„Falsche Lehrstelle, falscher Studiengang – falsche Vorbereitung?“
Schülersorgen sind ihr Auftrag, die Diskussion ihr Mittel. Am Samstag, dem 16. September, tagte das Plenum des Landesschülerrates (LSR) zum vierten Mal im laufenden Jahr. Dafür, dass keine matte Debatte aufkam, sorgte das Motto des Treffens: „Falsche Lehrstelle, falscher Studiengang – falsche Vorbereitung?“.
19.09.2006 Sachsen-Anhalt Pressemeldung Kultusministerium des Landes Sachsen-AnhaltOrganisatorische Tagesordnungspunkte pflasterten den Weg bis zum angesetzten Diskurs. Vorstand, Arbeitskreise und Projektgruppen berichteten über ihre Arbeit in den zurückliegenden Wochen. So konnte der AK „Vernetzung“ ein erfolgreich abgeschlossenes Schülervertretungs-Seminar präsentieren und der AK „Knotenpunkt“ einen vernünftigen Finanzierungsplan. „Knotenpunkt“ wird ein Wettbewerb, der das poetische Potential von Sachsen-Anhalts Schülern ausreizt. Das Thesenpapier „Demokratisierung“ wurde reformiert. Unter anderem fordert der LSR, die Klassenstärke auf maximal zwanzig Schüler zu begrenzen – damit jeder eine individuelle Förderung und Forderung tatsächlich erhalten kann. Solche Verbesserungsvorschläge kann der LSR in Ministergespräche einbringen, welche regelmäßig zwischen dem Vorstand und Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz stattfinden.
Der Vorstand wurde am Wochenende auch neu gewählt. Der kommissarische Vorsitzende, Marcus Weise, wurde in seiner Position ebenso wie sein Stellvertreter, Thomas Kipka, bestätigt. Gute Arbeit zahlt sich offensichtlich durch Wiederwahl aus.
Konsens des LSR zum Motto
Viele Jugendliche in Sachsen-Anhalt brechen ihre Ausbildung oder ihr Studium ab. Als der LSR auf der Plenartagung nach den Ursachen forschte, fand er die entscheidende Frage: Wie kann die Schule ihre Schützlinge auf ihren weiteren Bildungsweg besser vorbereiten? Die einfache Antwort gibt Marcus Weise: „Die Schüler müssen raus aus dem stillen Kämmerlein.“
Das heißt, dass in Sekundarschulen zum einen mehr Praxis in den Lehrplan einfließen muss. Diese Meinung wird vom Kultusministerium geteilt. Zweitens müssen die Betriebe in den Sekundarschulen präsenter sein, damit mehr Kommunikation mit den potentiellen Azubis möglich wird. Und schließlich muss das Praktikum intensiver genutzt werden. Der LSR fordert mehr Praktika, die qualitativ und nah an der Arbeitswelt sein müssen.
Das Gymnasium wird von vielen Schülern nicht mehr als Zugangsticket für die Universität gesehen, sondern als Vorteil auf dem Lehrstellenmarkt. Jeder dritte Abiturient in Sachsen-Anhalt beginnt eine Ausbildung. „Dies ist jedoch nicht Sinn und Zweck der allgemeinen Fachhochschulreife, die nicht umsonst ihren Namen trägt“, erklärt Marcus Weise. In der gymnasialen Oberstufe ist deshalb ein Uni-Praktikum einzuführen, sodass die Gymnasiasten das Leben in den Hörsälen kennen lernen. Dafür können die Klassen auch den jeweiligen Tag der offenen Tür nutzen. Die Studienberatung in den Schulen muss ausgebaut werden.
An den Gesamtschulen ist der Übergang von der zehnten zur elften Klasse oft zu schwierig, die Lücke zu krass. Dieser Mangel muss durch Lehrerfortbildungen behoben werden. Erst dann ist sichergestellt, dass beide Bildungswege, Ausbildung und Studium, auch mit der Gesamtschule gehbar sind.
In allen Fällen, für Sekundar-, Gesamtschule und Gymnasium, gilt: Fällt die Wahl für eine Lehrstelle oder einen Studiengang auf der Grundlage zahlreicher und realitätsnaher Information und unterfüttert mit praktischer Erfahrung, wird das Abbrechen zur Ausnahme. Das wäre von Vorteil für die ausbildenden Betriebe, die Universitäten und – nicht zuletzt – für die Schüler.
Bastian Brinkmann, Mitglied im Landesschülerrat
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