Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave zum neuen Schuljahr: Schleswig-Holstein schreibt ein Stück Bildungsgeschichte

Schleswig-Holstein schreibt in diesem Schuljahr ein Stück Bildungsgeschichte: Mit dem neuen Schulgesetz öffnen nun die ersten Gemeinschaftsschulen ihre Türen für die Schülerinnen und Schüler. "Das ist der Einstieg zu längerem gemeinsamen Lernen und individueller Förderung unserer Kinder", sagte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave heute (30. August) in Kiel anlässlich des Schuljahresbeginns. "Damit kommen wir unserem Ziel ein gutes Stück näher, allen Kindern gute Bildungschancen zu eröffnen und einen möglichst hochwertigen Schulabschluss zu ermöglichen."

30.08.2007 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Auch die Kleinsten profitieren von dem Ansatz, jedes Kind nach seinen Möglichkeiten zu fördern. So wird die Eingangsphase in der Grundschule nun flächendeckend umgesetzt. "Mit der Möglichkeit, die 1. und 2. Klasse je nach individueller Fähigkeit in ein bis drei Jahren zu durchlaufen, bieten wir allen Kindern gute Startchancen", sagte die Bildungsministerin. Zudem wird die Verlässliche Grundschule mit einer garantierten Mindestzeit an Unterricht auf alle 600 Grundschulen im Land ausgeweitet. Auch Englischunterricht in der 3. und 4. Klasse wird von diesem Schuljahr an in ganz Schleswig-Holstein angeboten. Für muslimische Schülerinnen und Schüler bieten erstmals acht Grundschulen im Land freiwilligen Islamunterricht an.

Zudem starten noch in diesem Schuljahr die ersten zentralen Abiturprüfungen in den Leistungskursfächern Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen und Naturwissenschaften.

Ute Erdsiek-Rave: "So ist sichergestellt, dass jede Schülerin und jeder Schüler in mindestens einem Leistungsfach zentral geprüft wird". Die ersten zentralen Abiturprüfungen im Zuge der neuen Profiloberstufe werden dann 2011 abgenommen.

Gemeinschaftsschulen

Fehmarn, Flensburg, Halstenbek, Handewitt, Itzstedt, Kellinghusen und Schafflund - in diesen sieben Orten hat der Schuljahresbeginn in diesem Jahr eine besondere Bedeutung. Die ersten Gemeinschaftsschulen nehmen ihre Arbeit auf. Insgesamt 750 Schülerinnen und Schüler werden dort in die fünften Klassen aufgenommen. "Die Gemeinschaftsschule bildet den Rahmen für neue Unterrichtskonzepte und Unterrichtsformen, und sie lebt von einem neuen Geist", sagte die Ministerin. Durchgängiges Prinzip der Gemeinschaftsschulen ist das gemeinsame Lernen von Klasse 5 bis 10. Sie steht allen Schülerinnen und Schülern offen. Die unterschiedlichen Begabungen sollen mit gezielten Unterrichtsangeboten berücksichtigt werden. So können zum Beispiel klassen- oder jahrgangsübergreifende Lerngruppen gebildet werden. Jede Schule muss ein entsprechendes pädagogisches Konzept erarbeiten, dessen Genehmigung Voraussetzung für die Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule ist.

Das Interesse an der neuen Schulart ist groß. "Uns liegen bereits 14 weitere Anträge für das nächste Schuljahr vor, wir rechnen aber noch mit wesentlich mehr", sagte Erdsiek-Rave. Zu den Gemeinschaftsschulen kommen ab 2008/09 auch die ersten Regionalschulen. Dafür liegen dem Bildungsministerium bislang fünf Anträge von Schulträgern vor. Um das Antrags- und Genehmigungsverfahren für die neuen Schulen zu vereinfachen, erarbeitet das Bildungsministerin einen entsprechenden Leitfaden, der im September veröffentlicht werden soll. Demnach läuft die Antragsfrist für das Schuljahr 2008/09 am 30. November 2007 ab.

Das Land unterstützt die Weiterentwicklung des Schulsystems mit rund 1.300 Lehrerstellen, die bis 2015 für mehr Unterricht und individuellere Förderung der Schülerinnen und Schüler bereitgestellt werden. Außerdem werden bis 2010 insgesamt 1,4 Millionen Euro für ein gezieltes Fortbildungsangebot für die Lehrkräfte zur Verfügung gestellt.

Freiwilliger Islamunterricht an Grundschulen

Acht Grundschulen in Schleswig-Holstein bieten ab diesem Schuljahr 2007/08 Islamunterricht an. "Durch das neue Unterrichtsangebot erhalten muslimische Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich im alltäglichen Lernen und Leben mit ihrer religiösen Identität auseinanderzusetzen. Dies ist auch ein wichtiger Schritt zu ihrer Integration", sagte die Bildungsministerin. Wenn sich Schule und Umfeld für ihre Religion öffnen, werde es diesen Mädchen und Jungen erleichtert, sich ihrerseits für das Leben in unserer Gesellschaft zu öffnen. Die Teilnahme am Unterricht ist freiwillig.

Der Islamunterricht in deutscher Sprache wird pro Schule von jeweils einer Lehrkraft muslimischen Glaubens erteilt, die bereits im Landesdienst arbeitet. Für die neue Aufgabe haben sich die Lehrkräfte entsprechend fortgebildet. Grundlage des Unterrichts ist der "Lehrplan für den Islamunterricht in der Grundschule Klasse 1-4". Er thematisiert auch die alevitische Tradition und umfasst die sechs Themenbereiche "Ich und meine Gemeinschaft", "Islamische Ethik", "Prophetengeschichten", "Prophet Mohammed", "Der Koran" und "Grundlagen des Islam".

An dem Projekt beteiligen sich folgende Schulen:

  • Real- und Hauptschule mit Grundschulteil Büchen (Kreis Herzogtum Lauenburg)
  • Grundschule Ramshade Flensburg
  • Zentralschule Harrislee (Kreis Schleswig-Flensburg)
  • Muhliusschule Kiel
  • Hans-Christian-Andersen-Schule Kiel
  • Grundschule Heidenberger Teich Kiel
  • Theodor-Storm-Schule Kiel
  • Fröbelschule Kiel

Ab dem Schuljahr 2008/09 kommt die Wippendorfschule Neumünster hinzu. Bei entsprechender Resonanz soll das Angebot auf weitere Schulen ausgeweitet werden.

Schulporträts

Die Schulen schaffen sich ein neues Portal im Internet: das Schulporträt. Dort veröffentlichen sie wesentliche Informationen zu ihrer pädagogischen Arbeit, ihren Aktivitäten und Schwerpunkten sowie ihren Leistungen. Ute Erdsiek-Rave: "So wollen wir die Angebote der Schulen gerade für Eltern leichter zugänglich und vergleichbar machen und den Erfahrungsaustausch zwischen Schulen fördern."

Die Menüstruktur der Schulporträts ist für alle Schularten einheitlich, zur individuellen Darstellung der Schule wird eine Verbindung zur jeweiligen Schul-Homepage eingerichtet. Die Schulporträts werden schrittweise eingeführt: Im September 2007 werden die statistischen Grunddaten aller Schulen freigeschaltet. Bis Ende Januar 2008 können die Schulen auf freiwilliger Basis ihr Schulporträt mit eigenen Daten ergänzen. Anschließend ist die Eingabe zusätzlicher schulischer Daten für alle Schulen verbindlich. Ausgenommen sind die Schulen, die im Schuljahr 2008/09 in Regional- oder Gemeinschaftsschulen sowie in Regionale Berufsbildungszentren umgewandelt werden. Diese Schulen erstellen ihr Schulporträt ein Jahr nach der Umwandlung.

Zentrale Vergleichsarbeiten (VERA)

Die zentralen Vergleichsarbeiten (VERA) werden auf die Jahrgangsstufen 6 und 8 ausgeweitet. Ab Februar 2008 können Schulen die Testaufgaben im Jahrgang 6 für die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch auf freiwilliger Basis einsetzen und entscheiden, mit welchen Klassen und in welchen Fächern sie teilnehmen möchten. Ab 2009 ist die Teilnahme an VERA 6 verpflichtend.

Nachdem die Schulen an Vergleichsarbeiten im Fach Mathematik für die Jahrgangsstufe 8 im März 2007 auf freiwilliger Basis teilnehmen konnten, wird das erprobte Verfahren im Frühjahr 2008 verpflichtend eingeführt. Eine Erweiterung in den Fächern Deutsch und Englisch ist für das Schuljahr 2008/09 vorgesehen. Zur Vorbereitung auf VERA 6/8 werden regionale Informationsveranstaltungen von der Qualitätsagentur des IQSH angeboten, zusätzlich wird eine Handreichung veröffentlicht.


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