Patentrezept gegen Bildungsmisere?

(bikl) "Gute Bildungspolitik ist auch die beste Sozialpolitik." Mit dieser Feststellung haben Randolf Rodenstock, Präsident der vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, und Prof. Dr. Dieter Lenzen, Bildungsexperte und Präsident der Freien Universität Berlin, die Studie "Bildung neu denken! Das Finanzkonzept" in Berlin vorgestellt. [(Vorbericht in bildungsklick.de)](http://bildungsklick.de/Service/Data/5822/view) Sie ergänzt die Studie "Bildung neu denken! Das Zukunftsprojekt", die im vorigen Jahr Konzepte zur Umgestaltung des deutschen Bildungssystems präsentierte.

28.10.2004 Artikel

Mit der ersten Studie habe man eine 'Bildungsrevolution' lostreten wollen, so erklärte Rodenstock heute. Aber nicht nur das: Denn zusätzlich seien auch eigene Initiativen gestartet worden, wie zum Beispiel KiDZ. Mit diesem Projekt habe die Stiftung Bildungspakt Bayern einen Teil der Studie "Bildung neu denken" bereits aufgegriffen. Nach dem Prinzip "Lieber früh investieren statt spät reparieren" werden seit Beginn des Schuljahres 2004/05 an drei Modellkindergärten neue Möglichkeiten einer frühkindlichen Förderung erprobt.

Die zweite Studie entwirft jetzt ein Finanzkonzept für das deutsche Bildungswesen. Zwar koste gute Bildung Geld, schlechte aber noch viel mehr, so Rodenstock. Unter dem Strich zahlten sich Investitionen in Bildung aber aus. Bester Beweis dafür sei die Tatsache, dass die ersten sieben PISA-Nationen auch zu den "Top Ten" der wirtschaftlichen Wachstumsnationen gehörten. In Deutschland seien nicht nur die Bildung selbst, sondern auch die Ausgaben für Bildung auf dem Rückzug. "Wir erleben die Folgen des Staatsversagens in Bildungsfragen. 10% der Schulabgänger bleiben ohne Abschluss, 20% sind nicht berufsbildungsfähig. Dies spricht eine deutliche Sprache," sagte Rodenstock. "Wir müssen uns auf das besinnen, was Benjamin Franklin einst sagte: Investition in Bildung zahlt die besten Zinsen."

Rund 30 % mehr, so das Ergebnis der Studie, müsste Deutschland zukünftig für Bildung ausgeben. Die Ausgaben würden dann 6,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen. Damit läge Deutschland dann mit den Bildungsausgaben hinter Korea und USA an dritter Stelle unter den OECD-Ländern.

Den größten Nachholbedarf sieht die Studie im Primarbereich und der Sekundarstufe I. Sechsjährige Grundschulzeit - bei einem Einschulungsalter von vier Jahren -, kein Sitzenbleiben mehr und Investitionen in Ganztagsschulen sind hier die entscheidenden Stichworte. Über Mittel aus Privatisierungen und sinkenden Staatsaktivitäten in einigen Bereichen, so Rodenstock, ließe sich die Reform realisieren.

Die Studie sei mutig, erklärte die GEW in einer ersten Stellungnahme. Entgegen aktueller politischer Entscheidungen fordere sie eine Erhöhung der Bildungsausgaben um über 30 Milliarden Euro. "Für die Bereitstellung dieser Gelder aber das Konzept des 'vollkommenen Marktes' vorzuschlagen, geht in die Irre und widerspricht einer solidarischen Finanzierung des gesellschaftlichen Gutes Bildung", sagte GEW-Schulexpertin Marianne Demmer. Einen weiteren Rückzug des Staates aus der Verantwortung für Bildung und Erziehung der nachwachsenden Generation lehne die GEW ab. " Über Kürzungen von Subventionen könne man jedoch jederzeit reden. Hier komme es auf die richtige Balance an. Demmer warnte aber davor, "Bildungs- gegen Sozialausgaben auszuspielen".

Zustimmung bekundete die GEW zu anderen Punkten: "Das Sitzen bleiben abzuschaffen, ist sowohl aus ökonomischen wie pädagogischen Gründen sinnvoll. Endlich hält diese Erkenntnis auch in Wirtschaftskreisen Einzug", betonte die Schulexpertin. Sie unterstütze auch die Forderung nach mehr Ganztagsschulen.

Die von der vbw herausgegebene Studie "Bildung neu denken! Das Finanzkonzept" wurde von Professor Dr. Dieter Lenzen (wissenschaftliche Koordination), der Prognos AG (ökonomische Analyse) und dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, DIW (volkswirtschaftliche Expertise) erstellt.

Weiterführende Links

Zusammenfassung_Band_II.pdf
Zusammenfassung_Bildungsstudie.pdf


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden