Sachsen

Übergabe Marwa El-Sherbini Stipendium für Weltoffenheit und Toleranz

Die gebürtige Jordanierin Hiba Omari ist erste Stipendiatin des Marwa El-Sherbini Stipendium für Weltoffenheit und Toleranz. Oberbürgermeisterin Helma Orosz und Staatssekretär Dr. Henry Hasenpflug vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst übergaben das Stipendium heute (29. Oktober 2012) gemeinsam an die 24-Jährige im Auditorium des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik. Hiba Omari hat gerade ihr Diplomstudium Elektrotechnik am Institut für Biomedizinische Technik an der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik der Technischen Universität Dresden begonnen. Die Förderung umfasst monatlich 750 Euro.

29.10.2012 Pressemeldung Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus

Der Ort der Übergabe ist nicht zufällig gewählt. Am 1. Juli 2009 (2) wurde die Ägypterin Marwa El-Sherbini im Landgericht Dresden ermordet. Ihr Mann, der Genforscher Elwi Ali Okaz, arbeitete zu diesem Zeitpunkt als Doktorand am Dresdner Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik. Erschüttert von der Information über den Tod Marwa El-Sherbinis versammelten sich mit großer Anteilnahme damals die Beschäftigten des Institutes spontan im Auditorium. Oberbürgermeisterin Helma Orosz: "Die Übergabe des ersten Stipendiums genau an diesem Ort soll ein Akt des Respekts und des Erinnerns sein und zeigen, dass Dresden nicht vergisst und etwas tut für die Zukunft als weltoffene Stadt. Mit diesem Stipendium erinnern wir Marwa El-Sherbini auf eine besondere Art und Weise. So lebt der Gedanke an diese engagierte Frau weiter."

"Ein solch trauriges Ereignis, welches die Dresdner Öffentlichkeit vor wenigen Jahren stark erschüttert hat, verlangt ein kraftvolles Gegenzeichen unserer Bürgergesellschaft, ein Bekenntnis zur Menschlichkeit, zur Weltoffenheit und Toleranz. Wir können das Verbrechen nicht ungeschehen machen, aber wir können damit ein kräftiges Zeichen setzen", erklärte Staatssekretär Dr. Henry Hasenpflug bei der Übergabe des Stipendiums.

Zum Gedenken an Marwa El-Sherbini lobten die Stadt Dresden und die Sächsische Staatsregierung 2012 das erste Stipendium für Weltoffenheit und Toleranz aus. Beide Partner finanzieren das Stipendium jeweils zur Hälfte. Der Stadtrat stimmte am 6. September 2012 zu. Das Kuratorium (1) wählte am 2. Oktober 2012 Hiba Omari als erste Stipendiatin aus. Begleitet wird das Stipendium durch den DRESDEN-Concept e. V. unter Vorsitz von Professor Dr. Hans Müller-Steinhagen. Das nächste Stipendium wird im Jahr 2014 vergeben. Den Vorsitz des Kuratoriums wird dann ein Vertreter des Freistaates Sachsen innehaben. Voraussetzungen, die der Stipendiat erfüllen muss, sind hervorragende Leistungen in Schule und Studium, interkulturelle Kompetenz, hohes gesellschaftliches Engagement, politisches Interesse und Kreativität. Gefördert werden Studierende Dresdner Hochschulen im Aufbau- oder Ergänzungsstudien im Rahmen einer zweiten wissenschaftlichen Ausbildung, für die Dauer von bis zu zwei Jahren. Wer sich für das Stipendium bewirbt, muss bereits einen Bachelor-Abschluss oder ein Abschluss in einem traditionellen, einstufigen akademischen Studiengang haben.

(1) Das Kuratorium begründete seine Entscheidung folgendermaßen: "Die bisherigen schulischen und Studienleistungen der Stipendiatin stimmten hervorragend mit den Erwartungen überein. Darüber hinaus würdigt das Kuratorium ihr bisher gezeigtes gesellschaftliches Engagement in Dresden." Die Entscheidung für die Masterstudentin fiel im Kuratorium einstimmig. Kuratorium für das Marwa El-Sherbini Stipendium 2012: Helma Orosz, Oberbürgermeisterin und Vorsitzende des Kuratoriums, Dr. Henry Hasenpflug, Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, Dr. Uta Kruse, Integrations- und Ausländerbeauftragte der Landeshauptstadt Dresden, Prof. Dr. Martin Gillo, MdL, Ausländerbeauftragter des Freistaates Sachsen, Prof. Dr. Hans Müller-Steinhagen, Rektor der TU Dresden und Vorsitzender des Vorstandes von "DRESDEN-concept e. V.", Yujie Yao, Ausländerbeirat der Landeshauptstadt Dresden

(2) Hintergrundinformation:

Am 1. Juli 2009 wurde Marwa Ali El-Sherbini im Landgericht Dresden ermordet. Sie war ägyptische Handballspielerin und Pharmazeutin. 2005 ging sie mit ihrem Mann, dem Genforscher Elwi Ali Okaz, nach Bremen. Ihr Sohn wurde 2006 geboren. 2008 zog die Familie nach Dresden. Okaz arbeitete dort als Doktorand am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik. Ende 2009 wollten sie gemeinsam nach Ägypten zurückkehren. Im August 2008 wurde Marwa El-Sherbini von dem Russlanddeutschen Alex Wiens auf einem Dresdner Spielplatz als "Islamistin" und "Terroristin" beschimpft. Es kam zur Anzeige. Das Amtsgericht Dresden verurteilte Wiens zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 13 Euro. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein, um ein höheres Strafmaß wegen eines ausländerfeindlichen Hintergrunds zu erwirken. Auch Alex Wiens legte gegen das Urteil Berufung ein. In der Berufungsverhandlung am 1. Juli 2009 tötete Alex Wiens mit einem Messer die im dritten Monat schwangere Marwa El-Sherbini, als diese nach ihrer Zeugenaussage den Gerichtssaal verlassen wollte. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem Einzeltäter, der aus einer "extrem ausländerfeindlichen Motivation" handelte. Alex Wiens wurde am 11. November 2009 durch das Landgericht Dresden wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.


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