Bei Bildungs- und Erziehungsverantwortung an einem Strang ziehen?

"Die solide Unterrichtsversorgung in Hessen ist die Stütze unseres umfassenden Reformkonzepts für mehr Qualität in Hessens Schulen." Mit diesen Worten wendet sich Kultusministerin Karin Wolff in diesem Schuljahr an die Eltern der hessischen Schülerinnen und Schüler. Zum sechsten Mal in Folge informiert Wolff mit dem Elternbrief zum Schuljahrsanfang über die aktuelle Situation in der hessischen Bildungspolitik. Die insgesamt rund 950.000 Exemplare des vierseitigen Schreibens werden von den Schulen in diesen Tagen an alle Eltern verteilt.

09.09.2005 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

"Bildung besitzt aus Sicht der Hessischen Landesregierung ganz klar Priorität", schreibt Wolff. Die Grundlagen seien seit 1999 gelegt und das Versprechen der Unterrichtsgarantie eingelöst worden. In den ersten fünf Jahren ihrer Amtszeit habe die Landesregierung 2.900 Stellen für Lehrer und 1.600 Stellen für Referendare geschaffen. Bis 2008 seien 500 weitere Lehrerstellen zugesagt, wovon 280 bereits im Haushalt 2005 enthalten seien. Wolffs Anliegen ist es, möglichst viele Stellen auf dauerhafte Füße zu stellen. Aus diesem Grund werde im neuen Haushaltsjahr eine hohe Zahl an Stellen in Beamtenstellen umgewandelt, "damit die Lehrkräfte ihren Klassen erhalten bleiben und auch persönlich Planungssicherheit erhalten."

Qualität heißt für Wolff zum einen eine verbesserte Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte, zum anderen, dass Schülerinnen und Schüler mit den gesetzten Bildungsstandards in den Schulen bestmöglich auf ein erfolgreiches späteres Lernen und Leben vorbereitet werden. Die für Hessen erfreulichen Ergebnisse der jüngst veröffentlichten nationalen PISA-Studie hätten bestätigt, dass die Bereitschaft jedes Schülers zu mehr Leistung und Anstrengung die beste Grundlage für mehr Erfolg in den Schulen sei. Gleichzeitig hebt die Ministerin hervor, dass sich der Erfolg nur dann einstelle, wenn alle an einem Strang ziehen und die Bildungs- und Erziehungsverantwortung gemeinsam annehmen. Wolff bedankte sich ausdrücklich bei Lehrerinnen, Lehrern und Eltern für deren Bereitschaft, Veränderungen anzunehmen und die notwendigen Bildungsreformen mitzutragen.

Als eines der wichtigsten Ziele auf dem Weg zu mehr Qualität nennt Wolff die intensive Sprachförderung von Kindern, die keine ausreichenden Deutschkenntnisse mitbringen, um dem Schulunterricht folgen zu können. "Das ist wohl das größte Hindernis für eine erfolgreiche Schullaufbahn." Gerade für Schulanfänger ausländischer Herkunft sei eine frühe Deutsch-Förderung zwingend notwendig. Ziel sei es, dass alle Kinder schon am ersten Schultag mitreden könnten. Seit der Einführung der kostenlosen neunmonatigen Vorlaufkurse im Jahr 2002 haben rund 17.000 Kinder die Kurse absolviert, die Erfolgsquote liegt bei rund 95 Prozent.

Mit Beginn des neuen Schuljahres setzt Hessen auf den schnellen Weg zum Abitur: Künftig wird das Abitur nicht mehr nach neun, sondern bereits nach acht Schuljahren am Gymnasium erworben. Die Schulzeitverkürzung im gymnasialen Bildungsgang ist in Hessen gut vorbereitet: Für zusätzlich benötigte Bücher stehen zusätzliche Mittel zur Verfügung, Lehrpläne und die neue Stundentafel sind fertig erarbeitet. In zwei Etappen werden die Schulen mit der Umstellung beginnen, ein erster Teil 2005, der andere 2006. 15 Prozent der Gymnasien sind bereits im letzten Schuljahr freiwillig gestartet. Auf diese Weise werden Arbeits- und Ausbildungsmarkt nicht doppelt belastet, wenn die ersten "8-Jährigen" und die letzten "9-Jährigen" gleichzeitig ihre Schulausbildung abschließen. "Kein Bildungsweg in Hessen endet in der Sackgasse", unterstreicht die Ministerin. Schülerinnen und Schüler von Realschulen und Gesamtschulen mit guten Leistungen könnten auch zukünftig in die dreijährige gymnasiale Oberstufe wechseln.

Hessen baut sein Ganztagsschulprogramm weiter bedarfsgerecht aus: Ab Schuljahrsbeginn verfügen 336 Schulen über ein Ganztagsangebot - mehr als doppelt so viele wie noch 2001. Im Rahmen des "Ganztagsprogramms nach Maß" hat Hessen in vier Jahren 260 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen. Ziel bleibt, für jede Schülerin und jeden Schüler ein Angebot in erreichbarer Nähe bereitzustellen. Dabei kommt der Kooperation mit den Schulträgern sowie Vereinen und freien Trägern vor Ort eine hohe Bedeutung zu, um den Kindern und Jugendlichen unterrichtsergänzende Angebote zu machen. "Es geht darum, die Kräfte zu bündeln und den Nachmittag gemeinsam zu organisieren", so Wolff.

Mit dem neuen Schuljahr endet auch die sanktionsfreie Übergangszeit für das Rauchverbot an Hessens Schulen. Die Ministerin bittet die Schulen eindringlich, klare Grenzen zu ziehen und disziplinarisch vorzugehen. Auch an die Eltern richtet sie den Appell, ihren Kindern die Gefahren des Rauchens zu vermitteln. "Hier ist gegenseitiges Vertrauen und Unterstützung des schulischen Handelns besonders wichtig", betont Wolff.

Als weitere wichtige Veränderungen im Schuljahr 2005/06 nennt die Ministerin unter anderem die verstärkte Förderung von Schülerinnen und Schülern bei drohender oder erfolgter Nichtversetzung durch individuelle Förderpläne, die Möglichkeit zur Querversetzung in einen anderen Bildungsgang in den Jahrgangsstufen 5 bis 7 im Interesse einer besseren und pädagogisch effektiveren Gestaltung der individuellen Schullaufbahn sowie die Möglichkeit für Schulen, in der 10. Hauptschulklasse, die nun zum Mittleren Abschluss führen soll, von der Stundentafel abzuweichen, wenn es die besondere Förderung erfordert.

"Die Landeregierung schafft die Rahmenbedingungen dafür, dass Schülerinnen und Schüler überall in Hessen erfolgreich die Schule durchlaufen und sich gemäß ihrer Fähigkeiten und Neigungen entsprechend entwickeln können", schließt die Ministerin. Das hessische Reformkonzept berücksichtige sowohl Schwächere als auch Leistungsstarke und verknüpfe die Initiativen zur Qualitätsverbesserung mit den notwendigen Überprüfungsverfahren.

Der komplette Text der Elterninfo steht im Internet unter www.kultusministerium.hessen.de


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