Ahnen: Frühe Förderung wird massiv ausgebaut

"Das Landesgesetz zum Ausbau der frühen Förderung ist ein Meilenstein für die bessere Bildung und Betreuung von Kindern im vorschulischen Bereich in Rheinland-Pfalz geworden und hat nach nur einem Jahr bereits enorme positive Auswirkungen. Mehr Betreuungsplätze für die ganz Kleinen, deutlich mehr Sprachförderung und ein sprunghafter Anstieg des Kindergartenbesuchs im letzten – seit Anfang 2006 beitragsfreien – Kindergartenjahr, das ist mit Blick auf die Förderung und Betreuung von Kindern eine stolze Bilanz."

04.01.2007 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-Pfalz

Das stellte Bildungs- und Jugendministerin Doris Ahnen bei der Vorstellung der Ein-Jahres-Bilanz des zum 1. Januar 2006 in Kraft getretenen Landesgesetzes heute in Mainz fest. Die Landesregierung werde diesen Schritten weitere folgen lassen. Als erstes Bundesland werde Rheinland-Pfalz mit einem Stufenplan bis zum Jahr 2010 den Kindergarten für Kinder ab 2 Jahren völlig beitragsfrei machen. Noch im Januar werde die Landesregierung dem Landtag einen Gesetzentwurf zuleiten, mit dem das Land die Elternbeiträge für den Kindergarten übernehme. Dafür würden schrittweise aufbauend zusätzliche Mittel bis zu 58 Millionen Euro pro Jahr eingesetzt.

Die Wirkung des Programms "Zukunftschance Kinder – Bildung von Anfang an" sei eine wichtige Bestätigung des eingeschlagenen Weges, den Bereich der frühen Förderung deutlich zu verstärken. "Für eine gezielte Förderung aller Kinder war und ist es richtig, die Arbeit in den Kindertagesstätten zu unterstützen. Es ist enorm, wie engagiert sich die Erzieherinnen und Erzieher im Land und die Träger der Kindertagesstätten dieser neuen Aufgaben annehmen", betonte Doris Ahnen.

Mehr Plätze für die Kleinsten

"Mittlerweile sind landesweit 10.452 Plätze für Kinder unter drei Jahren genehmigt. Damit steht für mehr als zehn Prozent aller Kinder dieser Altersgruppe ein Platz in einer Kindertagesstätte bereit", betonte Doris Ahnen. Seit dem Startschuss für das Programm "Zukunftschance Kinder – Bildung von Anfang an" im Februar 2005 habe sich die Zahl mehr als verdoppelt, seit Anfang 2006 seien in den Kindergärten landesweit fast 2.700 neue Plätze für Kinder unter drei Jahren entstanden. Die Ministerin verwies darauf, dass damit voraussichtlich auch eine ganze Reihe von Kommunen in den Genuss des "Betreuungsbonus" komme. Insbesondere zur Realisierung des mit dem Landesgesetz für 2010 festgeschriebenen Rechtsanspruchs auf einen Kindergartenplatz für Zweijährige hat das Land zugesagt, seinen Anteil an den Kosten für jedes Kind um jährlich 1.000 Euro zu erhöhen, wenn in einer Verbandsgemeinde oder Stadt zum 31. Dezember eines Jahres mehr als zehn Prozent der Zweijährigen in Kindertagesstätten betreut werden.

Eine herausgehobene Rolle bei dem Ausbau spielten die neuen Chancen für die Öffnung von Kindergartengruppen für zweijährige Kinder bei gleichzeitiger Aufstockung des Personalschlüssels. "Anfang 2006 gab es gerade mal 191 Plätze für Zweijährige in geöffneten Kindergartengruppen, heute sind es mehr als zehn Mal so viele, nämlich 1.921 Plätze", hielt die Ministerin fest. Die Öffnung für Zweijährige werde offenkundig von vielen Einrichtungen und deren Trägern auch als große Chance erkannt, die pädagogische Konzeption der Kindertagesstätten weiterzuentwickeln und die Professionalität ihrer Arbeit für eine noch bessere Förderung ihrer Kinder zu steigern.

Kindergarten ist sehr gefragt

In welch hohem Maße die große Bedeutung der Kindertagesstätten für die Bildung und Erziehung von Kindern bei den Eltern in Rheinland-Pfalz bereits anerkannt sei, habe der im Jahr 2006 erstmals vorgezogene Schulanmeldetermin für das Schuljahr 2007/08 gezeigt. Durch den dabei erforderlichen Nachweis über den Besuch einer Kindertagesstätte liege nun die erste Vollerhebung über die Besuchsquote im letzten Kindergartenjahr vor. "Das Ergebnis ist äußerst erfreulich: 98,9 Prozent aller Kinder, die für das kommende Jahr zur Schule angemeldet wurden, besuchten im September 2006 bereits eine Kindertagesstätte", unterstrich Doris Ahnen. Dies sei sicherlich auch eine Auswirkung der mit dem Landesgesetz seit Anfang 2006 festgeschriebenen Beitragsfreiheit für das letzte Kindergartenjahr. Hochrechnungen der Statistiker aus dem Mikrozensus hatten für Rheinland-Pfalz bislang eine Kindergartenbesuchsquote im letzten Jahr vor der Einschulung von maximal 93 Prozent ergeben.

Flächendeckende Sprachförderangebote

Das letzte Kindergartenjahr habe eine besondere Bedeutung, weil hier das Land über das 8-Millionen-Euro-Programm für die Sprachförderung zusätzliche Unterstützung für eine qualitativ hochwertige frühe Bildung biete. "Für das jetzt laufende Kindergartenjahr sind durch Förderzusagen insgesamt fast 1.800 spezielle Sprachfördermaßnahmen in Kindertagesstätten für rund 11.200 Kinder in allen Teilen des Landes ermöglicht worden", resümierte die Ministerin. Nachdem beim Schulanmeldetermin im September 2006 insgesamt 34.515 Kinder für das Schuljahr 2007/2008 angemeldet worden seien, werde damit rechnerisch für fast ein Drittel der Schulanfängerinnen und Schulanfänger des kommenden Schuljahres eine zusätzliche Sprachförderung möglich.

Diese Fördermaßnahmen, die wahlweise als Basis- oder als Intensivförderung angeboten werden könnten, stünden dabei auf einem Fundament, das mit der Verankerung der Dokumentation von Bildungsprozessen und der Sprachförderung in den Bildungs- und Erziehungsempfehlungen für Kindertagesstätten gelegt worden sei. "Diese Form der systematischen und kontinuierlichen Sprachbeobachtung über die gesamte Kindergartenzeit hinweg geht weit über punktuelle Sprachtests hinaus", betonte die Bildungsministerin. Sie liefere wertvolle diagnostische Hinweise sowohl für die Sprachförderung im Alltag der Kindertagesstätte als auch für die zusätzlichen Sprachfördermaßnahmen im letzten Jahr vor der Einschulung. Denn Sprachförderung in der Kindertagesstätte beginne bereits beim Eintritt des Kindes in die Einrichtung. Sie werde als zentrale und dauerhafte Aufgabe während der gesamten Kindergartenzeit verstanden. Die Landesregierung unterstütze diese wichtige Arbeit durch ein Bündel von flankierenden Maßnahmen: im Bereich der geförderten Fortbildungsangebote stünden Veranstaltungen zur Sprachförderung schon jetzt ganz oben auf der Agenda. Darüber hinaus starte in Kürze ein vom Ministerium gefördertes landesweites Projekt zur weiteren Qualifizierung von Sprachförderkräften, das von einem Trägerverbund bestehend aus den kirchlichen Erwachsenenbildungsinstitutionen, dem Sozialpädagogischen Fortbildungszentrum und dem Verband der Volkshochschulen entwickelt wurde. Außerdem seien alle rund 2.400 Kindertageseinrichtungen mit Materialien zur Beobachtung und Dokumentation des Sprachverhaltens und Interesses an Sprache bei Migrantenkindern in Kindertageseinrichtungen (abgekürzt SISMIK) versorgt worden.

In Abstimmung mit den Trägern der Einrichtungen sei geplant, ähnliche vom Staatsinstitut für Frühpädagogik in München entwickelte Arbeitsmaterialien zur Beobachtung und Dokumentation der Sprachentwicklung und Literacy bei deutschsprachig aufwachsenden Kindern (abgekürzt SELDAK) in Kürze zur Verfügung zu stellen. Mit diesen und andern in den Kindertageseinrichtungen benutzten Methoden sei es möglich, Sprachentwicklung nicht nur punktuell zu erfassen, sondern auch vor allem auch kontinuierlich aufzubauen und weiterzuentwickeln.

Förderung für alle Kinder durch Einschätzverfahren zum Sprachförderbedarf

"Um aber wirklich alle Kinder erreichen zu können, die in ihrer sprachlichen Entwicklung gezielte Unterstützung brauchen, wurde bei der Schulanmeldung erstmals ein standardisiertes Verfahren zur Einschätzung des Sprachförderbedarfs von Kindern durchgeführt, die keine Kindertagesstätte besuchen. Dies hat sich bewährt", hielt Doris Ahnen fest. Von den insgesamt 386 Kindern landesweit, die zum Zeitpunkt der Schulanmeldung keinen Kindergarten besuchten, sei insgesamt 170 Kindern eine Sprachförderung empfohlen worden. 46,5 Prozent dieser Kinder seien deutscher Herkunft gewesen, 53,5 Prozent Kinder mit Migrationshintergrund.

"Besonders erfreulich ist, dass die Eltern von fast zwei Dritteln der Kinder mit Sprachförderbedarf sich unmittelbar für eine Anmeldung ihres Kindes in einer Kindertagesstätte mit entsprechenden Förderangeboten entschlossen haben. Auch dies zeigt, dass die Eltern die Rolle des Kindergartens als Bildungsinstitution in hohem Maße akzeptieren", sagte die Bildungs- und Jugendministerin. Der weitaus überwiegende Anteil der restlichen Kinder mit Sprachförderbedarf sei von den Eltern für eine Sprachfördermaßnahme angemeldet worden. Lediglich 18 Eltern hätten rechtsförmliche Anordnungen von den Schulleitungen erhalten oder würden vom Jugendamt intensiv begleitet. Das von Professorin Gisela Kammermeyer (Universität Koblenz-Landau) und Ministerium gemeinsam entwickelte Testverfahren, sei im Übrigen auch allen Kindergärten im Land zur Verfügung gestellt worden und könne dort ebenfalls eingesetzt werden.

Hohe Weiterbildungsbereitschaft - mehr Qualität in früher Bildung

Ein Beleg für die großen Anstrengungen im Bereich der frühen Bildung sei auch das Echo, das die Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für Erzieherinnen und Erziehern bei den Beschäftigten in den Kindertagesstätten aber auch bei den Trägern finden. Für 849 Seminare, Tagungen und sonstige Fortbildungsmaßnahmen seien im vergangenen Jahr Landeszuschüsse bewilligt worden. Damit hätten gut 13.800 Erzieherinnen und Erzieher eine Chance erhalten, ihre Qualifikation auf den verschiedensten Gebieten weiter zu verbessern.

Mehr Qualität bei Bildung und Betreuung strebe das Land aber auch im Bereich der Tagespflege an. "Eltern, die ihr Kind einer Tagesmutter oder einem Tagesvater anvertrauen, sollen sicher sein, dass ihr Kind kompetent betreut wird", betonte Doris Ahnen. Fast alle der 42 Jugendämter im Land hätten das Angebot zur Landesförderung von Qualifizierungsmaßnahmen für Tagespflegepersonen aufgegriffen, manche sogar mehrfach. In insgesamt 70 Kursen seien bis zum Jahresende 2006 bereits 700 Personen weiterqualifiziert worden, 300 weitere Tagesmütter und Tagesväter durchliefen derzeit noch ein solches Fortbildungsangebot und das Programm werde fortgesetzt.

Erfolgreichen Weg fortsetzen

"Für Kinder und Eltern haben sich in allen Punkten, die das Land ins Zentrum des Programms ,Zukunftschance Kinder – Bildung von Anfang´ an gestellt hat, ganz eindeutig Verbesserungen ergeben. Und wir werden diesen Weg konsequent weiter gehen", stellte die Bildungs- und Jugendministerin fest. Neben dem weiteren quantitativen Ausbau stünden dabei auch in Zukunft inhaltliche Aspekte im Mittelpunkt. Schon in den nächsten Tagen würden den Jugendämtern in den Kommunen ihre Budgets für die Sprachfördermaßnahmen im Kindergartenjahr 2007/2008 mitgeteilt. Die Weiterqualifizierung der Fachkräfte für die Sprachförderung werde weiter vorangetrieben und auf der Grundlage der bisherigen Erfahrungen solle mit den Trägern der Kindertagesstätten ein gemeinsamer Qualitätsrahmen für die künftige Sprachförderung entwickelt werden. Auch dem Übergang von der Kindertagesstätte in die Grundschule werde große Aufmerksamkeit gewidmet. "Kinder dürfen Bildungsabschnitte nicht als Bruch erfahren und eine gute Kooperation zwischen den einzelnen Bildungseinrichtungen ist gut für die Institution, aber vor allem gut für das Kind", so Ahnen.


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