicht erledigt!"
Beim Lesen und beim Zuhören ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Erfolg größer als im deutschen Durchschnitt, in Mathematik entspricht er gerade dem Durchschnitt. Kinder mit Migrationshintergrund erreichen in allen drei Bereichen signifikant weniger Punkte als Kinder ohne einen solchen Hintergrund. Nach wie vor überdeutliche Unterschiede zugunsten der Mädchen gibt es beim Lesen.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert statt solcher Untersuchungen, die stets zu weitgehend gleichen Ergebnissen führen, die Ursachen der Unterschiede zu erforschen und entsprechende Konsequenzen im Interesse der Kinder und Jugendlichen zu ziehen. Nur so kann Chancengleichheit erreicht werden.
Neubäcker: "Ich gehe davon aus, dass die Kinder in den Stadtstaaten nicht "dümmer" sind, als anderswo, und dass ihre LehrerInnen nicht weniger kompetent und engagiert arbeiten. Sinnvoller, als Bundesländer-Rankings zu erstellen, wäre es daher, Regionen mit ähnlichen Strukturen zu vergleichen. Dabei geht es z. B. um Regionen mit ähnlicher Bevölkerungsdichte, ähnlichen urbanen und schulischen Strukturen, sowie ähnlichen wirtschaftlichen und sozialen Daten.
Außerdem reicht es nicht aus, nur die Fächer Deutsch, Mathematik und Naturwissenschaften zu untersuchen. Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf umfassende Bildung. Dazu gehört auch die musische Bildung, und dazu gehören Raum und Zeit für den Erwerb und die Einübung von sozialen Kompetenzen, von Solidarität und von demokratischem Verhalten."
- Insgesamt hoher Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler im Primarbereich
- Grundschulkinder leiden unter absurdem Druck
Keine Kommentare vorhanden