Kultusminister Rau fordert differenzierteren und kritischeren Umgang mit Leistungstests wie Pisa

Vergleich der Ergebnisse von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund dort nicht angemessen, wo beispielsweise unterschiedliche Handhabung im Bereich der Einwanderungspolitik herrscht.

28.11.2006 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

"Durch Pisa ist im Bereich der Schulentwicklung und der Unterrichtskultur vieles in Bewegung gekommen", sagte Kultusminister Helmut Rau MdL im Hinblick auf den fünften Jahrestag seit der Veröffentlichung der ersten PISA-Studie. "Mit den PISA-Ergebnissen dürfen aber keine überzogenen Erwartungen geweckt werden. PISA liefert empirische Befunde mit wichtigen Ansätzen für die Weiterentwicklung des Bildungswesens", betonte Rau. "Die Ergebnisse stehen aber nicht für einen abschließenden Kanon, der definiert, was eine gute oder eine schlechte Schule ausmacht." Deshalb dürfe PISA in der öffentlichen Debatte nicht für Schulstrukturdebatten instrumentalisiert werden.

Der internationale Vergleichstest bilde nicht den gesamten Bildungsstand von 15-Jährigen ab, sondern erhebe Kompetenzen in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. PISA 2000 und PISA 2003 lieferten Querschnittsbefunde, die als nützliche Impulsgeber für die Unterrichtsentwicklung und Lehrerbildung herangezogen werden sollten, so Rau. Für eine nachhaltige Entwicklung im Bildungsbereich seien aber Längsschnittstudien von großer Bedeutung, da sie Aufschluss geben über die Entwicklung von Bildungsbiografien. Sie lassen beispielsweise Rückschlüsse über die Entwicklung von Kindern mit Migrationshintergrund, über kritische Übergänge im Bildungssystem oder über die Durchlässigkeit und Anschlussfähigkeit im Bildungswesen zu. "Der Erfolg von Maßnahmen im Bereich der Früh- und der Sprachförderung oder der Ganztagsangebote lässt sich aber nur mittel- und langfristig anhand von entsprechenden Längsschnittstudien seriös analysieren", betonte der Kultusminister.

Auch verzerre der Vergleich der Bildungssysteme unterschiedlicher Teilnehmerstaaten die Wirklichkeit. "Wer Ergebnisse von Kindern mit Migrationshintergrund aus Ländern wie Kanada, Schweden oder Australien mit denjenigen aus Deutschland gegenüberstellt, vergleicht Äpfel mit Birnen", sagte Rau. Die Einwanderungspolitik jener Staaten beruhe auf einer anderen Tradition und sei selektiver als in Deutschland. Dort würden bei Immigranten in einem stärkeren Maße Sprachkenntnisse vorausgesetzt.


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