Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave: "Über 2.000 Mädchen und Jungen erhalten bessere Bildungschancen durch intensive Sprachförderung vor der Schule"

"Sprache ist der Schlüssel für bessere Bildungs- und Lebenschancen und fördert die Integration von Kindern aus Migrantenfamilien," sagte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave heute (11. April) in Kiel. Sie stellte aktuelle Zahlen zu den erstmals landesweit laufenden Kursen mit intensiver Sprachförderung (SPRINT) vor.

19.04.2006 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Erdsiek-Rave: "Seit Januar besuchen 2.158 Kinder die 294 Sprachkurse, um ihre Deutschkenntnisse noch vor der Einschulung zu verbessern. Damit ermöglichen wir ihnen einen erfolgreicheren Schulstart. Ich freue mich, dass wir mit den SPRINT-Kursen auf gutem Weg sind und die Zusammenarbeit zwischen Schulämtern, Kindertageseinrichtungen und deren Trägern sowie den Schulen gut funktioniert."

Die Bildungsministerin betonte mit Hinweis auf die aktuelle Debatte um Integration, Bildungschancen und Gewalt an Schulen, dass gerade die vorschulische Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen, unmittelbar vor dem Schulbeginn und da, wo es notwendig ist, auch weiter in der Schule, eine der wichtigsten Investitionen für bessere Zukunftschancen sei. Ute Erdsiek-Rave: "Perspektivlosigkeit und mangelnde Sprachkenntnisse sind der Nährboden für Gewalt und Ausgrenzung. In Schleswig-Holstein wird jedes Kind eingeschult. Wir setzen auf frühe Förderung und Integration statt Ausgrenzung." Die Sprachförderung werde auch in der Grundschule fortgesetzt.

Im Rahmen der Weiterentwicklung des integrativen Sprachförderkonzeptes werden seit Anfang 2006 landesweit 294 Kurse angeboten. Sie richten sich an alle Kinder - deutsche oder nichtdeutsche - bei denen beim Einschulungsgespräch Defizite in der Sprache festgestellt wurden. Im Oktober vergangenen Jahres waren erstmals die Einschulungsuntersuchungen landesweit vorgezogen worden. Dabei wurden bei rund 28.500 Kinder, die zum Schuljahr 2006/07 die Grundschule besuchen sollen, der Sprachstand beobachtet und bewertet. Ergaben sich Hinweise auf Sprachdefizite, erfolgte eine zweite Untersuchung von Fachkräften, um den Sprachstand der Kinder genauer einzuschätzen. Wurden die Defizite bestätigt, erhielten die Kinder die Sprachintensivförderung "SPRINT".

"SPRINT" bietet ihnen eine intensive Sprachschulung in den Monaten zwischen Einschulungsuntersuchung und Schulbeginn. Über einen Zeitraum von 20 Wochen erhalten sie täglich bis zu zwei Stunden Sprachunterricht in kleinen Gruppen (6-10 Kinder oder weniger). "65 Prozent der Sprachkurse finden in Kindertageseinrichtungen und 34 Prozent in Schulen statt. Gefördert werden die Kinder von 253 zusätzlich beschäftigten qualifizierten Erzieherinnen und Erziehern, Lehrkräften für Deutsch als Zweitsprache und einigen anderen Fachkräften. Damit konnten wir den Bedarf aktuell decken, haben aber auch festgestellt, dass wir noch weiteres qualifiziertes Personal ausbilden müssen", so die Bildungsministerin. Am Ende der Kurse wird der Sprachstand erneut bewertet, um zu festzustellen, bei welchen Kindern die Sprachförderung auch in der Grundschule fortgesetzt werden muss.

Von den 2.158 Kindern, die noch bis Juni in den SPRINT-Kursen ihre Sprachkenntnisse verbessern, sind nach den neusten Daten 65 Prozent Kinder mit Migrationshintergrund. 35 Prozent der Kinder kommen aus deutschen Familien. Bildungsministerin Erdsiek-Rave: "Diese Zahlen zeigen, dass auch immer mehr deutsche Kinder eine intensive Förderung brauchen. Hier ist nicht nur die Schule gefordert, diese Situation zu verbessern. Auch die Eltern und das soziale Umfeld müssen aktiv mitmachen und die Kinder unterstützen. Deshalb wollen wir im nächsten Jahr auch Angebote für Eltern, vor allem für Mütter begleitend zu den SPRINT-Kursen machen."

Nicht nur in der Schule, auch in den Kindertagesstätten wird die Sprachheilförderung erheblich intensiviert. Für Kinder mit besonderen Sprachauffälligkeiten und Sprachstörungen wurden die Sprachheilkräfte der Förderzentren verstärkt. So können zusätzlich rund 200 Kitas versorgt werden. Damit wird rechnerisch etwa die Hälfte aller Kitas in Schleswig-Holstein erreicht. Zu den vorhandenen 60 Stellen kommen in diesem Jahr 20 weitere hinzu, bis zum Jahr 2010 werden es 120 sein. Während in den vergangenen Jahren rund 6.000 Kinder jährlich gefördert werden konnten, werden in diesem Jahr rund 1.500 mehr erreicht werden.

Erdsiek-Rave: "Auch die allgemeine Sprachförderung für alle Kinder, die eine Kita besuchen, wird ausgebaut. Ab diesem Jahr kommen zu den landesweit vorhandenen rund 4.000 qualifizierten Erzieherinnen und Erziehern neue hinzu. Jährlich werden 500 neue Fachkräfte ausgebildet, damit wenigstens in jeder der 1.635 Einrichtungen eine fortgebildete Kraft arbeitet, die die Sprachförderung verantwortlich betreut."

Die Landesregierung finanziert die Sprachförderung in 2006 mit drei Millionen Euro und in den folgenden Jahren mit jeweils sechs Millionen Euro. Ab 2007 ist vorgesehen, dass neben den SPRINT-Angeboten im halben Jahr vor der Einschulung präventive Intensiv-Sprachförderung bei Kindern mit Sprachdefiziten in den Kitas bereits früher angeboten werden. Darüber hinaus sollen die Angebote in den Grundschulen erweitert werden. Aufgrund des im neuen Schulgesetz vorgesehenen verpflichtenden Besuchs der SPRINT-Kurse wird das Land auch sämtliche Fahrtkosten übernehmen.

Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave kündigte nach der erfolgreichen Startphase eine Evaluation an, um das Zusammenspiel aller Akteure zu optimieren. "Mit unserem integrativen Sprachförderkonzept haben wir nach PISA die richtigen Konsequenzen gezogen, um benachteiligten Kindern durch frühe Förderung bessere Startchancen zu geben. Jetzt gilt es, dies konsequent fortzusetzen und auszubauen. Es sind noch große Anstrengungen notwendig, damit für alle Kinder unabhängig von der ethnischen und sozialen Herkunft mit den Förderangeboten auch tatsächlich bessere Bildungsperspektiven erreicht werden."


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