Schulministerin Sommer: Schulen sollen die Zahl der Sitzenbleiber deutlich reduzieren
Schulministerin Barbara Sommer hat zum Auftakt des Schuljahres 2007/2008 eine Offensive gegen das Sitzenbleiben angekündigt. Schulen veröffentlichen künftig ihre jeweilige Sitzenbleiberquote, zunächst freiwillig, mittelfristig auch verpflichtend. Schulen, die die Zahl der Nicht-Versetzungen mit erfolgreichen pädagogischen Konzepten senken, werden mit dem Gütesiegel Individuelle Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.
03.08.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-WestfalenSitzenbleiben wird auch zu einem Schwerpunkt-Thema der Lehrerfortbildung. Die Schulaufsicht berät künftig Schulen, die hohe Sitzenbleiber-Zahlen aufweisen. "Ich bin zuversichtlich, dass sich mit unserem Konzept die Zahl der Sitzenbleiber innerhalb von fünf Jahren um die Hälfte reduzieren lässt - ohne dafür das Leistungsniveau zu senken. Wir wollen im Gegenteil das Leistungsniveau heben", sagte Sommer. Sie stellte darüber hinaus eine Initiative gegen das Mobbing von Lehrern im Internet vor.
Rund 60.000 Schülerinnen und Schüler haben im vergangenen Schuljahr an allgemeinbildenden Schulen wiederholt, was einem Anteil von 2,7 Prozent entspricht. "60.000 Sitzenbleiber im Jahr sind zu viel", betonte die Ministerin. Sie sagte: "Nur im Ausnahmefall weist ein Schüler solch große Wissenslücken auf, dass ihn am besten die Wiederholung eines kompletten Schuljahres wieder in die Spur bringt. Wenn ein Schüler lediglich in einzelnen Fächern Defizite aufweist, ist die Nicht-Versetzung kein effizientes pädagogisches Instrument. Dann ist es sinnvoller, diese Defizite bereits im Vorfeld auszugleichen."
Barbara Sommer erinnerte daran, dass die Landesregierung in dieser Legislaturperiode 4000 zusätzliche Stellen gegen Unterrichtsausfall und für individuelle Förderung schaffen werde. Davon stehen bereits 3000 Stellen bereit. Dazu kommen mehr Lehrerstellen für Ganztagsangebote im Primarbereich und an den Hauptschulen sowie für den Ausbau der Stundentafel an allen weiterführenden Schulen. Die Ministerin machte deutlich, dass Sitzenbleiben nicht nur ein wenig effizientes, sondern auch ein sehr teures Instrument sei. "60.000 Wiederholer jährlich binden rund 3000 Lehrerstellen. Dies bedeutet: Wenn wir die Zahl der Sitzenbleiber senken, sparen wir Kapazitäten. Die können wir in die individuelle Förderung geben, um damit die Sitzenbleiber-Zahl noch weiter zu senken", sagte Sommer. Sie versprach: "Wir werden in dieser Legislaturperiode keine einzige Lehrerstelle abbauen, die wir durch eine Senkung der Sitzenbleiberquote gewinnen. Jede dieser Stellen bleibt dem System erhalten, um die individuelle Förderung weiter zu verbessern."
Bis 2010 soll es in jeder kreisfreien Stadt und in jedem Kreis mindestens zwei Schulen mit dem Gütesiegel Individuelle Förderung geben, je eine Grundschule und eine weiterführende Schule. Diese Schulen werden Fortbildungsstützpunkte. Sie beraten andere Schulen, wie sie die Sitzenbleiberquote senken können. Dafür erhalten die Gütesiegel-Schulen jeweils bis zu einer halben Lehrerstelle extra. Bereits jetzt hat das Schulministerium in allen Kreisen und kreisfreien Städten so genannte Kompetenzteams für Fortbildung eingerichtet. Individuelle Förderung und Reduzierung der Sitzenbleiberquote bilden einen Schwerpunkt ihrer Lehrerfortbildung. Darüber hinaus wird das Thema im kommenden Schuljahr auf allen Schulleiterdienstbesprechungen zur Sprache kommen.
Das Schulministerium hat eine Beschwerdestelle für Internet-Mobbing im Schulbereich eingerichtet. Die bei der Bezirksregierung Düsseldorf angesiedelte Stelle soll Druck auf Plattform-Betreiber wie YouTube, MyVideo und Sevenload ausüben, heimlich aufgenommene Video-Filme aus Klassenzimmern von ihren Seiten zu nehmen. "Lehrerinnen und Lehrer werden zum Teil in herabwürdigender Art und Weise öffentlich vorgeführt. Dies ist ein bislang weitgehend unbeachteter Tiefpunkt im sich auswachsenden Problemfeld Mobbing von Lehrkräften im Internet", sagte Frau Sommer. Schulen sollten Schüler und Eltern über das geltende Verbot informieren, Aufnahmen aus dem Unterricht ohne Zustimmung der Aufgenommenen zu veröffentlichen. Für Lehrerinnen und Lehrer hat das Ministerium eine Handreichung herausgegeben, wie sie mit dem Problem Mobbing im Internet umgehen können. Wenn nötig, werde das Ministerium Rechtsschutz anbieten. "Als Schulministerin habe ich meine Kollegen und Kolleginnen vor solchen Auswüchsen zu schützen. Übrigens auch die Schülerinnen und Schüler, denn auch von Kindern finden sich Film-Aufnahmen im Internet, die kaum mit Zustimmung der Eltern dort gelandet sind", erklärte Barbara Sommer.
Die Handreichung ist auf der Homepage des Schulministeriums abrufbar: www.schulministerium.nrw.de.
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