VBE warnt: Nicht nur G-Achtler leiden unter zu starkem schulischen Arbeitsdruck

Nicht nur G8-Gymnasiasten leiden unter einem zu großen Arbeitsdruck, auch an anderen Schularten haben Schüler zu kämpfen, weil sie sich nicht genügend unterstützt fühlen. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg sieht in dem Dauerdruck, der auf vielen Schülern vor allem aufgrund der Perspektivlosigkeit lastet, ein unnötiges Lernhemmnis.

30.05.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

Schulstrukturdebatten, Bildungsstandards und Reformen sind zwar notwendig, viel wichtiger ist jedoch, in welcher Atmosphäre an den Schulen gelehrt und gelernt werden kann. Dabei geht es nicht um ein "In-Watte-packen" der Schüler, also um "Kuschelpädagogik", sondern um ein positives Lernklima in Schule und Elternhaus. Ständiger Überdruck - verbunden mit Zukunftsängsten - lähmt das Denken und bremst Leistung aus.

Aus der Hirnforschung weiß man, wie wichtig das Lernklima für den Schulerfolg ist. Da treten selbst Schulstrukturprobleme zunächst in den Hintergrund. Um den Kindern und Jugendlichen ein optimales Lernen zu ermöglichen, sind selbstverständlich zunächst einmal die Lehrer gefordert. Der VBE erwartet aber, dass die Politik endlich die Rahmenbedingungen schafft, die ein effektiveres Lernen an den Schulen möglich machen. Das fängt bei einer vernünftigen Klassengröße an, geht über differenzierende Unterstützungssysteme hin zu hellen, freundlichen Schulgebäuden und hört bei motivierendem Lernmaterial noch lange nicht auf. Die Möglichkeit, bei längerem Unterricht eine warme Mahlzeit in der Schule einnehmen zu können, gehört genauso dazu wie zusätzliche kulturelle und sportliche Angebote zwischen den Unterrichtsblöcken - im Wechselspiel von Spannung und Entspannung.

Die frühe Aufteilung der Schüler erzeugt ebenfalls Druck. Schon bei der Einschulung hängt das Übergangsverfahren auf die weiterführenden Schulen in der vierten Klasse wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Kinder. So werden pädagogisch wertvolle schulische Gemeinschaftsveranstaltungen wie Klassenfeste, Projekte, Lerngänge und Theateraufführungen von manchen Eltern nicht mehr als Bereicherung des Schulalltags, sondern als "Störung" bei der Hetzjagd nach der Gymnasialempfehlung angesehen. Der Blickwinkel verengt sich auf die Fächer Deutsch und Mathematik - bisweilen auch auf die Fremdsprache, die jedoch für den Notenschnitt bei der Grundschulempfehlung nicht zählt. Damit Grundschüler möglichst optimale Zeugnisnoten bekommen, organisieren besorgte Eltern schon sehr früh außerschulische Nachhilfe. Dieser zusätzliche Druck verhindert ein entspanntes und daher optimales Lernen.


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