Bayern

"Schule der Zukunft – in Bayern kein Experimentierkasten für Schulstrukturspiele"

"Die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände (abl) und namhafte Schulleiterverbände fordern zum Start des neuen Schuljahres Verbesserungen an den bestehenden Schularten. Die vier Lehrer- und drei Schulleiterverbände sind sich dabei einig: Von Schulexperimenten wie der Gemeinschaftsschule oder der sogenannten ´Oberschule´ sollten wir die Finger lassen!" Mit diesen Worten greift Anton Huber, Präsident der abl, die aktuell bundesweit geführten Diskussionen zur Schulstruktur auf.

14.09.2011 Pressemeldung Verband Reale Bildung

"Solche Experimente gehen eindeutig zu Lasten unserer Schüler! Dabei werden bayerische Schüler durch die klaren Schulartprofile der Haupt-/Mittelschule, Realschule und Gymnasium ausgesprochen gut auf ihre Zukunft mit Berufsausbildung und Studium vorbereitet." Die Statistik spricht hier eine deutliche Sprache: Mit einer Jugendarbeitslosenquote von nur 2,9% lag der Freistaat Ende 2010 deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 9,0% und weit jenseits des Durchschnitts der 27 EU-Staaten von 21,0%. "Die ´Schule der Zukunft´ setzt deshalb nicht auf Experimente, sondern auf Verbesserungen, die bei den Schülern auch wirklich ankommen", so Huber.

Schülerrückgänge für verstärkte individuelle Förderung nutzen

Eine greifbare Chance für diese Verbesserungen liegen laut Huber, Vorsitzender des Bayerischen Realschullehrerverbandes, aktuell auf dem Tisch: Durch Schülerrückgänge, mit denen Schulexperimente wie die Gemeinschafts- oder Oberschule häufig begründet werden, kann die Schüler-Lehrer-Relation deutlich verbessert werden. "Endlich haben wir die Möglichkeit, die Lernatmosphäre an den Schulen persönlicher zu gestalten und die Bildungsqualität mit großen Schritten voranzubringen, zumindest dort in Bayern, wo die Schüler demografisch bedingt weniger werden", so der abl-Präsident. Er erinnert damit an das Versprechen von CSU und FDP im Koalitionsvertrag, wonach die "´demografische Rendite´ in vollem Umfang im Bildungssystem" bleiben soll, "um die Bedingungen für die Schulen weiter zu verbessern".

Mittelschule nicht schlecht reden

Ursula Lay von der KEG fordert darüber hinaus, die Haupt- und Mittelschule nicht schlecht zu reden: "Unsere Kinder und Jugendlichen werden an dieser Schulart sehr gut auf die Anforderungen in den Berufsausbildungen vorbereitet. Wirtschaftsverbände, Industrie und Handwerk melden immer wieder, dass sie die Schulabgänger der Haupt- und Mittelschulen dringend brauchen, um ihren Fachkräftebedarf zu decken." Neben dem "Markenzeichen" der Berufsorientierung gebe es noch ein weiteres Kennzeichen der Schulart: die besondere pädagogische Kultur. "Unsere Schüler sind an den Haupt- und Mittelschulen ausgesprochen gut aufgehoben und erfahren eine besondere Wertschätzung durch das Klassenleiterprinzip." Daher zähle auch nicht eine der bayerischen Haupt- bzw. Mittelschulen zur den sogenannten ´Problemschulen´ betont Lay und verweist auf das Ergebnis einer Bildungsstudie. "Das zeigt, dass das Prinzip ´Haupt- und Mittelschule´ in Bayern reibungslos funktioniert. Mit der Weiterentwicklung der Haupt- zur Mittelschule ist sie eine ´Schule für die bayerische Zukunft´", so die KEG-Vorsitzende.

Die Gymnasien brauchen wie alle bayerischen Schulen deutlich mehr Ruhe für ihr Kerngeschäft und eine wohlüberlegte Weiterentwicklung

Max Schmidt, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbandes, sieht das "Gymnasium der Zukunft" endlich wieder in ruhigeren Fahrwassern fahren: "Weniger Reformeifer, mehr Lehrkräfte und gute Rahmenbedingungen haben für uns künftig oberste Priorität", erklärt Schmidt. Statt erneuter Versuche fordert er eine systematische und überlegte Weiterentwicklung des achtjährigen Gymnasiums. "Nach der Hektik der letzten Jahre brauchen wir dringend Ruhe für unser Kerngeschäft: den Unterricht."

Zentral sei zudem, so der bpv-Vorsitzende weiter, dass die begabten Schüler an den Gymnasien endlich besser gefördert werden. "Wir haben uns in den letzten Jahren insbesondere den besonders schwachen Schülern gewidmet, zu Recht. Doch nun müssen wir auch etwas für all jene Schüler tun, die besondere Begabungen haben. Auch das gehört zur Bildungsgerechtigkeit!" Dafür braucht es an den Schulen, vor allem an Gymnasien und Realschulen, aber eine zuverlässige Versorgung mit Lehrkräften, kleinere Klassen und einen festen organisatorischen Rahmen für die Begabtenförderung. "Fördermaßnahmen wie Zusatzkurse, Projektarbeit und die individuelle Förderung begabter Schüler dürfen nicht wegfallen, sobald durch unerwartete Lehrerausfälle der Pflichtunterricht gefährdet ist. Doch angesichts der unzureichenden Ausstattung mit Personal sieht die Realität an Gymnasien und Realschulen leider noch so aus", verdeutlicht Schmidt.

Lehrerversorgung an den beruflichen Schulen ausbauen

Der Vorsitzende des Verbandes der Lehrer an beruflichen Schulen, Jürgen Wunderlich, sieht die ´Zukunft der beruflichen Schulen´ mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits habe sich, so Wunderlich, gerade die Berufliche Oberschule äußerst erfolgreich zu einer zweiten Säule hin zur Hochschulreife entwickelt. Andererseits habe sich trotz der hohen Nachfrage die personelle Ausstattung nicht an diese Entwicklung angepasst. Der VLB-Vorsitzende verweist daher auf den akuten Lehrermangel an dieser Schulart. "Die Beruflichen Oberschulen sind erfolgreicher denn je, aber sie dürfen damit künftig nicht allein gelassen werden."


Der Arbeitsgemeinschaft bayerischer Lehrerverbände (abl) gehören der Bayerische Philologenverband (bpv), der Bayerische Realschullehrerverband (BRLV), die Katholische Erziehergemeinschaft in Bayern (KEG) und der Verband der Lehrer an beruflichen Schulen in Bayern (VLB) an. Die in der abl zusammengeschlossenen Verbände vertreten die Interessen von rund 60 000 Lehrkräften.

Schulleiterverbände: Vereinigung der Direktorinnen und Direktoren der Bayerischen Gymnasien, Vereinigung Bayerischer Realschuldirektoren (vbr), Bayerischer Schulleitungsverband (bsv)

Ansprechpartner

Verband Reale Bildung

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