Interview

KI in der Schule: „Wer profitiert und wer nicht?“

Sinnvoll, gerecht, transparent: Wie lässt sich Künstliche Intelligenz in der Schule so einsetzen? Über die ethische Perspektive, über Nutzen und Gefahren von KI hat Anna Petersen auf der didacta mit Judith Simon gesprochen.

29.04.2026 Bundesweit Artikel Anna Petersen
  • © Thiel/Deutscher Ethikrat Prof. Dr. Judith Simon beschäftigt sich mit ethischen, erkenntnistheoretischen und politischen Fragen im Kontext von KI und Digitalisierung und lehrt an der Universität Hamburg.

Judith Simon ist Professorin für Ethik in der Informationstechnologie an der Universität Hamburg und stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Ethikrates. Eine der größten Gefahren im Moment sieht Simon darin, „dass das Lernen delegiert wird an KI“. Im Interview sagt die Wissenschaftlerin, worauf Lehrkräfte achten sollten und was KI aus ihrer Sicht für das Thema Bildungsgerechtigkeit bedeutet.

Anna Petersen: Frau Prof. Simon, wofür kann Künstliche Intelligenz in Schule sinnbringend eingesetzt werden?

Judith Simon: Eigentlich für ganz viele Sachen grundsätzlich. Und wir müssen auch immer unterscheiden, über welche KI wir reden: über generative KI und Chatbots, über Bildgeneratoren oder auch über klassischere KI-Systeme wie intelligente Tutorsysteme, die es ja auch schon ganz lange gibt. Und dementsprechend muss man an ganz vielen Stellen einfach schauen: Was macht Sinn, wo kann es fürs Lernen eingesetzt werden und für welche Aufgaben genau?

Wo sehen Sie denn so die Gefahren von KI im Bildungskontext?

Ich glaube, eine der größten Gefahren, die wir im Moment sehen, ist, dass das Lernen delegiert wird an KI und dementsprechend Lernprozesse gar nicht mehr durchgeführt werden wie Lesen oder Schreiben, sondern man stattdessen – weil natürlich an der Schule wahrscheinlich ähnlich wie an der Universität – oft die Produkte bewertet werden, also sprich die Abgaben, die Hausaufgaben usw., und dann natürlich ein großer Anreiz ist: Man lässt es einfach durch die KI machen und nutzt KI dann eben nicht zum Lernen, sondern tatsächlich um das Lernen abzukürzen. Und das ist, glaube ich, für das Lernen die größte Gefahr.

Wie ließe sich das denn als Lehrkraft irgendwie gut einfangen? Also, wie kann man dieser Gefahr begegnen? Weil das ist ja tatsächlich auch das, was viele immer wieder besorgt, dass einfach so bestimmte Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern verkümmern und man gar nicht mehr weiß, was stammt eigentlich von denen und was nicht.

Das sind zwei Sachen: Das eine ist, man braucht mehr Zeit, gemeinsam zu üben, und vielleicht mehr den Blick auf Prozesse und weniger auf die Resultate. Und ich weiß, das ist immer schwer. Aber auch an der Uni müssen wir überlegen: Wie kommen wir weg von dem vielen Benoten, […]



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