Spaenle:

Kultusminister Ludwig Spaenle sieht Bildungsland Bayern auf einem guten Weg - Stärken und Herausforderungen

Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle sieht das Bildungsland Bayern auf einem guten Weg. "Das Bildungsland Bayern sichert unseren jungen Menschen im Freistaat einen sehr guten Start in Gesellschaft und Beruf", betonte Ludwig Spaenle im Rückblick auf das Schuljahr.

27.07.2012 Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

Dabei bezog er sich auf die guten beruflichen Perspektiven für die Jugendlichen im Freistaat mit einer sehr niedrigen Arbeitslosenquote in Deutschland und auf aktuelle Bildungsstudien. Im Deutschen Lernatlas hatte die Bertelsmann Stiftung Bayern in Stadt und Land als Top-Bildungsstandort auf Platz 1 gesetzt. Bei nationalen Vergleichsstudien hatten die bayerischen Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen 2009 Platz 1 belegt, bei den Länderauswertungen zu PISA waren sie in fast allen Kompetenzbereichen auf dem 1. Platz.

Konkret bezog sich der Minister heute auch auf die zum wiederholten Male von der SPD-Landtagsfraktion vorgetragenen Gedanken, insbesondere zur Flexibilisierung der gymnasialen Oberstufe. "Dieser Vorschlag gefährdet die Anerkennung des bayerischen Abiturs durch die Kultusministerkonferenz. Dass Martin Güll seit Monaten diese Idee verbreitet, die eine mangelnde Kenntnis der grundsätzlichen Rahmenbedingungen der Bildungspolitik erkennen lässt, spricht für sich", betonte der Minister.

Genauer ging Ludwig Spaenle auch auf die von der SPD angesprochenen Themen ein:

  1. Sicherung kleinerer Grund- und Mittelschulstandorte Das Bildungswesen in Bayern gewährleistet für alle Schüler in ganz Bayern alle Abschlüsse und darauf aufbauend einen Anschluss. "Bayern sichert die gleichmäßige Versorgung der Kinder und Jugendlichen mit Schulangeboten in Stadt und Land", so der Minister. Angesichts der schwierigen demographischen Entwicklung etwa garantiere der Freistaat, selbst kleine eigenständige Grundschulen mit nur 26 Schülern zu erhalten. Auf der Basis des Mittelschulverbundes will der Freistaat auch möglichst viele kleine Mittelschulstandorte so lange wie möglich erhalten - als wohnortnahes Schulangebot.

  2. Weiterentwickeltes Übertrittsverfahren "Die Mehrzahl der Eltern und Lehrkräfte an Grundschulen begrüßt das kind- und begabungsgerechte Übertrittsverfahren, das wir zum Schuljahr 2009/2010 eingeführt haben - das haben die Ergebnisse der Befragung an Grundschulen 2012 gezeigt", stellte Ludwig Spaenle fest. Vor allem die Zustimmung der Eltern zu Maßnahmen zur Senkung des Leistungsdrucks in der Übertrittsphase hat zugenommen. Hier sind unter anderem die Ansage von Proben und die Unterscheidung in Phasen mit und ohne Proben zu nennen. Das neue Übertrittsverfahren war mit Wirkung zum Schuljahr 2009/2010 eingeführt worden. Es umfasst folgende Punkte:

    • die Stärkung der Beratung und Elternverantwortung bei der Übertrittsentscheidung;
    • deutliche Entlastung der Schülerinnen und Schüler und deren Eltern vom vielfach in der Jahrgangsstufe 4 empfundenen Leistungsdruck, ohne den bayerischen Qualitätsstandard zu beeinträchtigen;
    • die verstärkte individuelle Förderung, um die Potenziale jedes Kindes bestmöglich zur Entfaltung zu bringen und damit die Durchlässigkeit zwischen den Schularten zu erhöhen;
    • klare und einfache Übertrittsregelungen;
    • die Schaffung einer kind- und begabungsgerechten Übertrittsphase von der 3. Jahrgangsstufe bis zum Ende der 5. Jahrgangsstufe.

  3. Weiterentwicklung des achtjährigen Gymnasiums Das bayerische Gymnasium in seiner achtjährigen Form hat sich in seiner Grundstruktur bewährt, es steht für Qualität. Es wird beibehalten. In einem Runden Tisch, an dem Vertreter der Schüler, Lehrer und Eltern beteiligt waren, waren Mitte Juli gemeinsam mit Vertretern der Regierungskoalition und Ministerpräsident Horst Seehofer folgende Maßnahmen vereinbart:

    • Weniger Unterrichtsausfall durch mehr Stellen und Mittel
    • Entlastung der Lehrpläne durch eine maßvolle Stoffreduzierung bei Sicherung der Studierfähigkeit
    • Mehr Förderung durch eine Verstärkung der Förderangebote, mehr Zeit für Mathematik und Deutsch in der Mittelstufe
    • Ausbau der gebundenen Ganztagsangebote am Gymnasium
    • ein Angebot zusätzlicher Lernzeit von einem Jahr mit pädagogischem Mehrwert für einzelne Schüler, die Bedarf haben - die Ausgestaltung wird mit den am Gespräch beteiligten Vertretern präzisiert und am 31.07.2012 im Ministerrat behandelt.

  4. Maßnahmen gegen den Unterrichtsausfall an Realschulen und Gymnasien Eine spürbare Verbesserung der Unterrichtsversorgung konnte an den bayerischen Realschulen und Gymnasien im Schuljahr 2011/12 verzeichnet werden. Das war das Ergebnis der erweiterten Erhebung zum Unterrichtsausfall für den Zeitraum vom 9. Januar bis 27. Januar 2012. In die Erhebung einbezogen waren erstmals alle 310 staatlichen Gymnasien und alle 227 staatlichen Realschulen. An den staatlichen Realschulen war in diesem Zeitraum 1,2 Prozent der Unterrichtsstunden (im Schuljahr 2010/2011 noch 1,7 Prozent) ersatzlos entfallen, an den staatlichen Gymnasien 2,9 Prozent (im vorausgegangenen Schuljahr noch 3,9 Prozent). "Ich freue mich, dass wir gemeinsam mit den Schulen den ersatzlos ausgefallenen Unterricht an den Realschulen um ein Drittel und den an Gymnasien um rund ein Viertel senken konnten", kommentierte Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle die Ergebnisse der Erhebung. Es sei ein Kernanliegen des Bayerischen Kultusministeriums, dass möglichst alle Unterrichtsstunden in den Schulen für die jungen Menschen gehalten werden. "Die Sicherung des Unterrichts stellt einen Investitionsschwerpunkt im Haushalt dar. Ziel bleibt für mich eine verlässliche Schule", hob der Minister hervor.

  5. Ausbau der individuellen Förderung "Jedes Kind soll die Lernzeit in Anspruch nehmen, die es benötigt, um den angestrebten Abschluss zu erreichen", betonte der Minister. Er verwies dabei

    • auf die Flexible Grundschule, deren Eingangsstufe Kinder in ein, zwei oder drei Jahren durchlaufen können.
    • auf die Einführungs- und Vorklassen, die Schülerinnen und Schüler mit mittlerem Bildungsabschluss besuchen können, um danach in die Oberstufe des Gymnasiums bzw. bei den Vorklassen auf die Fach- und Berufsoberschule überzuwechseln.
    • auf Überlegungen zusätzlicher Lernzeit von einem Jahr mit pädagogischem Mehrwert für einzelne Schüler der Mittelstufe des Gymnasiums, die Bedarf haben. Im Schuljahr 2012/2013 werden entsprechende Modelle an einzelnen Gymnasien erprobt.

Bayern geht Herausforderungen an

Bei allen Erfolgen hat Bayern vielfältige Herausforderungen zu bewältigen. In Deutschland und in Bayern habe die soziale Herkunft der Schüler noch einen "zu großen" Einfluss auf den individuellen Bildungsweg, sagte Spaenle. "Wir müssen sicherstellen, dass jeder junge Mensch entsprechend seiner Begabung den passenden Bildungsweg absolvieren kann." Deshalb wird in Bayern das Bildungswesen zunehmend durchlässiger gestaltet.

Der Minister interpretierte auch die demographische Entwicklung, die Integration von Zuwandererfamilien und die Schaffung gleicher Bildungschancen für Menschen mit Behinderung als Herausforderungen. Mit einem systematischen Integrationskonzept und umfassenden Sprachförderangeboten unterstütze das Bildungsland Bayern Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund dabei, in Bayern ihre Heimat zu finden. 200 Planstellen investiert der Freistaat ab dem kommenden Schuljahr für pädagogische Arbeit vor allem an Schulen in Großstädten, bei denen besondere Anforderungen zu bewältigen sind. Die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit besonderem Förderbedarf gehe Bayern auf dem Weg der "Inklusion durch Kooperation" von Regelschulen und Förderschulen an. Als faire Partner sammelten Freistaat und Kommunen hier wichtige Erfahrungen in der Umsetzung eines inklusiven Unterrichts in der Praxis. Im Doppelhaushalt 2011/2012 waren für den Einstieg allein 200 zusätzliche Lehrerstellen zur Verfügung gestellt worden.

Ganztagsschulen werden konsequent ausgebaut

Mit mehr individueller Förderung, z. B. dem konsequenten Ausbau der Ganztagsangebote, will der Minister die Teilhabechancen für alle Kinder - unabhängig vom Elternhaus - erhöhen. Bayern setzt deshalb den flächendeckenden und bedarfsgerechten Ausbau von Ganztagsschulangeboten konsequent fort. Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung zu Ganztagsschulen hatte die Fortschritte Bayerns beim Ausbau der Ganztagsangebote gewürdigt. So konnten beispielsweise laut Studie die Angebote an Gymnasien von 18,9 % im Jahr 2002 auf 62,2 % im Jahr 2010 deutlich gesteigert werden. "Unser Ziel beim weiteren konsequenten Ausbau ist es, Schülerinnen und Schüler durch Ganztagsangebote besser individuell zu fördern und die Eltern in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützen", so Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle. Für das kommende Schuljahr hat die Staatsregierung deshalb weitere Mittel bereit gestellt. Bereits positiv entschieden hat der Freistaat für das neue Schuljahr die Anträge zum Aufbau von zusätzlich über 150 gebundenen Ganztagszügen. Darüber hinaus können bei entsprechender Nachfrage 600 offene Ganztagsgruppen und 600 Gruppen der verlängerten Mittagsbetreuung zusätzlich zu den bestehenden Gruppen eingerichtet werden. "Ich möchte den Eltern die Wahlfreiheit belassen, ob ihre Kinder eine Halb- oder Ganztagsschule besuchen", so der Minister.

Kraftvolle Investitionen im Bereich der Bildung in Bayern

Um die hohe Qualität an Schule und Unterricht zu sichern und um die anstehenden Aufgaben anzugehen, investiert Bayern viel Geld, das aber sehr sinnvoll angelegt sei. Der Haushalt für das Kultusministerium war in den vergangenen 10 Jahren um rund ein Viertel auf nun knapp 10 Milliarden Euro angehoben worden. Die Anzahl der Lehrerstellen wurde seit 2008 deutlich vermehrt: Allein zum Schuljahr 2012/2013 stellt der Freistaat 2082 Lehrerstellen zusätzlich zur Verfügung. Und das Verhältnis zwischen Lehrkräften und Schülern sei seit 1946 mit 1:16,4 nie so günstig gewesen wie heute. "Wir haben die Koalitionsvereinbarung gehalten und in jedem Jahr mehr als 1.000 Lehrerstellen für zusätzliche Aufgaben anstellen können", so der Minister.


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