VBE-Delegiertenversammlung beschließt Bildungsagenda 2015

"Die Schul- und Bildungspolitik in NRW muss von ihrer Kurzatmigkeit und der Fixierung auf den nächsten Wahltag befreit werden. Wir müssen in einer Zeit sinkender Geburtenzahlenmehr denn je alle Anstrengungen unternehmen, um die Potenziale aller Kinder auszuschöpfen und die demokratische, wirtschaftliche und kulturelle Teilhabe aller gesellschaftlichen Schichten zu sichern. Kein Talent darf verloren gehen. Das Fundament dafür ist eine gute Allgemeinbildung, eine gefestigte Persönlichkeitsstruktur des einzelnen Kindes und die Fähigkeit zum lebenslangenLernen. Die Voraussetzungen dafür müssen so schnell wie möglich geschaffen und nachhaltig angelegt werden."

10.11.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Dieses Fazit zog Udo Beckmann, der von 98,5% der Delegierten für weitere vier Jahre zum Vorsitzenden gewählt worden war, heute nach Abschluss der zweitägigen Delegiertenversammlung des VBE.

Damit diese Ziele erreicht werden können, haben die 300 Teilnehmer der VBE-Delegiertenversammlung unter dem Titel "Bildungsagenda 2015" einstimmigdie folgenden zehn Punkte beschlossen.

  1. Der Besuch der Kindertagesstätten muss für alle Kinder beitragsfrei sein. Die Gruppengröße in den Kindertagesstätten ist stufenweise auf eine Maximalgröße von 20 Kindern abzusenken. Die Betreuung für Kinder unter 3 Jahren ist bedarfsgerecht unter Zugrundelegung hoher qualitativer Standards sicherzustellen. Die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher ist in eine Fachhochschulausbildung zu überführen.

  2. Die Demografiegewinne müssen im System Schule verbleiben, um in der Primarstufe und in allen Schulformen der Sekundarstufe I den Klassenfrequenzhöchstwert auf 24 abzusenken. Darüber hinaus ist die besondere Situation an Brennpunktschulen zu berücksichtigen.

  3. Das Ganztagsangebot ist bedarfsgerecht auszubauen, um Chancenungleichheit zu beseitigen und Bildungsgerechtigkeit zu schaffen. Für alle Kinder wird eine warme Mahlzeit am Tag kostenfrei sichergestellt.

  4. Kindertagesstätten und Schulen werden in ein Netzwerk von unterstützenden Institutionen und Professionen eingebunden.

  5. Eigenverantwortliche Schulen und Schulträger erhalten große Spielräume in der inneren und äußeren Gestaltung von Schule. Modellversuche unter wissenschaftlicher Begleitung sind zu genehmigen.

  6. Die Arbeitszeit der Lehrerinnen und Lehrer ist in klaren Zeitkontingenten für unterrichtliche und außerunterrichtliche Arbeitszeit zu definieren, die Jahresarbeitszeit muss der des übrigen öffentlichen Dienstes entsprechen. Die Leitungszeit für Schulleitungen ist stufenweise so anzuheben, dass sie den zu leistenden Aufgaben entspricht. Ziel ist es, dass die Leitungszeit unabhängig von der Schulform und Größe mindestens 2/3 der Unterrichtsverpflichtung beträgt.

  7. Die im Bildungsbereich Beschäftigten erhalten auf die Arbeitszeit angerechnete Fortbildungskontingente.

  8. Besoldungsunterschiede und Beförderungschancen zwischen den Beschäftigten an unterschiedlichen Schulformen sind aufzuheben. Tarifbeschäftigte Lehrkräfte sind gerecht zu bezahlen.

  9. Niemand darf ohne Berufsabschluss bleiben. Deshalb ist die Zahl der jungen Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung bis 2015 mindestens zu halbieren. Ebenso ist die Zahl der Hochschulabsolventen zu verdoppeln.

  10. Schule ist eine der wichtigsten Einrichtungen für das Einüben von Demokratie. Deshalb müssen die demokratischen Mitbestimmungsrechte von Schülerinnen und Schülern, ebenso wie von Eltern und Lehrerinnen und Lehrern insbesondere mit Blick auf eine wachsende Eigenverantwortlichkeit von Schulen deutlich ausgebaut werden.

"Der VBE wird diese Bildungsagenda mit allen Fraktionen im Landtag NRW diskutieren", kündigte Beckmann an."An der Erfüllung der Bildungsagenda 2015 wird der VBE alle politisch Verantwortlichen in NRW messen, vor den nächsten Landtagswahlen und nach den nächsten Landtagswahlen."


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