Bayern

Kultusministerium: "Wir bauen die individuelle Förderung konsequent weiter aus"

"Wir bauen die individuelle Förderung unserer Schülerinnen und Schüler in Bayern konsequent weiter aus!" Mit dieser Aussage umriss Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle am heutigen Freitag in München vor Medienvertretern die Zielrichtung bayerischer Bildungspolitik zum Start des Schuljahres 2010/2011.

10.09.2010 Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

"Die einzelne Schülerin und der einzelne Schüler stehen im Mittelpunkt der bayerischen Bildungspolitik und des bayerischen Bildungswesens.", betonte der Minister und fuhr fort: "Wir setzen in Bayern auf individuelle Förderung statt auf Einheitsschule".

Dazu stellt der Freistaat allein zum Schuljahr 2010/2011 insgesamt 1.279 zusätzliche Lehrerstellen bereit, im Doppelhaushalt 2009/2010 waren es über 2.700.

Dabei machte Minister Spaenle klar: "Allein das differenzierte Schulwesen mit Haupt-/Mittel-, Wirtschafts- und Realschule, Gymnasium sowie der Vielfalt der beruflichen Schulen mit ihren unterschiedlichen Angeboten kann auf die zentralen Fragen der Gegenwart die richtigen Antworten geben und die Schülerinnen und Schüler auf ihre Zukunft in der modernen Gesellschaft und der weltweit vernetzten Wirtschaft vorbereiten."

Mehr Ganztagsschulen, kleinere Klassen

Zentrale Elemente des Ausbaus der individuellen Förderung sind für Minister Spaenle:

  1. Der Ausbau der Ganztagsangebote. Die Anzahl der Schulstandorte mit gebundenen Ganztagszügen wird in Bayern zum Beispiel zum Schuljahr 2010/2011 von bisher 618 auf nun 785 erhöht, die Gruppen der offenen Ganztagsangebote werden von 2.831 im vergangenen Schuljahr auf nun 3.140 angehoben. Auch die Mittagsbetreuung wird weiter ausgebaut.
  2. Kleinere Klassen. An den Grundschulen sinkt beispielsweise die durchschnittliche Klassenstärke von 22,2 auf 21,9, an den Haupt- und Mittelschulen von 20,5 auf 20,2 Schülerinnen und Schüler. Auch die Klassen mit einem Anteil von mehr als der Hälfte der Kinder mit Migrationshintergrund werden im Bereich der Volksschulen ab einer Klassenstärke von 25 Schülerinnen und Schülern geteilt. Dazu wendet das Ministerium im Schuljahr 2010/2011 insgesamt 411 Vollzeitstellen auf.
  3. Der Modellversuch "Flexibel Grundschule". Er wird gemeinsam mit der Stiftung Bildungspakt Bayern an 20 Grundschulen durchgeführt. In einer flexiblen Eingangsstufe erlernen die Kinder in ihrem individuellen Lerntempo Lesen, Schreiben und Rechnen als Grundfertigkeiten – unabhängig davon, ob sie dazu ein, zwei oder drei Jahre benötigen. Danach besuchen sie die Klassen der dritten und vierten Jahrgangsstufe. So dauert die Grundschule für sie entweder drei, vier oder fünf Jahre.
  4. Das neue Übertrittsverfahren. Um dem Kind gerecht zu werden, spielen hier die Beratung der Eltern, die Empfehlung der Lehrkräfte über die zunächst einzuschlagende Schullaufbahn, der Probeunterricht und die Verantwortung der Eltern eine zentrale Rolle.
  5. Die erweiterte individuelle Förderung der Kinder in der 5. Jahrgangsstufe an Schulen aller Schularten:

    • An der Haupt-/Mittelschule etwa wird der Unterricht in den Jahrgangsstufen 5 und 6 modularisiert. Dort steht eine zusätzliche Unterrichtsstunde in der 5. Jahrgangsstufe zur Verfügung, um Inhalte zu vertiefen. Diese kann sogar geteilt werden.
    • In der Realschule werden in Deutsch, Mathematik und Englisch nach Bedarf künftig Intensivierungs- und Förderstunden in der 5. Jahrgangsstufe angeboten.

  6. Die Lehrkräfte bieten ihren Schülerinnen und Schülern in der 5. Jahrgangsstufe an den Gymnasien Intensivierungsstunden in Fächern an, in denen Bedarf besteht. Bei diesen wird die Klasse jeweils geteilt.

    "Bei den Maßnahmen in der 5. Jahrgangsstufe der Haupt- und Realschule haben wir die Erfahrungen der Intensivierungsstunden am Gymnasium aufgrund des Erfolgs auf die anderen Schularten übertragen und die Intensivierungsstunden zu einer Strategie fortgeschrieben", unterstrich Minister Spaenle.

Bayern gestaltet Schulwesen durchlässiger

Zu den Maßnahmen, die die Durchlässigkeit zwischen den Schularten steigern und so der individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler dienen, zählte Minister Spaenle beispielsweise:

  1. die Modellversuche der Kooperation von Haupt-/Mittel- und Realschule seit dem Schuljahr 2009/2010 sowie von Haupt-/Mittel- und Wirtschaftsschule,
  2. die verstärkte individuelle Förderung in der 5. Jahrgangsstufe,
  3. die Maßnahmen, die den Schülerinnen und Schülern den Übergang von der Schule zu einer weiterführenden schulischen Qualifikation oder zur Ausbildung und zum Studium erleichtern, wie z. B.:

    • die verstärkte Berufsorientierung und Kooperation mit Berufsschule und Wirtschaft an den Haupt- und Mittelschulen,
    • berufsorientierende Maßnahmen an Realschulen,
    • Brückenangebote, um Schülerinnen und Schüler mit mittlerem Bildungsabschluss für den Wechsel zur Fachoberschule vorzubereiten,
    • die P- und W-Seminare am achtjährigen Gymnasium und
    • den Ausbau der Einführungsklassen, in denen Schülerinnen und Schüler mit mittlerem Bildungsabschluss gezielt auf den Besuch der Oberstufe des Gymnasiums vorbereitet werden.

  4. Maßnahmen, die die beruflichen Schulen jungen Menschen anbieten, wie:

    • die Berufliche Oberschule als zweiten gleichwertigen Weg zum Hochschulstudium,
    • die duale Ausbildung mit dem Besuch der Berufsschulen,
    • zusätzliche Qualifikationen, die sich junge Menschen während der dualen Ausbildung durch den Besuch zusätzlicher Unterrichtseinheiten an Berufsschulen erwerben, z. B. beim Modellversuch Berufsschule Plus",
    • staatliche Berufsfachschulen: Zum neuen Schuljahr starten z. B. drei Fachschulen für eine Ausbildung zum Assistenten für Hotel- und Tourismusmanagement neu.
    • Angebote an Schülerinnen und Schülern, die sich noch auf eine Berufsausbildung vorbereiten, etwa das Berufseinstiegsjahr.

"Wir müssen junge Menschen mit Migrationshintergrund intensiv fördern"

Junge Menschen mit Migrationshintergrund zu begleiten, bezeichnete Minister Spaenle als besondere Aufgabe. In seinem Gesamtkonzept zur Förderung der schulischen Integration von Kindern mit Migrationshintergrund sind entsprechende Maßnahmen zusammengestellt, die in Bayern umgesetzt werden, beispielsweise:

  • die Absenkung der Klassenstärke auf 25 Schülerinnen und Schüler an Grund- und Hauptschulen, wenn die Klasse mehr als zur Hälfte aus Kindern mit Migrationshintergrund besteht,
  • die intensivierte Sprachförderung, für die allein an den Volksschulen 736 Vollzeitstellen zur Verfügung stehen. Sprachförderung erfolgt u. a. in Vorkursen im Kindergartenalter, in eigenen Angeboten an Grundschulen, weiterführenden Schulen und beruflichen Schulen,
  • die Stärkung interkultureller Kompetenzen bei Schülerschaft und Lehrkräften,
  • eine gezielte Aus- und Fortbildung von Lehrkräften, damit diese sensibel und angemessen auf die Bedürfnisse der jungen Menschen aus Zuwandererfamilien reagieren können.

Bayern stärkt Rechte von jungen Menschen mit Behinderung

"Wir müssen den Anliegen, Fähigkeiten und Bedürfnissen der jungen Menschen mit sonderpädagogischem Förderbedarf in unserem Schulwesen gerecht werden", betonte Minister Spaenle. Bayern setze die UN-Behindertenrechtekonvention um. Stärker als bisher sollen dabei die Eltern die Entscheidung tragen, ob ihre Kinder eine Regelschule oder eine Förderschule besuchen. "Unser Ziel ist die Inklusion durch Kooperation, bei der wir die jungen Menschen mit besonderen Angeboten wie den Mobilen Sonderpädagogischen Diensten begleiten", konkretisierte der Minister. Beispielhaft für ganz Deutschland suchen Mitglieder aller Fraktionen des Bayerischen Landtags mit dem Kultusministerium die geeigneten Wege.

Qualität und Gerechtigkeit ergänzen sich als Kernanliegen

Qualität und Gerechtigkeit ergänzen sich für Minister Spaenle. Dazu gehörten ebenso die qualitative Weiterentwicklung der Schularten wie auch Maßnahmen, um unterschiedlich begabte junge Menschen je eigens zu fördern. Angebote für sehr begabte und interessierte Schülerinnen und Schüler reichen z.B. im Schuljahr 2010/2011 vom Ferienseminar an allen Schularten über die Talentklassen an Realschulen und Hochbegabtenklassen an Gymnasien bis zu Angeboten zur Mehrfachqualifikation an beruflichen Schulen.

Organisatorische Regelungen unterstützen die individuelle Förderung

Mit organisatorischen Regelungen fördert das Kultusministerium die Schulen bei der individuellen Förderung der jungen Menschen.
Die eigenverantwortliche Schule könne vor Ort rascher und zielgenauer auf die Bedürfnisse der einzelnen jungen Menschen reagieren; entsprechende Eckpunkte seien beschlossen, erste Maßnahmen umgesetzt.
Die Umsetzung relevanter bildungspolitischer Entscheidungen werden künftig begleitend überprüft und gesteuert (Monitoring). "Diese Form der Prozesssteuerung werde ich zu einem Grundprinzip für alle wichtigen bildungspolitischen Entscheidungen erheben", so der Minister. Bei der Einführung der Oberstufe des achtjährigen und des letzten Jahrgangs des neunjährigen Gymnasiums hat sich diese Methode und das darauf basierende rasche Handeln ebenso bewährt wie bei der Umsetzung des neuen Übertrittsverfahrens.
Zum Beispiel mit Hilfe von 616 jahrgangskombinierten Klassen sowie 61 Mittelschulen und gut 175 Mittelschulverbünden sichert das Kultusministerium für möglichst viele jungen Menschen wohnortnah ein qualitativ hochwertiges Schulangebot, nämlich an Grund- sowie Haupt- und Mittelschulen.
Rund 60 Prozent aller Hauptschulen haben sich zum Schuljahr 2010/2011 allein oder im Schulverbund zu Mittelschulen weiterentwickelt.

"Wir müssen uns um jede Schülerin und jeden Schüler kümmern: das Netz muss so engmaschig sein, alle Schülerinnen und Schüler zu tragen", so Minister Spaenle abschließend.
In Bayern besuchen im Schuljahr 2010/2011 rund 1,8 Millionen Schülerinnen und Schüler die Schulen, davon rund 400.000 die beruflichen Schulen.


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