Gastbeitrag

Raus aus der Kreidezeit: Wie Digitali­sierung zeitgemäße Bildung gestaltet

Seit 2020 erfahren deutsche Schulen in Sachen Online-Unterricht einen regelrechten Innovationsschub. Gefragt sind neue Medien, neue Methoden und neue Möglichkeiten. Allerdings sollten auch im virtuellen Klassenzimmer Lerninhalte im Fokus stehen.

10.03.2021 Bundesweit Artikel Frank Maier
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Wenn Corona-Pandemie und Lockdown eines gezeigt haben, dann, dass Schulen im digitalen Zeitalter angekommen sind. Klassischer Frontalunterricht mit lehrerzentrierten Lernszenarios, die stark von den Qualitäten der jeweiligen pädagogischen Fachkraft abhängen und in denen Schüler Wissen nur passiv aufnehmen, gehört der Vergangenheit an. Stattdessen liegt der Fokus auf interaktiven, digitalen Ansätzen, die Lehrer zu Lernbegleitern machen. Maßgeschneiderte Konzepte spielen dabei eine ebenso große Rolle wie selbstbestimmtes, spielerisches und ortsungebundenes Lernen. Dadurch ergeben sich Chancen, schulische Bildung ganz neu zu denken.

Für den persönlichen Touch

Schule befindet sich seit einiger Zeit im Umbruch. Technischer Fortschritt, zunehmende Vernetzung und moderne Informationstechnologien spielen bei vielen Einrichtungen nicht erst seit 2020 eine wichtige Rolle. Zwar gilt auch weiterhin das Primat der Pädagogik, doch Möglichkeiten und Handlungsspielräume von Lehrern und Lernenden wandeln sich durch computergestützte Technologien gleichermaßen. Zeit- und ortsunabhängige Angebote sowie die Nutzung personalisierter Materialen verändern dabei besonders die Art und Weise, wie Schüler und Lehrer sich informieren, miteinander kommunizieren, arbeiten und Wissen generieren. Um dabei zielführenden Austausch zu gewährleisten, sollten Heranwachsende auf ihrem eigenen Leistungsniveau abgeholt werden.

In diesem Sinne können beispielsweise im Mathematikunterricht im Bereich der analytischen Geometrie 3D-Programme zum Einsatz kommen, wodurch auch Lernende mit einem schwächer ausgeprägten räumlichen Vorstellungsvermögen einen anschaulichen Zugang zum Thema bekommen. Onlinevideos, Arbeitsblätter und andere vorausgewählte Materialen helfen ihnen außerdem, sich die theoretischen und praktischen Grundlagen eines Themas selbst anzueignen. Im anschließenden Kontakt zwischen Schülern und Lehrer oder in einer Gruppenarbeit werden Unklarheiten unmittelbar ausgeräumt. So sind Lernende viel intensiver in die Erarbeitung von Inhalten eingebunden und profitieren darüber hinaus im Austausch miteinander von ihren unterschiedlichen Talenten, Kenntnissen und Erfahrungen. Das hat auch Auswirkungen auf die Rolle des Lehrers. Pädagogen verwandeln sich von reinen Wissensvermittlern zu persönlichen Lernbegleitern, die ihren Schützlingen bei Fragen oder Verständnisproblemen zur Seite stehen. Mithilfe moderner Technik öffnen sich neue Freiräume, um sich auf das Wesentliche – das Vermitteln von Fähigkeiten, Wissen und Werten – zu konzentrieren.

Neue Selbstständigkeit

Digitale Medien stellen traditionelle Unterrichtsmodelle auf den Kopf. Im virtuellen Klassenzimmer geraten Lehrermonologe ins Hintertreffen. Lernende müssen selbst aktiv werden, sich Inhalte aneignen, Übungen erledigen oder gemeinsam mit anderen Projekte realisieren. Digitale Instrumente und Werkzeuge setzen dabei neben Schulbuch und Arbeitsheft neue, oft spielerische Impulse und lassen differenzierte Lernformen zu. Stehen im Fach Deutsch Faust und die Weimarer Klassik auf dem Lehrplan, ermöglichen beispielsweise Film-Sequenzen über das Leben und Wirken von Goethe einen anschaulichen Zugang zum Thema. Darüber hinaus begünstigt auch die aktive Erstellung eigener Medienprodukte eine individuelle Annährung an den Stoff. Die digital erschlossenen Erkenntnisse lassen sich im Anschluss spielend präsentieren – sei es durch einen Impulsvortrag im Klassenzimmer oder durch eine Video-Präsentation in der Schulcloud.

Dabei stehen bereits jetzt spezielle Ressourcen und Tools mit pädagogischem Mehrwehrt für verschiedene Unterrichtsfächer, Jahrgangsstufen und Schulformen zur Verfügung. Interaktive, schnell aktualisierbare Onlinemedien, zum Beispiel rund um Umweltfragen oder zu gesellschaftlich relevanten Themen wie Mobbing, ermöglichen es, aktuelle Themen im Unterricht zu behandeln. Wobei die Inhalte hier so konzipiert sein sollten, dass sie auch zu Hause ideal zum Einsatz kommen können, egal ob in Phasen des Homeschoolings oder bei Krankheit. Vor allem audiovisuelle Medien tragen dazu bei, Inhalte auf das individuelle Lerntempo anzupassen. Dabei bringen kurze Sequenzen die Kerninhalte des Stoffs auf den Punkt, sodass sich Heranwachsende das Material bei Bedarf mehrmals ansehen können. Aber auch Clips, Arbeitsblätter sowie Bilder, Grafiken und kleinere Lernspiele sind maßgeblich am Lernerfolg beteiligt.

Digitale Skills erwerben

E-Learning bedeutet mehr als Zugang zu Bildung zu schaffen und sich Wissen dank digitaler Medien anzueignen. In einem definierten Rahmen sollen Schüler auch den verantwortungsvollen Umgang mit der neuen Technik lernen. Heranwachsende setzen sich dabei auf verschiedenen Ebenen mit Onlinemedien auseinander. Neben dem Üben und Trainieren des definierten Lernstoffes durch Lernprogramme, elektronische Bücher oder Simulationsprogramme gehört dazu vor allem auch das Erstellen und Bearbeiten audiovisueller Medien. Fertigen Lernende beispielsweise im Literaturunterricht passend zur Lektüre eines Romans einen eigenen Film an, gibt ihnen das die Möglichkeit, eigene kreative Ideen umzusetzen und zu lernen, welches Tool das Richtige ist, um bestimmte Aufgaben zu lösen. Lehrbeauftragte bieten ihnen dafür ein geschütztes Umfeld. So entwickeln Schüler auch Gespür dafür, wie es sich im Umgang mit der digitalen Welt verhält und wie sie selbst als Akteure darin stattfinden.



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