Nationaler Bildungsbericht 2012: Kulturelle und ästhetische Bildung im Blick behalten
(red) Der bedarfsgerechte Ausbau von Plätzen für unter 3-Jährige, mehr Ganztagsschulangebote, die Reduzierung der Zahl der Jugendlichen in den Übergangssystemen und die Flexibilisierung des Hochschulzugangs – das gehört laut Bildungsbericht, der heute in Berlin vorgestellt wurde, zu den aktuellen Herausforderungen der Bildungspolitik.
22.06.2012 ArtikelIn diesem Jahr wurde der Bericht "Bildung in Deutschland" zum vierten Mal von der Autorengruppe Bildungsberichterstattung vorgelegt. Jeder Bericht enthält ein anderes Schwerpunktkapitel. Diesmal war es das Thema "Kulturelle/ästhetische Bildung im Lebenslauf". Damit, so heißt es in dem Bericht, werde erstmals ein spezifischer Aspekt von Bildung betrachtet, der in Anbetracht einer zunehmend auf Kernfächer konzentrierten öffentlichen Diskussion aus dem Blick zu geraten drohe.
Die künstlerischen Interessen der Eltern und die soziale Lage beeinflussen dem Bericht zufolge die musisch-ästhetische Betätigung von Kindern nachhaltig, außerdem spielen Musik- und Kunstschulen, Kultur- und Jugendeinrichtungen, Chöre oder Laienorchester eine wichtigere Rolle für kulturelle Erfahrungen spielen als die formalen Bildungseinrichtungen. Ein weiteres Ergebnis: Die Bedeutung insbesondere musikalischer Aktivitäten bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund geht teilweise über das Aktionsniveau vergleichbarer sozialer Gruppen der Kindern und Jugendlichen ohne Migrationshintergrund hinaus. Beachtenswert seien die Kooperationen zwischen Schulen dun anderen kulturellen Bildungseinrichtungen, die durch den Ausbau der Ganztagsschulen unterstützt würden.
Der Bericht führt Daten aus allen Bildungsbereichen zusammen und wertet sie aus. Ein zentrales Ergebnis: Die deutliche Trennung von Bildungsgängen löst sich auf – angefangen bei der Schnittstelle zwischen frühkindlicher Erziehung und der Grundschule über die allgemeinen und beruflichen Bildungsgänge bis zu neuen Formen des Hochschulzugangs.
Mehr private Bildungseinrichtungen
Außerdem konnten die Berichtserstatter einen großen Zuwachs an privaten Bildungseinrichtungen feststellen. So hat sich etwa die Anzahl der Grundschulen in freier Trägerschaft seit 1998 um mehr als 150 % von 314 auf 791 erhöht.
Obwohl für die 3- bis 6-Jährigen der Besuch einer Kita mit 94 % nahezu zur Regel geworden ist, bleibe sicherzustellen "dass noch bestehende Differenzen in der Beteiligung weiter abgebaut werden", heißt es in dem Bericht. So würden Kinder, die mit ihren Eltern zu Hause nicht Deutsch sprechen, zu einem Drittel in Kitas betreut, in denen mehr als 50 % der Kinder ebenfalls eine andere nicht-deutsche Familiensprache haben.
Immer noch viele Förderschüler
Auch ist der Anteil der Schulanfänger, die direkt in eine Förderschule eingeschult werden, weiterhin erschreckend hoch: Von 3 % im Jahr 2003 ist er auf 3,7 % im Jahr 2009 angestiegen und 2010 auf erstmals auf 3,4 % zurückgegangen. Die regionalen Unterschiede sind groß: Während in Bremen, Schleswig-Holstein und Thüringen weniger als 2 % der Kinder direkt in einer Förderschule eingeschult werden, sind es in Baden-Württemberg und Bayern deutlich über 4 Prozent.
Bildunsgpolitik kein isolierter Politikzweig
Fast jedes dritte Kind (29 %) wächst in Deutschland in einem bildungsfernen Elternhaus, einer finanziellen oder sozialen Notlage auf, dokumentiert der Bildungsbericht, und noch immer münden und 300.000 Jugendliche nach der Schule im sogenannten Übergangssystem und nicht in einer regulären Berufsausbildung.
Insgesamt, so heißt es in dem Bericht, werde sichtbar, dass ein Verständnis von Bildungspolitik als einem isolierten Politikzweig weder tragfähig noch zukünftig angemessen sei und auf die anstehenden Herausforderungen reagieren könne.
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