Erwartungen an die Regierungserklärung – gestützt auf aktuelle Studien
Die angekündigte Regierungserklärung "Gute Bildung – starke Familien" einerseits und aktuelle Veröffentlichungen zur schulischen Bildungssituation wie die Dokumentation der Kultusministerkonferenz vom Mai 2007 und der Bildungsmonitor 2007 des Instituts der deutschen Wirtschaft von diesem Monat nimmt die Landeselterninitiative für Bildung zum Anlass, drei Erwartungen an die angekündigte Regierungserklärung auszusprechen:
24.08.2007 Saarland Pressemeldung Landeselterninitiative für Bildung e.V.- Mehr Zuwendung für die Kinder und Jugendlichen an den Schulen und bessere Förderung ihrer Potenziale
- Abbau struktureller Barrieren, die Chancenungerechtigkeit verstärken – Warum nicht Förderung bezahlen statt Sitzenbleiben?
- Ein flächendeckendes Angebot an Schule über den ganzen Tag; bei Nachmittagsbetreuung bessere Hausaufgabenunterstützung und finanzielle Entlastung der Eltern
"Für individuelle Förderung und das Eingehen auf Störungen bzw. auf abweichendes Verhalten sind große Klassen und wenig Zeit der Lehrer die erschwerende Bedingung an Schulen", sagte der Sprecher der Elterninitiative Bernhard Strube. Deshalb brauchten im Saarland Lehrer mehr Zeit und Raum, um anders unterrichten zu können. Natürlich auch eine entsprechende Fortbildung dafür. Der gerade vom Institut der deutschen Wirtschaft vorgelegte Bildungsmonitor 2007 habe, wie andere Studien, wieder diesen Zusammenhang von Unterrichtsstunden, Klassengröße und Schulqualität herausgestellt.[1]
Die aktuelle Dokumentation der Kultusministerkonferenz (KMK) vom Mai dieses Jahres [2] zeige wieder die problematischen Rahmenbedingungen im Saarland auf, so die Eltern. Die durchschnittliche Klassenstärke sei gestiegen, dabei habe die Schließung von Grundschulen im Jahr 2006 und 2007 im Zahlenwerk noch nicht ihren Niederschlag gefunden. Gymnasien: 28,2 Schüler je Klasse - viertschlechtester Platz unter den Bundesländern; Erweiterte Realschulen: 23,3 = zweitschlechtester Platz; Gesamtschulen 28,1 = schlechtester Platz.
In der KMK-Statistik für erteilte Unterrichtstunden je Schüler liegt das Saarland bei den Grundschulen auf Platz 9 unter den Bundesländern, bei den Gesamtschulen auf Platz 11 von 15; bei den Gymnasien auf den zweitletzten und den Erweiterten Realschulen auf dem letzten Platz.
Warum nicht Förderung bezahlen statt Sitzenbleiben, fragen die Eltern und fordern die Regierung auf, die strukturellen Barrieren, die Chancenungerechtigkeit verstärken, abzubauen und zu einem Bildungssystem zu kommen, das Kinder und Jugendliche nicht ständig vor Misserfolge und Sackgassen stellt. Es könnten doch Schulen, die beispielsweise das Sitzenbleiben ausschließen oder Schüler aus schwierigen sozialen Verhältnissen unterrichten, mehr Lehrer erhalten. Die Kosten für die Gesellschaft lägen zwischen 15 000 und 18 000 Euro pro wiederholendem Schüler und Jahr. Wenn dieses Geld mobilisiert und in wirkliches Fördern gesteckt würde, könne damit unglaublich viel erreicht werden.
Schließlich fordert die Landeselterninitiative die Regierung auf, ihre ideologische Barriere zu überwinden und erwartet von der neuen Ministerin den Aufbau eines flächendeckenden Angebots an Schule über den ganzen Tag. Auch hier habe z.B. der Bildungsmonitor 2007 dem Land keine gute Note erteilt. Es falle (Zitat) "durch ungünstigere Bewertungen der Indikatoren für die Ganztagsbetreuung und -bildung im Handlungsfeld Förderinfrastruktur gegenüber den anderen Bundesländern ab."
"Warum hört die Landesregierung nicht endlich auf kompetente Stimmen", fragen sich die Eltern. Der Aktionsrat Bildung (2007) und der Wissenschaftliche Kooperationsbund (2006) - zitiert im Bildungsmonitor 2007 - kämen, wie viele andere zum Ergebnis, dass "insbesondere die gebundenen Ganztagsschulen hohe positive Effekte" aufweisen: "stärkere Schulentwicklungsorientierung, Innovations- und Kooperationsbereitschaft der Lehrerkollegien, bessere Lernkultur und Verzahnung des Unterrichts mit außerunterrichtlichen Angeboten, Verbesserung des Sozialverhaltens, Ausgleichseffekte in Bezug auf Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund (z.B. bereits bei 20 Prozent mehr Lernzeit ergaben sich deutliche Steigerungen im Leseverständnis).
Dort, wo keine echten Ganztagsschulen eingerichtet werden, wollen die Eltern mehr Lehrerstellen für die Unterstützung der Kinder bei den Hausaufgaben in der Nachmittagsbetreuung. Nur drei mal 45 Minuten steht bislang ein Lehrer einer Gruppe in der Woche am Nachmittag zur Verfügung ("drei Lehrerstunden"). Darüber hinaus wollen die Eltern eine finanzielle Entlastung bei den Beiträgen, die sie für die Betreuung am Nachmittag bezahlen müssen und die je nach Träger bis zu 100 Euro monatlich für jedes Kind (ohne Essen) betragen können. "Echte Ganztagsschulen kosten die Eltern nichts, die sogenannte freiwillige Ganztagsschule finanzieren sie dagegen im Wesentlichen selbst", sagte der Sprecher der Landeselterninitiative Bernhard Strube. 5 000 Euro zahle das Bildungsministerium den Trägern der Nachmittagsbetreuung im Schuljahr für jede Gruppe von bis zu 20 Kindern (bei einer Betreuungszeit bis mindestens 16 Uhr; bei einer Zeit bis 14 Uhr 2 500 Euro). Diese Mittel müssten erheblich aufgestockt werden, damit der Elternbeitrag abgesenkt werden könne. Viele Eltern könnten sich den Beitrag, besonders bei mehreren Kindern, nicht leisten.
[1] Auszug aus dem Bildungsmonitor 2007: "Amann, Süssmuth und von Weizsäcker konnten in einer Untersuchung eine hochsignifikante positive Abhängigkeit der Schülerleistungen von der kumulierten Anzahl der Unterrichtsstunden, die die Schüler im Verlauf ihrer Schullaufbahn besucht hatten, zeigen Amann/Süssmuth/von Weizsäcker, 2006, 260). Deswegen werden im Bildungsmonitor die erteilten Unterrichtsstunden pro Klasse oder pro Schüler in Verbindung mit der entsprechenden Klassengröße als ein sich positiv auf die Schulqualität auswirkender Faktor bewertet." [2]KMK-Dokumentation 181 vom Mai 2007- Schüler, Klassen, Lehrer und Absolventen der Schulen 1996 bis 2005;
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