Flath: Mit Kontinuität ins neue Schuljahr
"Es bedarf keiner grundsätzlichen Neuorientierung sondern der konsequenten Umsetzung qualitätssichernder Maßnahmen", sagte Kultusminister Steffen Flath zum Start des neuen Schuljahres. Schule brauche Kontinuität und einen behutsamen Wandel. Dennoch gelte es, dass Qualifikationsniveau der Schüler zu heben und die Begabungspotenziale aller Schüler systematisch auszuschöpfen. "Dabei dürfen wir nicht nur die begabten Jungen und Mädchen im Blick haben, sondern müssen unser Augenmerk stärker als bisher auf die leistungsschwächeren Schüler lenken", sagte Flath.
24.08.2005 Sachsen Pressemeldung Sächsisches Staatsministerium für KultusDas Ergebnis der Schuljahresvorbereitung nannte Flath akzeptabel aber noch verbesserungsfähig. Die Unterrichtsversorgung an den Grundschulen, Mittelschulen und im Gegensatz zum Vorjahr auch an allen Gymnasien sei gesichert. Dennoch werde Unterrichtsausfall nicht gänzlich zu vermeiden sein. Bei den Schulen zur Lernförderung und berufsbildenden Schulen sind Ausfallstunden dagegen vorprogrammiert. Bei den berufsbildenden Schulen liegt die Unterrichtsversorgung zwischen 95,3 und 98 Prozent, bei den Förderschulen zwischen 96 und 99 Prozent. "Das bedeutet gegenüber dem vorherigen Schuljahr zwar auch hier eine leichte Verbesserung, die kann aber nicht befriedigen", sagte Flath. Für fast alle Schularten gibt es im Vergleich zum Vorjahr Verbesserungen im so genannten Ergänzungsbereich - das sind zum Beispiel Arbeitsgemeinschaften, Chor oder sportliche Aktivitäten. Eine Ausnahme bilden die Gymnasien - hier konnte lediglich ein Regionalschulamt den Ergänzungsbereich vollständig absichern. In den übrigen Amtsbezirken liegt die Versorgung im Ergänzungsbereich zwischen 55 und 82 Prozent.
Im neuen Schuljahr 2005/2006 wird es eine Reihe von Neuerungen im Unterricht geben. So wird in der Grundschule eine neue Benotungsregelung eingeführt. Ab der Klassenstufe 3 werden alle Fächer (Deutsch, Mathematik, Sachunterricht, Werken, Kunst, Sport, Musik) und zusätzlich auch Religion und Ethik benotet. Früher war das erst ab der 4. Klassenstufe der Fall. Neu ist auch, dass ab der 4. Klasse das Fach Englisch benotet wird.
Erstmals nehmen im neuen Schuljahr alle Schüler des Hauptschulbildungsganges in der Klassenstufe 9 an einer zentralen Abschlussprüfung (besondere Leistungsfeststellung) in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch teil. Bisher war dies nur für den qualifizierenden Hauptschulabschluss notwendig nicht jedoch für den Erwerb des Hauptschulabschlusses. Eine besondere Leistungsfeststellung wird es erstmalig auch für Gymnasiasten am Ende der Klasse 10 geben. Diese zentralen Prüfungen in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik sollen zur Qualitätsentwicklung des Unterrichts beitragen und die Vergleichbarkeit des mittleren Schulabschlusses an Mittelschulen und Gymnasien unterstützen. Neue Lehrpläne werden nun auch schrittweise an den beruflichen Gymnasien eingeführt, im neuen Schuljahr zunächst in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Sport. Auch an den Fachoberschulen gibt es neue Lehrpläne und zwar hier u.a. für die Fächer Deutsch, Englisch, Mathematik, Geschichte, Physik und Biologie. Darüber hinaus werden auch an den Schulen zur Lernförderung neue Lehrpläne eingeführt.
An den Förderschulen wird es zudem zwei neue Fächer geben. Sachsen führt als erstes Bundesland das Fach Informatik ab Klassenstufe 5 ein. Das Fach soll einen Beitrag zur Lebensbewältigung der Schüler leisten und Medienkompetenz entwickeln. Ebenfalls neu hinzu kommt ab der 5. Klasse das Fach Englisch. Die neuen Fächer sollen dazu beitragen die Chancen der Jungen und Mädchen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.
Eine neue Unterrichtsform, der so genannten Profilunterricht, wird in der 8. Klassenstufe der Gymnasien eingeführt. Ab dem kommenden Schuljahr bieten die Gymnasien durchschnittlich zwei bis vier der fünf verschiedenen Profile an. Zur Auswahl stehen das naturwissenschaftliche, gesellschaftswissenschaftliche, sprachliche, künstlerische und sportliche Profil. Die Schüler entscheiden sich nach ihren Neigungen für ein Profil, indem sie in den Klassenstufen 8 bis 10 für wöchentlich 3 Unterrichtsstunden lernen. Während die Schüler im sprachlichen Profil eine dritte Fremdsprache erlernen, arbeiten sie in den anderen Profilen mit einem hohen Grad an Selbständigkeit an komplexen Themen, die auf Wissen und Kompetenzen mehrerer Fächer aufbauen. Damit wird der Unterricht stärker an Bedingungen der Arbeitswelt ausgerichtet.
Zahlen zum neuen Schuljahr
Schülerzahlen: Zum neuen Schuljahr sinkt die Zahl der Schülerinnen und Schüler in Sachsen erneut. Befanden sich an öffentlichen Schulen im Schuljahr 2004/05 noch rund 481.000 Schüler, werden es im kommenden Schuljahr gut 460.300 sein. (Zum Vergleich: 1995/96 waren es 760.300.) Die Zahlen der einzelnen Schularten: Grundschulen: 107.300 (Vorjahr 101.900), Mittelschulen: 112.000 (133.700), Gymnasien: 93.300 (100.300), Förderschulen: 21.100 (21.600), Berufliche Schulzentren: 126.600 (127.800).
ABC-Schützen: Bei den Erstklässlern ist wiederum ein leichter Anstieg zu verzeichnen: Etwa 30.100 Schulanfänger hat Sachsen im kommenden Jahr. Im Schuljahr zuvor waren es rund 29.300 Jungen und Mädchen.
Lehrkräfte: Derzeit befinden sich an öffentlichen Schulen im Freistaat Sachsen 38.690 Lehrkräfte (Vorjahr 40.174 Personen) im Schuldienst.
Einstellungen: In Vorbereitung des neuen Schuljahres stellten die Regionalschulämter 431 (Vorjahr 210) Lehrerinnen und Lehrer ein. Die Einstellungen erfolgten mehrheitlich unbefristet. Damit konnte dem überwiegenden Teil der Absolventen der staatlichen Seminare in Sachsen, die sich beim Freistaat beworben hatten, eine berufliche Perspektive gegeben werden. Rund 60 Lehrer wurden im Bereich der Gymnasien eingestellt, 25 fanden eine Einstellung an Mittelschulen.
Arbeitszeit / Versetzungen: Um die Unterrichtsversorgung im neuen Schuljahr sicherzustellen, wurden 1950 Lehrkräfte (Vorjahr 1.954) versetzt und 2420 (Vorjahr 1.993) voll oder teilweise abgeordnet abgeordnet. Bei 7.395 Personen (890 Stellen) aus allen Schularten wurde die besondere regelmäßige Arbeitszeit erhöht.
Zahl der Schulen: Zum Schuljahr 2004/05 bestehen in Sachsen folgende Schulen in öffentlicher Trägerschaft: Grundschulen: 801 (Vorjahr: 810); Mittelschulen: 402 (456), Gymnasien: 132 (144), Förderschulen: 147 (151), berufliche Schulzentren: 94 (99). Abendmittelschulen, Abendgymnasien und Kollegs: 7 (7).
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