Mehr Gerechtigkeit und Transparenz – aber keine Qualitätsverbesserung
Die von Bildungssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner vorgestellten Veränderungen mögen teilweise mehr Gerechtigkeit und Transparenz erzielen, keinesfalls sind damit jedoch maßgebliche Qualitätsverbesserungen in der Arbeit der Berliner Schulen möglich. Qualität wird weder durch Umverteilung noch durch Rücknahme von Reformen erzeugt.
16.02.2008 Berlin Pressemeldung Landeselternausschuss Berlin (LEA Berlin)Der Landeselternausschuss begrüßt den, auf Basis der Empfehlung der Projektgruppe Lehrkräfteplanung und -zuteilung, beschleunigten und vorgezogenen Planungsprozess. Es bleibt zu hoffen, dass auch weitere Empfehlungen der Projektgruppe umgesetzt werden. Deutlich zu kritisieren ist die Dauer der Entwicklung des neuen Zuweisungssystems. Obwohl die Ergebnisse der Projektgruppe bereits zum Ende des letzten Schuljahres vorlagen, wurde erst jetzt das neue Zuweisungssystem der Öffentlichkeit und den Schulen vorgestellt. Verlierer dieses defizitären Zeitmanagements sind die Grundschulen, die für das kommende Schuljahr überfrequente Klassen aufgrund hoher Schülerzahlen einrichten mussten und nun weniger Lehrerstunden erhalten als kalkuliert.
Der Landeselternausschuss begrüßt die Änderung der Lehrkräftezumessung über die Kombination Klassenteiler und Schüleranzahl. Aus der folgenden Gegenüberstellung wird jedoch klar, dass für den Übergang Lösungen gefunden werden müssen, die eine Benachteiligung der vorhandenen Klassen mit einer Schüleranzahl über 24 verhindern. Es ist zudem zu erwarten, dass bezüglich der Genehmigung von unterfrequenten Klassen es an vielen Grundschulen zu einem erhöhten Konfliktpotential zwischen Schule und Schulaufsicht kommen wird. Dies betrifft vor allem Schulen, die nach der Klassenstufe 4 viele Schüler und Schülerinnen an grundständige Gymnasien verlieren.
Lehrerstunden in Grundschulen mit einem ndH-Anteil < 40% – Vergleich 2007 und 2008
| Schüler | K 3 | K 4 | K 5 | K 6 |
|---|---|---|---|---|
| 20 | 4,4 | 4,9 | 5,4 | 5,6 |
| 21 | 3,3 | 3,7 | 4,1 | 4,2 |
| 22 | 2,2 | 2,5 | 2,7 | 2,8 |
| 23 | 1,1 | 1,2 | 1,4 | 1,4 |
| 24 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 |
| 25 | -0,6 | -0,7 | -0,8 | -0,9 |
| 26 | -1,2 | -1,4 | -1,7 | -1,8 |
| 27 | -1,8 | -2,2 | -2,5 | -2,7 |
| 28 | -2,4 | -2,9 | -3,4 | -3,6 |
| 29 | -3,0 | -3,6 | -4,2 | -4,4 |
| 30 | -3,6 | -4,3 | -5,1 | -5,3 |
Anmerkung: In der Klassenstufe 3 erhält eine Klasse mit 28 Schülern zukünftig 2,4 Lehrerstunden pro Woche weniger als derzeit.
Der Landeselternausschuss erwartet, dass es künftig kaum Klassen mit einer Schülerzahl von mehr als 24 geben wird. Diese positive Entwicklung erleichtert den Lehrkräften binnendifferenziert zu unterrichten.
Der Landeselternausschuss begrüßt die Neuregelung zur Verteilung der Mittel zur Sprachförderung. Sehr befremdlich ist die Berücksichtigung der Lernmittelbefreiten im neuen Sozialindikatorenmodell. Offensichtlich geht der Bildungssenator davon aus, dass eine Sprachförderung nur in finanziell abgesicherten Familien stattfinden kann. Gleiches gilt für die pauschale Unterstellung, dass Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache in ihren Familien keine Sprachförderung erhalten. Hier erwartet der Landeselternausschuss eine Präzisierung, des Weiteren die Einbeziehung des Sprachlerntagebuches der Kindertagesstätten sowie der Ergebnisse der Sprachstandsfeststellung Deutsch Plus.
Der Landeselternausschuss kritisiert sehr deutlich die faktische Rücknahme des jahrgangsübergreifenden Unterrichts in der flexiblen Schulanfangsphase. Der Beschluss einer Schulkonferenz unter Bezugnahme auf Raum- und Materialprobleme – die vom Bezirk zu lösen sind und somit außerhalb des Zuständigkeitsbereichs der Senatsbildungsverwaltung liegen – reicht aus, um die Einführung von JÜL auf Dauer zu unterbinden. Zudem werden die Vereinbarungen mit der Senatsverwaltung zwischen Schule und Schulrat geschlossen. Die negativen Erfahrungen in der Vergangenheit zeigen sehr deutlich, dass viele derartige Vereinbarungen nicht das Papier wert sind, auf denen sie geschrieben stehen. Die Verpflichtung der Lehrkräfte in den Grundschulen zur Teilnahme an einer Fortbildungsmaßnahme zur Arbeit mit heterogenen Lerngruppen hätte zudem viel früher kommen müssen. Der Landeselternausschuss hat erst kürzlich den Bildungssenator aufgefordert die Bedenken der Schulen gegen die Einführung von JÜL ernst zu nehmen und für die notwendige Unterstützung der Schulen zu sorgen. Statt im Zuge einer Qualitätsoffensive gezielt für die Grundschulen neue Lehrer einzustellen und zielführende Gespräche mit den Schulträgern zu führen, hat der Bildungssenator es vorgezogen auf den Kern der Reformen aus 2004 zu verzichten. Ein weiterer Beleg für die faktische Aufhebung der Reform sind die angekündigten Erleichterungen für den Einstieg in die Arbeit in heterogenen Gruppen. Die angekündigten Mittel in Höhe von 120 Vollzeiterziehern reichen nach Berechnungen des Landeselternausschusses nicht aus, um den Bonus von zwei Lehrer-Wochenstunden und die zusätzlichen Erzieherstunden für vier Unterrichtsstunden pro Woche und Lerngruppe zur Doppelsteckung für alle 365 Grundschulen sicherzustellen.
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