Neues Schulgesetz: Zwei rechts, zwei links
"Der Entwurf ist nach dem schlichten schwarz-roten Muster: "Zwei rechts, zwei links" gestrickt. Neben fortschrittlichen Ideen wie der stärkeren individuellen Förder-orientierung und der Einführung der Gemeinschaftsschule stehen pädagogische An-sätze aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts wie zum Beispiel bei der Umgestaltung der Oberstufe", sagte Dr. Kai Niemann, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am Dienstag, 28. März 2006, in Kiel zum Ent-wurf eines neuen Schulgesetzes.
28.03.2006 Schleswig-Holstein Pressemeldung GEW Schleswig-HolsteinAußerdem nütze das schönste Schulgesetz nichts, wenn die Landesregierung die Motivation der Lehrkräfte durch ständige Arbeitszeit-verlängerungen und Absenkung der Besoldung systematisch unter den Nullpunkt treibe.
"Wir stimmen mit der Bildungsministerin darin überein, dass Weltmeister im Sit-zenbleiben kein erstrebenswerter Titel ist. Wenn 47 Prozent aller Schülerinnen und Schüler in Schleswig-Holstein in ihrer Schulzeit mindestens einmal sitzen bleiben, ist es höchste Zeit, etwas dagegen zu unternehmen", meinte Kai Niemann. Mit einem einfachen ministeriellen Abschaffen des Sitzenbleibens sei es aber nicht getan. An allen Schulen müssten vielmehr Förderprogramme initiiert werden, um die individuel-le Förderung der einzelnen Schülerinnen und Schüler zu intensivieren. Dazu bräuchten die Schulen eine bessere personelle Ausstattung. Die bisherigen Mittel des För-derfonds reichten dafür hinten und vorne nicht. Zweifel äußerte der GEW-Landesvorsitzende an der Regelung, schwache Schülerinnen und Schülern an Realschulen oder Gymnasien frühzeitig den nächst erreichbaren Schulabschluss ablegen zu lassen.
Auf Kritik stieß beim GEW-Landesvorsitzenden die Art und Weise, wie die Schulzeit am Gymnasium auf 8 Jahre verkürzt werden soll: "Ohne die Einführung "echter Ganztagsschulen" ist die Belastung für Schülerinnen und Schüler mit täglich 7 Stun-den Unterricht zu hoch." "Ebenso falsch" sei der eingeschlagene Kurs bei der Verän-derung der gymnasialen Oberstufe. "In Profiloberstufen darf der Begriff der Allge-meinbildung nicht auf die alten Hauptfächer Mathematik, Deutsch und eine Fremd-sprache reduziert werden. Sie müssen echte Profilbildungen unter Einbeziehung so-zialwissenschaftlicher und musisch-künstlerischer Fächer ermöglichen!", forderte er die Bildungsministerin zu Nachbesserungen auf.
Unterstützung von der GEW erhielt die Bildungsministerin im Streit um religiöse Symbole in der Schule. "Religiöse Symbole in der Schule verstoßen gegen die Neut-ralitätspflicht des Staates. Deshalb haben sie in der Schule nichts zu suchen. Das gilt für das zur Schau getragene Kreuz eines christlichen Lehrers genauso wie für das Kopftuch einer muslimischen Lehrerin", so Kai Niemann.
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