Kultusministerin zieht aktuelle Zwischenbilanz der Vorlaufkurse für Kinder mit Migrationshintergrund

Eine positive Zwischenbilanz zu der aktuellen Entwicklung der Vorlaufkurse zog Kultusministerin Karin Wolff heute in Wiesbaden. "Mit unseren Vorlaufkursen gelingt es uns in idealer Weise, sprachliche Förderung von Kindern, soziale Integration und Prävention zu verknüpfen", sagte die Ministerin. "Eine immer größere Zahl von Kindern kommt in die freiwilligen Deutschkurse, weil die Eltern wissen, dass ihre Kinder dort die Chance bekommen, innerhalb von wenigen Monaten einen solchen Sprung in ihrer Sprachentwicklung zu machen, dass sie zusammen mit Gleichaltrigen eingeschult werden können."

11.01.2008 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

Hessen hatte im Jahr 2002 als erstes Bundesland eine Überprüfung der sprachlichen Fähigkeiten vor der Einschulung verbindlich eingeführt. Seitdem wird in Hessen bereits bei der vorgezogenen Grundschulanmeldung das Verständnis der Kinder für die deutsche Sprache geprüft. Alle Kinder, bei denen nicht hinreichende Deutschkenntnisse für den erfolgreichen Besuch der ersten Klasse festgestellt werden, bekommen kostenlose schulische Vorlaufkurse angeboten, die in der Regel im November beginnen und mit der Einschulung im Sommer des folgenden Jahres enden. "Hätte es diese Förderung bereits in den neunziger Jahren gegeben, dann wäre vielen Jugendlichen später das Schicksal erspart geblieben, die Schule ohne Schulabschluss verlassen zu müssen", kritisierte die Ministerin die Integrationspolitik der Vorgängerregierung. Wer von Anfang an mitreden und über vorhandene Probleme auch sprechen könne, versuche zudem nicht, diese mit Gewalt zu lösen.

Seit 2002 haben über 35.000 Kinder die Vorlaufkurse besucht. Dabei ist die Bilanz der letzten fünf Durchgänge ausgesprochen erfreulich: Im Schuljahr 2006/07 nahmen 97,6% Prozent aller Kinder erfolgreich an den Vorlaufkursen teil und mussten nicht zum Einschulungstermin aus sprachlichen Gründen zurückgestellt werden. Dabei ist die Akzeptanz der freiwilligen Vorlaufkurse bei den Eltern äußerst hoch. "Über 95 Prozent der Kinder, denen der Besuch der Vorlaufkurse empfohlen wurde, sind von ihren Eltern dafür angemeldet worden", lobte Wolff.

Die Zahlen der besuchten Kurse und der Teilnehmer erhöhen sich kontinuierlich. Derzeit besuchen 6.800 angehende Schülerinnen und Schüler 807 Vorlaufkurse, während im Schuljahr 2006/2007 rund 6.400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf 766 Kurse verteilt waren. "Sprache ist der Schlüssel für schulischen Erfolg und damit für das gesamte spätere Leben. Daneben ist der Erwerb der deutschen Sprache aber auch eine wichtige Voraussetzung, damit sich Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in unsere Gesellschaft integrieren. Nur mit guten Sprachkenntnissen sind diese jungen Menschen in der Lage erfolgreich die Schule abzuschließen und eine Berufsausbildung zu beginnen, anstatt arbeitslos zu werden und ohne Perspektive auf die schiefe Bahn zu geraten", erklärte die Kultusministerin. Insgesamt nehmen im Schuljahr 2007/2008 mehr als 10 Prozent der zur Einschulung anstehenden Erstklässler an den schulischen Vorlaufkursen teil. Davon sind rund 10 Prozent Kinder, die keinen Kindergarten besuchen. Die Förderung bei nicht hinreichenden Deutschkenntnissen findet unabhängig davon statt, ob die Kinder einen Kindergarten besuchen oder nicht.

Die von den Grundschulen eingerichteten neunmonatigen Kurse finden zu rund zwei Dritteln in den Grundschulen und zu etwa einem Drittel in Räumen von Kindertagesstätten statt, wodurch sich auch die Zusammenarbeit zwischen beiden Einrichtungen weiter vertieft hat. Durch ständige inhaltliche und fachliche Überprüfung wird auch die Qualität der Vorlaufkurse weiter gesteigert. Bereits im vergangenen Schuljahr wurde das Projekt "Deutsch für den Schulstart" der Ruprecht-Karls-Universität unter wissenschaftlicher Begleitung eingeführt. Mithilfe förderdiagnostischer Testverfahren sowie Trainings- und Praxisbegleitung für Lehrkräfte sollen Kinder unterstützend und kindgerecht auf das Schulleben vorbereitet werden. Nach übereinstimmenden Berichten von Lehrkräften und den Staatlichen Schulämtern haben die Schulen festgestellt, dass die Kinder durch die Vorlaufkurse nicht nur an Sprachkompetenz gewonnen haben, sondern dass ihre Schulfähigkeit insgesamt stark zugenommen hat.


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