Lehrer auf der Schulbank
In der OECD Lehrerstudie von 2004 zählt Deutschland zu den Ländern mit den geringsten Fortbildungsaktivitäten der Lehrkräfte. Ein weiteres Manko im internationalen Vergleich, dessen negative Folgen sich zeitversetzt bei den Schülern messen lassen. Aber immerhin bescheinigten die Prüfer gleichzeitig, dass die Lehrerweiterbildung ein „sich rasch entwickelnder Bereich in Deutschland“ sei.
09.01.2006 ArtikelTatsächlich haben viele Bundesländer in den vergangenen Jahren die Lehrerfortbildung neu organisiert. So wurden Landesinstitute, Ämter für Lehrerfortbildung und Akademien in den einzelnen Bundesländern neu zugeschnitten, um das Angebot regionaler, flexibler und individueller zu gestalten. Zum Beispiel mit schulinternen Lehrerfortbildungen, kurz SchiLf genannt. Traditionell gehört zur Fortbildung alles, was mit Unterrichtsqualität und neuen Lernformen zu tun hat, aber auch Schulprogramme und immer häufiger die Qualifizierung von Führungskräften an den Schulen.
Lehrer müssen sich immer wieder mit neuen Qualifizierungsfeldern auseinandersetzen. Etwa für den Fremdsprachenunterricht in den Grundschulen oder für neue Fächer wie Gestaltendes Spiel, sie haben sich auf dem Laufenden zu halten in Methoden- und Diagnosekompetenz. Eine der größten Herausforderungen der vergangenen Jahre war zudem die Integration des Computers in den Schulalltag. Dabei leisteten Initiativen wie Schulen ans Netz oder Unternehmen wie Intel tatkräftige Unterstützung.
Verlage bilden weiter
Die traditionellen Weiterbildungsanbieter von privater Seite sind allerdings die Schulbuchverlage. Mehr als 6.000 Veranstaltungen führen sie Jahr für Jahr durch, in erster Linie informieren sie dabei über die neuen Lehrwerke. Also auch über die Umsetzung von Bildungsplänen, über Lehrplaninhalte und Unterrichtsformen. „Die Verlage übernehmen damit Aufgaben, die eigentlich in der Verantwortung der Politik liegen“, so Dr. Annegret Niemann-Stern vom Duden Paetec Schulbuchverlag.
Daneben unterhalten Verlage auch eigene Akademien, die kostenpflichtige Seminare anbieten. „Viele davon sind nahezu maßgeschneidert“, so Rüdiger Feldmann vom Cornelsen Verlag, „weil sie in enger Absprache mit den Schulen entstehen.“
Weiterbildung am Stück
Die größte Weiterbildungsveranstaltung bundesweit ist die didacta. Von Montag bis Freitag werden dort hunderte von Weiterbildungsveranstaltungen für Lehrer angeboten. In Workshops, Podiumsdiskussionen und Sonderschauen können sie sich über aktuelle Entwicklungen informieren, sei es im Bereich der neuen Medien oder welche Chancen die Schulen hochbegabten Kindern bieten können, wie Grundschulkinder Fremdsprachen lernen, welche Förderungen sich bei Legasthenie und Dyskalkulie bewährt haben, oder wie Lehrer mit auffälligen Schülern umgehen sollten.
Im Allgemeinen sind Lehrer zur Teilnahme an Fortbildungsmaßnahmen verpflichtet, in Hessen sind sogar persönliche Weiterbildungs- Portfolios zu führen. Außerdem finden die Maßnahmen – wie bei anderen Berufen auch – in der Regel während der Arbeitszeit statt. In Nordrhein-Westfalen allerdings könnte sich das bald ändern, dort hat die Kultusministerin jetzt angekündigt, die Lehrerfortbildung künftig nur noch außerhalb der Unterrichtszeit zuzulassen – als probates Mittel gegen den Stundenausfall. Die Auswirkungen dieser Maßnahme auf das Weiterbildungsengagement der Lehrer bleiben abzuwarten.
Weiterführende Links
- 'Lehrerfortbildung'
- Lehrerfortbildungsprogramm "Intel® Lehren für die Zukunft"
- Schulen ans Netz
- Cornelsen Akademie
- DUDEN PAETEC Schulbuchverlag
- didacta 2006: Symposion "Schüler fallen auf"
- didacta 2006: Forum Multimedia
- didacta 2006: forum bildung
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