VBE zum Vorlesemonitor 2026: Der Trend stimmt, der Auftrag bleibt
„Es geht zum dritten Mal in Folge aufwärts. Das ist eine gute Nachricht, und sie ist ein Verdienst der Eltern, die sich Zeit nehmen – und der Erzieherinnen und Erzieher, die mit den Kindern Bücher aufschlagen, Geschichten erzählen und Sprache im Alltag lebendig halten“, sagt Tomi Neckov, Bundesvorsitzender des VBE.
28.10.2026 Bundesweit Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)„Aber sie hat eine Lücke: Jedes vierte Kind wächst weiterhin mit wenig Vorlesezeit und mehr als jedes achte Kind gänzlich ohne Vorleseroutine auf.“
Der Monitor von DIE ZEIT, Stiftung Lesen und Deutscher Bahn Stiftung weist für 2026 einen Anteil von 76,4 Prozent der Eltern aus, die ihren ein- bis achtjährigen Kindern mindestens mehrmals pro Woche vorlesen – 2024 waren es 67,7 Prozent, 2022 61,3 Prozent. Zugleich bekommen 23,6 Prozent der Kinder höchstens einmal pro Woche vorgelesen, 12,4 Prozent nie (2024: 32,3 und 18,4 Prozent).
Vorlesen braucht eine erwachsene Person mit Zeit
Erzieherinnen und Erzieher sind die Berufsgruppe, die die frühe Sprachbildung täglich gestaltet: Sie wählen Bilderbücher aus, führen Kinder an Geschichten heran, begleiten Sprache im Alltag – oft in Gruppen, in denen für das einzelne Kind wenig Zeit bleibt. „Vorlesen braucht eine erwachsene Person, die Zeit hat. In vielen Kitas fehlt genau diese Zeit. Deshalb ist die Personalausstattung keine Verwaltungsfrage, sondern eine Bildungsfrage“, sagt Neckov. Der VBE beziffert den Fachkräftemangel in Kitas bis 2030 auf bis zu 260.000 Personen und fordert einen Personalschlüssel von 1:3 in der U3- und 1:7,5 in der Ü3-Betreuung.
Mit dem Alter bricht die Routine ab
Der Zuwachs konzentriert sich auf die ersten Lebensjahre: Bei einjährigen Kindern lesen 75 Prozent der Eltern regelmäßig vor (2024: 59 Prozent), bei zweijährigen 93 Prozent (2024: 78 Prozent). Bei achtjährigen Kindern sind es nur noch 55 Prozent. „Das Vorlesen nimmt genau in dem Moment ab, in dem Kinder selbst lesen lernen. Dort darf die Förderung nicht enden – es braucht Leseecken, Schulbüchereien und Zeit im Unterricht“, so Neckov.
Die Förderung endet, während es aufwärtsgeht
Die Bundesförderung von „Lesestart 1-2-3“ läuft am 31. Dezember 2026 aus; seit 2024 erhalten alle Familien mit Ein- bis Dreijährigen ein Buchgeschenk in der Kinderarztpraxis oder Bibliothek. „In der Kinderarztpraxis erreichen wir Familien, die keine Bibliothek betreten und keinen Elternabend besuchen. Wenn dieser Zugang wegfällt, fällt er ersatzlos weg. Die Chance, die dieses Förderprogramm bietet, dürfen wir nicht einfach so verstreichen lassen. Daher fordern wir die Fortführung oder eine angemessene Anschlusslösung“, sagt Neckov.
- Vorlesemonitor 2026: Vorlesen wird beliebter bei Eltern
- Wenn Geschichten viele Sprachen sprechen
- „Vorlesen ist eine Superkraft“: Wie Bücher Sprache und Selbstvertrauen fördern
Keine Kommentare vorhanden