Wolff stellt Institut für Qualitätsentwicklung vor / Bernd Schreier wird Direktor
Bildungsstandards umsetzen, Vergleichsarbeiten fortentwickeln, Schulleistungsstudien auswerten und Fortbildungsangebote akkreditieren sind die zentralen Aufgabenbereiche, mit denen das hessische Institut für Qualitätsentwicklung (IQ) die schulische Bildung in Hessen weiter verbessern soll. Das IQ wird am 1. Januar 2005 in Wiesbaden seine Arbeit aufnehmen. Kultusministerin Karin Wolff sieht darin "einen Richtungsentscheid für eine neue Qualität der Schulbildung und der Lehrerbildung in Hessen." Leiter des IQ wird Bernd Schreier, bis Jahresende 2004 Direktor des ThILLM (Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien).
28.12.2004 Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen"Es geht darum, Unterricht und Schulen konsequent zu modernisieren", sagte Wolff in einer Pressekonferenz, in der sie heute in Wiesbaden die Aufgaben des IQ und dessen Direktor Bernd Schreier vorstellte. Das IQ soll zur Verbesserung der schulischen Bildung in Hessen beitragen, den Anschluss an das internationale Leistungsniveau fördern und damit für eine bessere Vergleichbarkeit und Durchlässigkeit im Bildungswesen sorgen. "Qualität ist wie eine Medaille - sie hat zwei Seiten: einerseits die Qualitätssteigerung als Frage der Lehrerbildung und andererseits die Qualitätsmessung - eine Frage an das neue Institut", so die Ministerin.
Wolff bezeichnete Bernd Schreier als "ausgewiesenen Bildungsexperten, um dessen Verpflichtung uns andere Länder beneiden". 1948 in Hannover geboren, studierte Schreier von 1969 bis zum 2. Staatsexamen 1975 in Marburg die Fächer Geschichte, Sozial- und Gemeinschaftskunde sowie Pädagogik für das Lehramt an Gymnasien. Nach Unterrichtstätigkeiten an den Hermann-Lietz-Schulen in Schloss Hohenwehrda und Schloss Bieberstein, der Winfriedschule in Fulda und der Diltheyschule in Wiesbaden kam er 1980 als Hilfsreferent ins Hessische Kultusministerium. Von 1986 bis 1992 war er als Referatsleiter u.a. für die Lehreraus- und -fortbildung tätig und entwickelte federführend ein Konzept zur Qualifizierung von Schulleitung und Schulaufsicht. Im Jahr 1992 ging er nach Thüringen, wo er das ThILLM aufbaute und fortan leitete.
"Die Schule der Zukunft wird geprägt sein von neuen Formen des Unterrichts, die die individuelle Förderung von Kindern stärken. Dabei stehen selbstständiges Arbeiten und kreatives Lernen im Vordergrund", sagte Wolff. Der Prozess zu mehr Eigenverantwortung in den Schulen sei in Hessen bereits eingeleitet. "Wir geben den Schulen mit den neu entwickelten Bildungsstandards klare Ziele vor, vergrößern aber auch die Handlungsräume, wie diese Ziele erreicht werden." Wolff warb mit Nachdruck dafür, dass sich Schulverwaltungen, Lehrkräfte, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler aktiv an diesem Prozess beteiligen.
Organisatorisch vereint das IQ mit den Aufgaben "Qualitätsmessung" und "Qualitätssteigerung" zwei Abteilungen unter einem Dach: Unter der Überschrift "Schulqualität" wird die Abteilung I Bildungsmonitoring betreiben, während die Abteilung II Fortbildungsangebote akkreditieren wird.
Abteilung I fragt z.B. danach, was zu tun ist, wenn eine Studie wie PISA feststellt, dass deutsche Schülerinnen und Schüler im Problemlösen gut sind, aber im Bereich der Mathematik schlechter abschneiden. Eine Arbeitseinheit wertet nationale und internationale, aber auch regionale Schulleistungsstudien aus, eine andere evaluiert die landesweiten Orientierungs-, Vergleichs- und Abschlussarbeiten und erhebt zusätzliches Datenmaterial. In einer dritten Arbeitseinheit werden anhand der gewonnen Erkenntnisse Stärken und Schwächen von Schulen analysiert. "Die externe Evaluation von Schulen durch das IQ soll die Schulen in Hessen auf ihrem Weg zu einem besseren Unterricht unterstützen. Daher ermuntere ich die Schulen ausdrücklich dazu, sich mit ihren Fragen direkt an das Institut zu wenden", sagte Wolff.
Wo der Fortbildungsbedarf einer Schule z.B. im Bereich der Schulorganisation, der Unterrichtskultur oder der Fächer im Rahmen von Modellprojekten entsteht und wie er gedeckt werden kann, bearbeitet die Abteilung II. Eine Arbeitseinheit betreibt - als Kerngeschäft dieser Abteilung - die Zulassung von Fortbildungsangeboten von Institutionen nach eingehender Prüfung ihrer Qualität. Die Angebote und die Anmeldungen werden hessenweit online präsentiert bzw. durchgeführt. Eine weitere Arbeitseinheit wird die Wirksamkeit von Qualifizierungsmaßnahmen anhand ihrer Effekte hinsichtlich der Unterrichtsqualität beurteilen. Die dritte Arbeitseinheit steuert Modellprojekte und Entwicklungsvorhaben, wie z.B. das Projekt "Selbstverantwortung plus", mit dem ab 1. Januar 2005 zunächst 17 berufliche Schulen mehr Entscheidungsfreiheit in organisatorischen, personellen und finanziellen Fragen erproben.
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