Philologenverband erwartet nach heutigen Kabinettsbeschlüssen nun schlüssiges Gesamtkonzept für das bayerische Gymnasium

"Auch wenn wir Schlimmeres verhindern konnten: Zum Jubeln ist uns nach den heutigen Kabinettsbeschlüssen nicht zumute", kommentierte der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes Max Schmidt den heutigen Beschluss des Ministerrates über nochmalige Eingriffe in das achtjährige Gymnasium. "Nüchtern muss konstatiert werden, dass die Argumente von Philologenverband und Direktorenvereinigung gegen weitere Einschnitte bei Stunden und Lehrplänen am Gymnasium nur begrenzt auf offene Ohren gestoßen sind. Der politische und mediale Druck nach nochmaligen Einschnitten war offensichtlich zu groß", bedauerte der bpv-Vorsitzende.

08.04.2008 Bayern Pressemeldung Bayerischer Philologenverband (bpv)

Gemetzel in den Stundentafeln abgewendet

In einer großen gemeinsamen Kraftanstrengung sei es den Vertretern von Philologenverband und Direktorenvereinigung immerhin gelungen, die massiv vorgetragenen Forderungen nach deutlich weitgehenderen Kürzungen der Unterrichtsstunden zu begrenzen: "Das Gemetzel, das die Landes-Eltern-Vereinigung in den Stundentafeln anrichten wollte, wird es nicht geben", so Schmidt wörtlich. Als Lichtblick bezeichnete es Schmidt, dass man der Politik die feste Zusage habe abringen können, die Kürzungen nicht mit einer Reduzierung der Lehrerstunden zu verbinden. "Das heißt auch: Die doppelte Budgetzuweisung für die Intensivierungsstunden bleibt im bisherigen Umfang erhalten", sagte der Chef des Philologenverbandes. Unumwunden gab Schmidt aber auch zu: "Der Verlust der Fachstunde in der ersten Fremdsprache ist bitter. Das ist die dicke Kröte, die wir bei den Verhandlungen zu schlucken hatten."

Kürzungspotenzial in den meisten Fächern bereits ausgeschöpft

Die derzeit laufende Überprüfung der Lehrpläne wird nach Überzeugung des Philologenverbandes zeigen, dass in den meisten Fächern das mögliche Kürzungspotenzial bereits im Rahmen der ersten Kürzung der G9-Lehrpläne ab 2004 ausgeschöpft worden sei. Für den Philologenverband gehe es nach Schmidts Worten daher jetzt in erster Linie darum, die Lehrplaninhalte auf ihre Altersangemessenheit hin zu überprüfen und gegebenenfalls Korrekturen vorzunehmen.

Warnung vor zu rigiden Vorgaben zur Umsetzung der Änderungen vor Ort

Der Verbandsvorsitzende warnte davor, den Schulen zu enge Vorgaben für die Umsetzung der beschlossenen Änderungen zu machen: "Was organisatorisch sinnvoll und machbar ist, müssen Schulleitungen und Lehrerschaft je nach den örtlichen Gegebenheiten selbstständig entscheiden können. Hier brauchen die Gymnasien weitestgehende Freiheit und keine zentral genormten Vorschriften bis ins letzte Detail", forderte Schmidt im Hinblick auf die Belegung von Nachmittagen und die konkrete Planung der Intensivierungsstunden. "Vorgaben, die an den Möglichkeiten der einzelnen Schule vorbeigehen, sorgen nur für neuen Ärger und tragen dazu bei, die öffentliche Diskussion um das Gymnasium zu verlängern, anstatt sie zu beenden. Das ist aber das Letzte, was die Schulen jetzt gebrauchen können. Lehrer und Schüler sind die ständige Kritik an ihrer Schulart gründlich leid. Wir wollen uns endlich wieder in Ruhe auf unsere Arbeit konzentrieren können", betonte Schmidt, der selbst am Grafinger Gymnasium unterrichtet.

Weitere kräftige Investitionen in ein Gesamtkonzept nötig

Um der Kritik fundiert zu begegnen, bedürfe es weiterhin eines schlüssigen Gesamtkonzeptes für das achtjährige Gymnasium mit verlässlichen und verbesserten Rahmenbedingungen. "Unsere Botschaft, dass man am Gymnasium nicht immer nur kürzen kann, scheint bei Staatsregierung und CSU-Fraktion inzwischen angekommen zu sein. Auf die entsprechenden Beschlüsse der vergangenen Woche zur Verkleinerung der Klassen, zur Erhöhung der Zahl an Lehrkräften und – erstmals – zu eigenem Aufsichts- und Betreuungspersonal, aber auch zur Optimierung des Übertrittsverfahrens lässt sich jedenfalls aufbauen", gibt sich Schmidt im Hinblick auf die künftigen Verhandlungen seines Verbandes mit der Staatsregierung optimistisch. Er appellierte an die Politik, im Zuge ihre Kampfes gegen überfüllte Klassen auch die 2009 beginnende Oberstufe in den Blick zu nehmen: "Das für Schüler wie Lehrer anspruchsvolle neue Konzept erfordert die klare Begrenzung der Klassengrenzen: 15 Schüler in den Seminarfächern, 20 in den verpflichtenden Abiturfächern und 25 in allen anderen Fächern sind die Obergrenze dessen, was für Schüler und Lehrer machbar und zumutbar ist."


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