PISA 2009 bescheinigt deutschem Bildungssystem deutliche Leistungssteigerungen in allen Testbereichen
"Die Ergebnisse von PISA 2009 zeigen klar, dass sich die Bildungsreformen der vergangenen Jahre auszahlen. Wir haben den Warnschuss von PISA 2000 ernst genommen und die Qualität des Bildungssystems seitdem kontinuierlich verbessert", erklärte Kultusministerin Marion Schick am Dienstag (7. Dezember 2010) in Stuttgart anlässlich der Vorstellung der Ergebnisse von PISA 2009.
07.12.2010 Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg"Jetzt gilt es, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen und die wichtigsten Stellschrauben – nämlich die Qualität von Unterricht und Schulen – in den Ländern konsequent weiterzuentwickeln." Erfreulich sei insbesondere, dass es gelungen sei, die Chancengleichheit zu erhöhen und Deutschland hier inzwischen Werte nahe am OECD-Durchschnitt erreiche.
In diesem Zusammenhang stellte die Ministerin zudem eine neue Expertise vor, die klar belegt, dass der Zusammenhang zwischen Herkunft und Bildungserfolg auf dem Weg zum Abitur in Baden-Württemberg weit weniger stark ausgeprägt ist als bisher angenommen. "Bei uns machen mehr Arbeiterkinder als in vielen anderen Ländern Abitur. Vor allem mit den beruflichen Gymnasien gelingt es uns, Bildungsgerechtigkeit und Bildungsbeteiligung deutlich zu stärken", hob Schick hervor. Doch gerade mit Blick auf den überdurchschnittlichen Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund in Baden-Württemberg sehe sie es auch weiterhin als wichtigste Zukunftsaufgabe, die Potenziale der Kinder und Jugendlichen mit ausländischen Wurzeln noch besser zu fördern. Darüber hinaus kündigte die Kultusministerin an, den Fokus noch stärker auf den Bereich der Lesekompetenz zu richten und zeitnah in Abstimmung mit dem Expertenrat konkrete Fördermaßnahmen auf den Weg zu bringen: "Beginnend in der frühkindlichen Bildung und über alle Schularten hinweg müssen wir die Leseförderung verstärken", sagte Schick.
Deutschland hat sich seit PISA 2000 durchgängig positiv entwickelt
Zentrales Ergebnis von PISA 2009 ist, dass sich Deutschland als einer der wenigen OECD-Staaten seit PISA 2000 durchgängig positiv entwickelt hat. Für den Bereich der Lesekompetenz zeigt sich eine signifikante Verbesserung zu den Ergebnissen aus dem Jahr 2000, damals lag Deutschland unter dem OECD-Mittel mit 484 Punkten, heute liegen die Leseleistungen mit 497 im OECD-Durchschnitt. Große Fortschritte seit 2000 haben die deutschen Jugendlichen auch im Bereich der mathematischen und der naturwissenschaftlichen Kompetenzen erzielt. Mit 513 Punkten gehört Deutschland in der Mathematik erstmals zu der Gruppe jener Staaten, die signifikant über dem OECD-Durchschnitt von 496 Punkten liegen und klettterte damit von Rang 16 auf Rang 10. Auch im Bereich Naturwissenschaften liegt Deutschland mit durchschnittlichen 520 Punkten deutlich oberhalb des OECD-Durchschnitts (501 Punkte).
Die nationalen PISA-Ergebnisse hätten jedoch für Baden-Württemberg allenfalls beschränkte Aussagekraft, erläuterte Schick. Nach dem hervorragenden Abschneiden beim KMK-Ländervergleich im Juni sei davon auszugehen, dass die Leistungen der baden-württembergischen Schülerinnen und Schüler bei PISA 2009 deutlich über dem bei PISA 2009 ermittelten Bundesschnitt lägen. Beim KMK-Ländervergleich in Juni 2010 erreichte der Südwesten in allen getesteten Fächern Spitzenplätze und lag in allen Testbereichen signifikant über dem Bundesdurchschnitt. "Die Studie hat auch gezeigt, dass unsere Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund bundesweit die besten Ergebnisse erzielen", hob Schick hervor.
Baden-Württemberg hat eines der modernsten und offensten Bildungssysteme
Zudem verwies Schick mit Blick auf die Diskussion über die mangelnde soziale Gerechtigkeit des deutschen Bildungswesens auf die Ergebnisse einer neuen Expertise, die die Professoren Dr. Ulrich Trautwein (Universität Tübingen) und Dr. Kai Maaz (Universität Potsdam) zum Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Gymnasialbesuch in Baden-Württemberg erarbeitet haben. "Baden-Württemberg hat demnach eines der modernsten und offensten Bildungssysteme in Deutschland, was den Zugang zum Abitur anbelangt", so Schick. Fast jeder zweite Schüler aus Baden-Württemberg sei berechtigt, das Studium an einer Universität oder Fachhochschule aufzunehmen. Beim Anteil der Abiturienten mit allgemeiner Hochschulreife nehme Baden-Württemberg unter den Flächenländern sogar den Spitzenplatz (35,4 Prozent) ein.
Anlass für diese Studie war der jüngste KMK-Ländervergleich vom Juni 2010, der einen vergleichsweise engen Zusammenhang zwischen Herkunft und Gymnasialbesuch in Baden-Württemberg in der Sekundarstufe ermittelte. Der KMK-Ländervergleich konzentrierte sich dabei jedoch allein auf die Bildungsbeteiligung in Sekundarstufe I und berücksichtigte in keiner Weise das berufliche Bildungssystem, betonte Schick. "Dabei eröffnen gerade unsere beruflichen Gymnasien Jugendlichen unterschiedlichster sozialer Herkunft den Weg zur Hochschulreife. Sie tragen wesentlich dazu bei, soziale Disparitäten bei der Bildungsbeteiligung deutlich zu reduzieren", betonte die Kultusministerin. Inzwischen komme etwa jeder dritte Abiturient eines Jahrgangs aus dem beruflichen Gymnasium. Der Abbau institutioneller Barrieren beim Hochschulgang zeige sich auch darin, dass fast fünf Prozent aller Abiturienten der allgemein bildenden und beruflichen Gymnasien die Hauptschule besuchten, betrachte man nur die Oberstufe der beruflichen Gymnasien hätten sogar elf Prozent der Schülerinnen und Schüler einen Teil ihrer Schulzeit auf der Hauptschule verbracht. "Diese Zahlen belegen eindeutig, dass sich der Zusammenhang zwischen Herkunft und Bildungsbeteiligung am Gymnasium in Baden-Württemberg in der Sekundarstufe II abschwächt. In Baden-Württemberg führen viele Wege zur Hochschulreife, die nicht zwangsläufig direkt nach der Grundschule am allgemein bildenden Gymnasium beginnen müssen", verdeutlichte Schick.
Studie belegt Leistungsfähigkeit des Bildungssystems im Südwesten
Die aktuelle Trautwein-Maaz-Studie schließt nach Schicks Worten eine Informationslücke und liefert zentrale Ergebnisse, die die Leistungsfähigkeit und die Anschlussfähigkeit des baden-württembergischen Bildungssystems klar belegten.
Trotz dieser positiven Befunde werde Baden-Württemberg als Flächenland mit dem höchsten Bevölkerungsanteil von Menschen mit Migrationshintergrund weitere Anstrengungen unternehmen, um die Bildungschancen für alle noch besser zu gewährleisten. "Dazu werden wir die besondere individuelle Förderung von Kindern aus bildungsfernen Familien und mit Migrationshintergrund noch stärker in den Blick nehmen", sagte die Ministerin und verwies in diesem Zusammenhang auf den von ihr eingerichteten Expertenrat, der in den nächsten Wochen seine Empfehlungen vorstellen werde. "Wir wollen und wir werden hier gegensteuern und unsere Schulen im Land noch stärker darin unterstützen, dass sie unseren Schülerinnen und Schülern möglichst breite und differenzierte Unterrichts- und Hilfsangebote machen können."
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