Ministerin Erdsiek-Rave im Landtag: "Individuelle Förderung wird zum durchgängigen Unterrichtsprinzip"

Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave hat heute (11. Oktober) im Landtag in Kiel das neue Schulgesetz vorgestellt. Anlässlich der ersten Lesung des Gesetzes zur Weiterentwicklung des Schulwesens in Schleswig-Holstein betonte die Ministerin vor den Abgeordneten die Notwendigkeit zur Erneuerung bestehender Regelungen. Noch immer gebe es zu viele Schulversager vor allem aus bildungsfernen Familien und aus solchen mit Migrationshintergrund. "Hier müssen wir dringend umsteuern hin zum Fördern und Fordern und zu mehr Durchlässigkeit im Schulsystem. Wir stehen in der Pflicht, jedem Einzelnen das Grundrecht auf Bildung zu verschaffen."

12.10.2006 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

KIEL. Auch der demografisch bedingte Rückgang der Schülerzahlen in den kommenden 15 Jahren zwinge zu Veränderungen. "Etliche Grund- und Hauptschulen werden nicht aufrechtzuerhalten sein, weil die Zahl der Schülerinnen und Schüler zu klein ist", sagte Erdsiek-Rave. Vermehrt werde es deshalb zu Kooperationen und Zusammenschlüssen kleiner Schulen kommen. Auch würden sich die häufig kleinen Schulträger in den kommenden Jahren zu Nahbereichs-Schulverbänden zusammenschließen. Der Einzelne und die Gesellschaft könnten unter den Bedingungen der Globalisierung und des Wettbewerbs nur mit einem zukunftsfähigen Schulwesen bestehen, das flächendeckend ein wohnortnahes und pädagogisch hochwertiges Angebot biete und die Bildungschancen aller Kinder und Jugendlichen gewährleiste.

Um diesen Anspruch zu sichern, hob die Ministerin die landesweite Einführung eines zweigliedrigen Schulsystems bis 2010/11 hervor: Regionalschule und Gymnasium plus die "Schule für alle", der Gemeinschaftsschule. Diese neue Schulstruktur würde "das Prinzip der Durchlässigkeit, das längere Offenhalten der Schullaufbahn und das gemeinsame Lernen" konsequent realisieren können. Bei der Umgestaltung werde es "kein Hauruck-Verfahren" geben, versicherte Erdsiek-Rave. Die Schulträger und Schulen hätten genügen Zeit sich auf die neue Struktur einzurichten.

Außerdem werde "die frühe Förderung in Kitas und Grundschulen gestärkt und die Sprachförderung ausgebaut", sagte die Ministerin. "Individuelle Förderung wird das durchgängige Unterrichtsprinzip." Mit Hilfe vielseitiger Instrumente solle auch die Zahl der Rückstufungen und der Sitzenbleiber deutlich reduziert werden. "Wiederholung ist nur das letzte Mittel, wenn Lernpläne, Nachprüfungen oder Versetzungen auf Probe nicht greifen." Darüber hinaus würden sich die beruflichen Schulen in zukunftsorientierte und moderne regionale Berufsbildungszentren (RBZ) umwandeln.

Erdsiek-Rave äußerte sich auch zur Rolle der Lehrerinnen und Lehrer bei den anstehenden Neuerungen: "Sie sind die wichtigsten Partner und ich habe großes Vertrauen in ihr Engagement und in ihre Veränderungsbereitschaft." Die Landesregierung stehe nach wie vor zu ihrer Aussage, in dieser Legislaturperiode 700 zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer neu einzustellen. Für die Vorbereitung der Schulen auf die Zusammenführung von Haupt- und Realschulen zu Regionalschulen werde die Landesregierung zusätzliche Fortbildungsmittel bereitstellen.

Die zweite Lesung des neuen Schulgesetzes ist im Januar kommenden Jahres geplant. Im Februar 2007 soll es in Kraft treten.


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