Was lernen die Abiturienten von morgen?
Kompetenzen im Zentrum, höherer Lebensweltbezug, mehr Freiraum für die Schulen Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern haben sich auf gemeinsame Rahmenlehrpläne für die gymnasiale Oberstufe – sogenannte Kerncurricula für die Qualifikationsphase – verständigt. Damit lernen nun erstmals Schülerinnen und Schüler in drei Bundesländern nach fast identischen Vorgaben auf dem Weg zum Abitur.
15.05.2006 Berlin Pressemeldung Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und ForschungDie neuen Lehrpläne markieren auch inhaltlich und methodisch einen Zeitenwandel. Die Schulen erfahren dabei eine größere Eigenverantwortung. Für sie bedeuten die Kerncurricula Vorgaben, die sie schulspezifisch zur Entwicklung schulinterner Curricula ausbauen können.
Berlins Bildungssenator Klaus Böger: "Das Zusammenwachsen von drei Bundesländern zu einer Bildungsregion ist richtungsweisend, nicht zuletzt weil die Vergleichbarkeit von Abschlüssen fundier-ter werden wird." Zu Inhalten und Methodik der neuen Lehrpläne sagte Böger: "Die neue Lehrpläne sind ausgerichtet an Kompetenzen und Standards. Denn Wissen ohne Können ist nutzlos!
Die Kerncurricula bilden einen entscheidenden Schritt für die Qualitätsverbesserung von Unterricht. Die neue Lehrpläne zeigen neue Wege des Lernens auf. Sie haben einen stärkeren Lebensweltbe-zug. Sie holen die Schüler dort ab, wo sie stehen und fördern ein lebenslanges, selbstständiges Lernen.
Die Lehrpläne fokussieren auf das Wesentliche und fördern die Vernetzung der Fächer untereinander. Die Freiräume der Schulen werden größer, da sie die Kerncurricula zu schulinternen Curricula ausbauen."
Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminister Prof. Dr. Hans-Robert Metelmann betonte, dass es in der heutigen Wissensgesellschaft notwendig ist, dass Abiturienten über umfassende Kompetenzen verfügen. Nur so können sie den schwierigen akademischen Weg an einer Hochschule auch erfolgreich meistern.
Metelmann wörtlich: "Die neuen Kerncurricula sind eine sehr gute inhaltliche Grundlage für die neue gymnasiale Oberstufe in Mecklenburg-Vorpommern. Mit den ländergemeinsamen Kerncurricula wurde der erste Schritt zu einer Vereinheitlichung bei den Bildungsinhalten vollzogen. Als zweiten Schritt könnte ich mir auch ein gemeinsames Zentralabitur vorstellen. Unsere Erfahrungen wären dann auch bundesweit nutzbar."
Brandenburgs Staatssekretär Burghard Jungkamp hob hervor: "Für Brandenburg war es nach der erfolgreichen Zusammenarbeit bei der Entwicklung gemeinsamer Rahmenlehrpläne für die Grundschule durch die selben Länder logisch, diesen Weg auch fortzusetzen. Wir haben damit bildungspolitisches Neuland betreten. Es geht bei den gemeinsamen Kerncurricula nicht um bildungspolitische Gleichmacherei, sondern darum, in der föderalen Vielfalt sich auf das Wesentliche, den Kern des Gemeinsamen in sogenannten Kerncurricula zu verständigen. Das Dach dafür bilden die Einheitlichen Prüfungsanforderungen, die die KMK für die Anerkennung des Abiturs festgelegt hat. Und natürlich entsprechen die vor-gelegten Kerncurricula diesen. Wir wollen ein qualitativ hochwertiges Abitur und wir wollen unsere jungen Menschen mit den Fertigkeiten oder Kompetenzen ausstatten, die sie für ein modernes Leben – beruflich und privat – benötigen. Auf beides sind die Kerncurricula für die GOST die richtige Antwort."
Bereits gemeinsame Rahmen(lehr)pläne für die Grundschule – jetzt für 16 Fächer in der Oberstufe
Die drei Bundesländer hatten bereits Rahmen(lehr)pläne für die Grundschule gemeinsam entwickelt und 2005 in Kraft gesetzt. Die jetzigen Kerncurricula für die Qualifikationsphase – die beiden letzten Jahre vor dem Abitur - gelten für die Fächer Bildende Kunst, Biologie, Chemie, Deutsch, Englisch, Französisch, Geografie, Informatik, Latein, Mathematik, Musik, Physik, Polnisch, Russisch, Spanisch und Sport.
Klare Strukturen – damit auch Schüler und Eltern jederzeit informiert sind Die Rahmenlehrpläne sind weitreichend gleich strukturiert und nutzerfreundlich formuliert. Sie sollen auch Schülern und Eltern einen transparenten Weg zum Verständnis der Unterrichtsinhalte ebnen.
Sie finden im Anhang Auszüge aus den Rahmenlehrplänen. Hier die Erläuterungen, die Ihnen das Verständnis der Rahmenlehrpläne generell erleichtern werden.
Zu Englisch (Kapitel 4, "Kompetenzen und Inhalte" und Kapitel 5, "Kurshalbjahre")
Kompetenzen und Inhalte gehören zusammen (Kapitel 4): Der Kompetenzbegriff wird quasi anhand der Unterrichtsinhalte in die Praxis übersetzt. So finden Sie auf dieser Seite unter dem Themenfeld "Individuum und Gesellschaft" nicht nur mögliche Inhalte für den Unterricht (Zwischenmenschliche Beziehungen), sondern auch unter der Rubrik "Kompetenzerwerb im Themenfeld" eine entsprechende Kompetenz wie etwa: "Die Schülerinnen und Schüler finden gemeinsam Lösungsansätze für Rollen-konflikte und formulieren dabei Alternativen".
Dieses Schema wiederholt sich in weiteren drei Themenfeldern für die Qualifikationsphase (4.2 Na-tionale und kulturelle Identität, 4.3 Eine Welt – Globale Fragen, 4.4 Herausforderungen der Gegen-wart). Erkennbar wird: Die Förderung interkultureller Kompetenz ist ein zentraler Baustein aller Fremdsprachen. Um Lösungswege für die gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit zu su-chen, können Schülerinnen und Schüler über den Tellerrand ihres eigenen Landes hinaus schauen und herausfinden, wie Andere mit vergleichbaren Aufgaben umgehen. Die Übersicht unter Kapitel 5 liefert eine schnelle Übersicht der Themenfelder der Kurshalbjahre.
Zu Biologie (Auszug aus Kapitel 4, "Kompetenzen und Inhalte", 4.4 "Evolution und Zukunftsfragen", Kapitel 5 "Kurshalbjahre")
Das Themenfeld 4.4 zeigt die Modernisierung der Themengebiete. Dies wird am Beispiel des Themas "Evolution und Zukunftsfragen" deutlich. Die verbindlichen Inhalte verlangen dabei "Reflexionen zum Menschenbild". In den Kontexten wie "Rassenlehre, Rassismus" wird ein Fokus auf die gesellschaftliche Bedeutung des Faches gesetzt. Das Kapitel 5 bietet wieder eine Kurzzusammenfassung der Themenfelder der Kurshalbjahre, wie die "physiologischen Grundlagen ausgewählter Lebenspro-zesse" oder "Grundlagen und Anwendungsfelder der Genetik".
Zu Deutsch (Auszug aus Kapitel 4 "Kompetenzen und Inhalte", 4.2 "Literatur und Sprache (...)", 4.3 "Textarten und Textstrukturen").
Wer vernetzt denkt, kann Literatur und Sprache unseres Landes in einen größeren, internationalen Kontext stellen – ein Ziel im Fach Deutsch (vgl. 4.2). Die Arbeit am Text - Analyse, Interpretation und Einordnung der Gestaltungsmittel in verschiedene Epochen – bleibt selbstverständlich integraler Bestandteil des Faches (vgl. 4.3).
Ferner finden Sie die dreiseitigen Erläuterungen zum Kooperationsprojekt der Länder Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern/ Entwicklung von Kerncurricula für die Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe (ppt)
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