Gymnasialeltern Bayern

Offener Brief an die Bayerische Staatsregierung und CSU / FDP

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, sehr geehrter Herr Dr. Heubisch, sehr geehrter Herr Dr. Spaenle, sehr geehrter Herr Eisenreich, sehr geehrte Frau Will, sehr geehrte Frau Leutheusser-Schnarrenberger,

10.05.2010 Pressemeldung Gymnasialeltern Bayern e. V.

nachdem sich die bayerische SPD endlich dazu entschieden hat, in der Bildungspolitik die Wünsche der bayerischen Bevölkerung ernst zu nehmen und für eine Gemeinschaftsschule eintritt, möchten wir wissen, weshalb die bayerische Staatsregierung wider jede Vernunft, wider jedes Plädoyer von Erziehungswissenschaftlern und Hirnforschern, und selbst wider die amtierenden Bürgermeister aus den eigenen Reihen ideologisch verbohrt an einem strikt gegliederten Schulsystem festhält. Und das, nachdem eben ein CDU-Ministerpräsident fulminant abgewählt wurde, der sich das gegliederte Schulsystem auf die Fahnen geschrieben hatte!

Das Minimum, was wir Eltern erwarten, ist, dass die Menschen vor Ort selbst über ihre Schule entscheiden dürfen, dass die Gemeinschafts- und Ganztagsschule wie in fast allen anderen Bundesländern als Angebot entwickelt wird, und wir nicht gezwungen werden, uns einem aus unserer Sicht kinder- und familienfeindlichen System zu unterwerfen. Und wir erwarten eine Modernisierung der Lehrerbildung sowie eine angemessene Finanzierung des gesamten Bildungssystems. Nicht Sonntagsreden oder hundert Lehrerstellen – Bildung als systemrelevante Größe!

Die FDP hat nichts, aber auch gar nichts von ihrem bildungspolitischen Programm umgesetzt. Die Verhältnisse in allen Schularten sind katastrophal (zu große Klassen, schlecht ausgebildete Lehrkräfte ohne jede Unterstützung, hohe Wiederholerzahlen, vergammelte Schulgebäude, veraltete Ausstattung,…), und uns Eltern wird noch nicht einmal eine demokratisch legitimierte Elternvertretung zugestanden, die unsere Interessen vertritt.

Eine Handvoll Funktionäre aus schulartspezifischen Eltern- und Lehrerverbänden, die unter anderem ihre eigenen Gehälter sichern wollen, will glauben machen, das gegliederte Schulwesen sei begabungsgerecht.

Dies kann nur aus einem einzigen Grund behauptet werden: weil Grundschule und Übertritt falsch konzipiert sind.

Der Übertritt darf nicht von Noten abhängig sein, damit die Grundschullehrerinnen und –lehrer unterrichten können, statt zu prüfen, zu prüfen und zu prüfen. Wenigstens in der Grundschule muss Zeit und Raum sein, jedes Kind eigenständig nach seinen Möglichkeiten lernen zu lassen und zu fördern, anstatt in dieser einzigen bayerischen Form der Gemeinschaftsschule Kinder mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen wie Soldaten mit einem einheitlichen Lehrplan und einheitlichen Büchern auf einen einheitlichen Übertritt hin marschieren zu lassen. Die Lehrkräfte müssen sich dadurch zwangsläufig am Mittelmaß orientieren, am Durchschnittsschüler, und wer besser oder schlechter lernt, ist überfordert oder langweilt sich.

Natürlich ist es billiger, eine Lehrkraft vor bis zu 34 Kinder zu stellen und Frontalunterricht halten zu lassen als kleine Lerngruppen zu bilden und zusätzliches Fachpersonal zu beschäftigen.

Aber wir reden täglich mit anderen Eltern, mit Lehrkräften, mit Schülerinnen und Schülern, mit Studentinnen und Studenten – wer mit dem Bildungssystem irgendwie zu tun hat, und sei es als Großmutter, hat die Nase voll von diesem unterfinanzierten Aus- und Umsortierungssystem, das unsere Kinder kaputt macht.

Bewegen Sie sich endlich auf die Menschen in Bayern zu, anstatt Konzepte zu schmieden, die niemand haben will, wie Mittelschule oder Turbo-Gymnasium!

Finanzieren Sie Bildung statt Banken!

Mit freundlichen Grüßen
Ulrike Köllner
Vorsitzende


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