Linke Bildungs-Ideologien werden umgesetzt – von der Gemeinschaftsschule zur Einheitsschule
Man kann Schulministerin Sylvia Löhrmann zugute halten, dass sie heute Klarheit über die Ausgestaltung der Gemeinschaftsschulen geschaffen hat. Aus Sicht von lehrer nrw offenbart das Konzept jedoch in zentralen Punkten erhebliche Risiken. "Grundsätzlich ist die von Rot-Grün in NRW propagierte Gemeinschaftsschule nichts anderes als die Umsetzung linker Bildungs-Ideologie", erklärt Brigitte Balbach, Vorsitzende von lehrer nrw.
20.09.2010 Pressemeldung Verband Reale Bildung"Zwar wird Ministerin Löhrmann nicht müde zu betonen, dass keine Schulform abgeschafft werden soll, aber klar ist jetzt: Die integrative Gemeinschaftsschule soll durch eklatante Bevorzugung gegenüber allen anderen Schulformen zum Standard erhoben werden. Der Boden für die Einheitsschule ist bereitet."
lehrer nrw sieht in dem heute vorgestellten Konzept vier wesentliche Kritikpunkte:
- In Gemeinschaftsschulen wird der integrative Ansatz (gemeinsames Lernen von Klasse 5 – 10), gegenüber dem ebenfalls möglichen kooperativen Ansatz (differenzierte Bildungsgänge ab Klasse 7) deutlich bevorzugt: So liegt der Klassenfrequenzhöchstwert in der integrativen Gemeinschaftsschule bei 25 und in der kooperativen bei 29. Kooperative Lösungen, ob nun an einer Gemeinschaftsschule oder an eigenständigen Schulen des gegliederten Systems, werden mit Methode benachteiligt und damit de facto unattraktiv gemacht.
- An Gemeinschaftsschulen wird es künftig Lehrer 1. und 2. Klasse geben. Die unterschiedliche Eingangsbesoldung nach A12 und A13 zementiert die Benachteiligung von Hauptschul- und Realschul-Lehrkräften. Dass Lehrer an einer Schule für gleiche Arbeit unterschiedlich bezahlt werden, birgt ein nicht zu unterschätzendes Konfliktpotenzial.
- Gymnasial- und Realschulstandards heutiger Prägung werden an vollständig integrativen Gemeinschaftsschulen kaum zu erreichen sein, weil die Heterogenität der Schülerschaft und deren Leistungs-Bandbreite in den Klassen extrem groß sein wird. Ministerin Löhrmann spricht blumig von der "Kunst des binnendifferenzierten Unterrichts", ohne konkreter zu werden. lehrer nrw ist überzeugt, dass differenzierte Systeme – ob nun unter einem Dach oder in einer gegliederten Schullandschaft – leistungsfähiger sind. Die dürftigen Ergebnisse der Gesamtschulen zum Beispiel bei den PISA-Studien unterstützen diese These.
- Ministerin Löhrmann hat erneut vermieden, eine klare Aussage zur Bedeutung des Votums der Schulkonferenz zu machen. Kann ein Schulträger über die Köpfe und den Willen von Lehrern, Eltern und Schüler hinweg entscheiden, ob eine Gemeinschaftsschule eingerichtet wird? lehrer nrw befürchtet genau dies.
Bei Rückfragen steht Ihnen die Vorsitzende von lehrer nrw, Brigitte Balbach, zur Verfügung: Tel. 0211/1640971 oder mobil 0172/9018766.
Über "lehrer nrw": "lehrer nrw" ist aus dem traditionsreichen Realschullehrerverband NRW hervorgegangen. lehrer nrw vertritt die Interessen der Lehrkräfte im Sekundarbereich, insbesondere an den über 550 Realschulen und den rund 670 Hauptschulen in NRW. Unter dem Dach des Deutschen Beamtenbundes (DBB) tritt lehrer nrw für ein vielgliedriges Schulsystem in öffentlicher und privater Trägerschaft ein.
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