Hamburger Leistungsbilanz der gymnasialen Oberstufe
Erste Ergebnisse LAU 13 vorgelegt / Bundesweit einmalige Langzeituntersuchung Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig hat heute gemeinsam mit Prof. Dr. Rainer H. Lehmann (Humboldt-Universität zu Berlin) erste zentrale Ergebnisse der Untersuchung LAU 13 (Aspekte der Lernausgangslage und der Lernentwicklung – Klassenstufe 13) vorgestellt. Die Behörde für Bildung und Sport legt damit einen ersten Bericht zu diesem Teil der bundesweit einmaligen Längsschnittuntersuchung vor.
16.01.2006 Hamburg Pressemeldung Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB)LAU 13 wurde im Auftrag der Behörde für Bildung und Sport im April 2005 in allen Hamburger Gymnasien, Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe, Aufbaugymnasien, Technischen und Wirtschaftsgymnasien durchgeführt. Im Mittelpunkt der Untersuchung standen die Lernstände und Lernentwicklungen in den Kompetenzbereichen Mathematik und Englisch von 5.566 teilnehmenden Abiturientinnen und Abiturienten. Die Untersuchung ist der vorläufig letzte Teil einer Studie, die seit 1996 nahezu alle Hamburger Schülerinnen und Schüler der damaligen fünften Klassen im Abstand von zwei Schuljahren erfasst hat. Hier geht es um diejenigen, die zwischen 2002 und 2005 eine der Formen der gymnasialen Oberstufe durchlaufen haben.
Es ist geplant, einen vertiefenden "thematischen" Bericht im März/April 2006 in Kooperation zwischen dem Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin (MPI-B), dem Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen in Berlin (IQB), der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung in Hamburg zu veröffentlichen. Schwerpunkte dieses Berichts werden der Vergleich mit den Ergebnissen des durch das MPI-B durchgeführten Projekts "TOSCA" ("Transformation des Sekundarschulsystems und akademische Karrieren"), an dem seit dem Jahr 2002 eine repräsentativen Stichprobe von 60 beruflichen und 89 allgemeinbildenden Gymnasien in Baden-Württemberg teilnehmen, sowie eine Verortung der Hamburger Ergebnisse im Rahmen der internationalen TIMS-Studie ("Third International Mathematics and Science Study") sein.
Allgemeine Ergebnisse
- Das Hamburger Schulsystem ist dadurch gekennzeichnet, dass verschiedenste Wege zur Allgemeinen Hochschulreife führen. So haben 66 Prozent des "LAU-Jahrgangs" ihr Abitur an grundständigen Gymnasien, 15 Prozent an Integrierten Gesamtschulen, 10 Prozent an Wirtschaftsgymnasien, 7 Prozent an Aufbaugymnasien und 2 Prozent an den beiden Technischen Gymnasien erlangt.
- Die Schülerinnen und Schüler dieser fünf Bildungsgänge unterscheiden sich in der Geschlechterverteilung, hinsichtlich ihres Anteils an jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund, bezüglich ihrer durchschnittlichen Lernvoraussetzungen und in der Art ihrer Zugangsberechtigung zur gymnasialen Oberstufe. So sind junge Frauen in den Oberstufen der Gesamtschulen und Aufbaugymnasien mit 57 bzw. 60 Prozent in der Mehrheit, während an den Technischen und Wirtschaftsgymnasien junge Männer mit 90 bzw. 57 Prozent die Mehrheit stellen. Der Anteil an ausländischen Jugendlichen und Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist an den Aufbaugymnasien mit 55 Prozent am größten. Die grundständigen Gymnasiastinnen und Gymnasiasten besitzen erwartungsgemäß die günstigsten Lernvoraussetzungen. Die Aufbau-, Technischen und Wirtschaftsgymnasien sind die Bildungsgänge, die ausschließlich bzw. zum überwiegenden Teil Jugendliche mit einem (qualifizierten) Realschulabschluss zum Abitur führen. Die Unterschiede in der Zusammensetzung der Schülerschaft machen deutlich, dass Vergleiche zwischen den Bildungsgängen nur unter Berücksichtigung der unter-schiedlichen Eingangsvoraussetzungen sinnvoll sind.
- Von den 5.742 Schülerinnen und Schülern aus der LAU 11 wurden 27 Prozent in Folge von Klassenwiederholung oder Abgang bei der LAU 13 nicht mehr angetroffen. Während die Quoten bei den grundständigen Gymnasien und den Gesamtschulen bei 19 bzw. 24 Prozent liegen, sind es in den Aufbaugymnasien 44 Prozent, in den Technischen und Wirtschaftsgymnasien über die Hälfte der Schülerschaft.
Die wichtigsten Ergebnisse in Mathematik
- In der gymnasialen Oberstufe unterscheiden sich die Lernstände in Mathematik in den verschiedenen Bildungsgängen zum Teil erheblich. Das durchschnittliche Leistungsniveau am Ende der gymnasialen Oberstufe ist in grundständigen Gymnasien und in Technischen Gymnasien deutlich höher als in den anderen Bildungsgängen.
- Zugleich zeigen die Leistungsverteilungen für die einzelnen Bildungsgänge einen großen Überschneidungsbereich. Als Maßstab hierfür kann der gemeinsame Kernbereich (Gesamtmittelwert plus/minus eine Standardabweichung) dienen.
- An den Rändern der Leistungsverteilung erreichen in der mathematischen Grundbildung 19 Prozent der Abiturientinnen und Abiturienten aus den grundständigen und den Technischen Gymnasien und ca. 7 Prozent der Gesamtschülerinnen und Gesamtschüler mit Werten außerhalb dieses Bereichs höhere Lernstände. 8 Prozent der grund-ständigen Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, 14 Prozent der Gesamtschülerinnen und Gesamtschüler, 11 Prozent der Schülerinnen und Schüler aus den Technischen Gymnasien, 16 Prozent der Schülerinnen und Schüler aus den Aufbaugymnasien und etwa 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler aus den Wirtschaftsgymnasien zeigen geringere Leistungen. Diese Schülerinnen und Schüler vermochten nur wenige Aufgaben mit geringem Schwierigkeitsgrad zu lösen. Etwas schlechter stellt sich die Leistungsverteilung im Bereich der voruniversitären Mathematik dar.
- Insgesamt weisen die beobachteten Lernstände in Mathematik darauf hin, dass ein nennenswerter Teil der Schülerinnen und Schüler an Gesamtschulen, Aufbau- und Wirtschaftsgymnasien mit der Lösung von Aufgaben aus dem Bereich der mathematischen Grundbildung, die den Lernstand am Ende der Sekundarstufe I markieren sollten, noch am Ende der gymnasialen Oberstufe überfordert waren.
- Diese Befunde bestätigen sowohl die Ergebnisse der vorherigen Lernausgangslagenuntersuchungen als auch die aktuellen Befunde aus dem nationalen PISA-2003-Ländervergleich, die dem Hamburger Bildungswesen insbesondere im Bereich der mathematischen Kompetenz unterdurchschnittliche Leistungen attestieren.
- Die in der LAU 11 festgestellten niedrigen mittleren Lernstände am Ende der Sekundarstufe I können im Laufe der gymnasialen Oberstufe vor allem in den Grundkursen nicht entscheidend verbessert werden.
- Dagegen erreichen die Leistungskursschülerinnen und -schüler überwiegend beachtliche Lernzuwächse und hohe Lernstände am Ende der gymnasialen Oberstufe. Allerdings entscheiden sich lediglich zwischen 9 und 21 Prozent der Abiturientinnen und Abiturienten in den verschiedenen Bildungsgängen für einen Mathematik-Leistungskurs.
- Wie in allen anderen Studien erreichen junge Männer in allen Bildungsgängen deutlich höhere Lernstände in Mathematik als junge Frauen.
Die wichtigsten Ergebnisse in Englisch
- Betrachtet man die Ergebnisse in den Englischtests, findet sich eine größere Streuung der Leistungen zwischen den verschiedenen Bildungsgängen als in Mathematik.
- An den Rändern der Leistungsverteilung erreichen rund 20 Prozent der Abiturientinnen und Abiturienten aus den grundständigen Gymnasien und 6 Prozent der Gesamtschülerinnen und Gesamtschüler höhere Lernstände, während 5 Prozent der grundständigen Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, 19 Prozent der Gesamtschülerinnen und Gesamtschüler, 29 bzw. 30 Prozent der Schülerinnen und Schüler an den Technischen und den Aufbaugymnasien sowie 33 Prozent der Schülerinnen und Schüler aus den Wirtschaftsgymnasien geringere Leistungen gezeigt haben.
- Die deutliche Überlegenheit der Schülerinnen und Schüler aus den grundständigen Gymnasien zeigt sich zum einen in einer ausgeprägten Leistungsspitze mit nahezu perfekten Ergebnissen, insbesondere bei Leistungskursschülerinnen und -schülern. Gleichzeitig erreichen auch die Grundkurse einen vergleichsweise hohen mittleren Lernstand. Dieser liegt gleichauf oder sogar oberhalb der mittleren Lernstände, die in den Leistungskursen der übrigen Bildungsgänge erreicht wurden.
•- Die Unterschiede zwischen den Leistungs- und Grundkursen sind deutlich geringer ausgeprägt als in Mathematik. Ursächlich hierfür sind die höheren Lernzuwächse in den Grundkursen im Vergleich zu Mathematik, aber zugleich auch geringere Lernzuwächse der Leistungskursschülerinnen und -schüler.
- Zwischen jungen Frauen und jungen Männern bestehen nur geringe Unterschiede. Die jungen Männer haben ihren Rückstand vom Beginn der gymnasialen Oberstufe weitgehend aufholen können. Allerdings erreichen junge Frauen an grundständigen Gymnasien höhere Lernstände als junge Männer in allen anderen Bildungsgängen.
- Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund verzeichnen im Vergleich zu denen ohne Migrationshintergrund keine signifikanten Leistungsrückstände.
- Schülerinnen und Schüler, die in Klasse 11 eine Schule im Ausland besucht haben, weisen am Ende der gymnasialen Oberstufe durchschnittlich einen deutlich höheren Lernstand auf als andere; dieser Durchschnitt liegt noch oberhalb des mittleren Lernstandes der Leistungskursschülerinnen und -schüler.
Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig: "LAU 13 führt uns erneut vor Augen: Wir haben Probleme im Bereich der mathematischen Kompetenz. Unser Augenmerk muss – wie schon LAU 11 gezeigt hat – verstärkt auf den Unterricht, die Einhaltung von Mindeststandards in der Sekundarstufe I und die Auswahl der verpflichtenden Prüfungsfächer in der gymnasialen Oberstufe gerichtet werden.
Wichtige Schritte zur Bewältigung dieser Probleme sind mit der Einführung zentraler Prüfungen sowie dem Beginn eines Reformprozesses der gymnasialen Oberstufe im letzten Jahr getan worden. Wir werden mit der Umsetzung der Bildungsstandards, die die Kultusministerkonferenz beschlossen hat, auf dem Weg zu besseren Lernergebnissen weiter vorankommen. Auch die neuen Bildungspläne für die gymnasiale Oberstufe und die Einführung des Zentralabiturs werden die Qualität des Hamburger Abiturs verbessern."
Der LAU 13-Bericht kann auf dem "Hamburger Bildungsserver" eingesehen und heruntergeladen werden.http://www.hamburger-bildungsserver.de
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