Studie: "Grundzüge der Schulreform in Nordrhein-Westfalen"
Die Studie "Grundzüge der Schulreform in Nordrhein-Westfalen" wurde im Auftrag des Realschullehrerverbandes Nordrhein-Westfalen erarbeitet. In ihr stellt Prof. Peter J. Brenner Überlegungen zur Weiterentwicklung der Schullandschaft in Nordrhein-Westfalen an.
12.06.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Realschullehrerverband NRWDer politische Meinungsdruck zu einer gravierenden Umstrukturierung auch des nordrhein-westfälischen Schulsystems nimmt zu. Es ist zu befürchten, dass es in Nordrhein-Westfalen, wie jüngst in Brandenburg und Schleswig-Holstein, zu bildungspolitischen Panikreaktionen kommt, deren Gewinn ungewiss und deren Opfer immer die Realschule ist. Damit wird eine Schulform aus der Bildungslandschaft ausradiert, deren Akzeptanz bei Schülern und Eltern ungebrochen ist und deren Absolventen in Wirtschaft und Verwaltung hohes Ansehen genießen. Die Realschule war und ist für große Schülerzahlen aus allen sozialen Schichten das Sprungbrett für erfolgreiche Berufslaufbahnen und weiterführende Bildungskarrieren. Jedes Jahr verlassen über 50 000 Schülerinnen und Schüler die 555 Realschulen des Landes mit dem Mittleren Schulabschluss. Auf dieses Potenzial kann die Wirtschaft und kann die Gesellschaft in Nordrhein-Westfalen nicht verzichten.
In seiner Studie analysiert Prof. Brenner die Gründe und Hintergründe der aktuellen schulpolitischen Entscheidungen in der Bundesrepublik. Er zeigt
- dass die "demographische Entwicklung" mit ihren leicht sinkenden Schülerzahlen in NRW bis 2040 keine Katastrophe ist, sondern die Chance bietet, endlich zu vernünftigen Klassengrößen zu kommen;
- dass die Pisa-Studien keine Argumente für die Umstrukturierung des deutschen Schulsystems liefern;
- dass die Hauptschule nicht "tot" ist, sondern dass nur ihr Erhalt und ihr Ausbau den Schülerinnen und Schülern aus Risikogruppen und unterprivilegierten Schichten durch gezielte Förderung die Möglichkeit gibt, wieder Anschluss an das Bildungssystem zu finden;
- dass sich hinter der berechtigten Forderung nach "Bildungsgerechtigkeit" oft handfeste ökonomische und politische Interessen und Sparabsichten verbergen;
- dass die Realschule ein breites berufsorientiertes Unterrichtsangebot für leistungswillige Schülerinnen und Schülern aus allen sozialen Schichten bietet.
Zugleich nutzt die Studie die Gelegenheit, der schulpolitischen Diskussion ihre Tiefendimension zurückzugewinnen. Denn die Qualität einer Schulart entscheidet sich nicht am formalen Abschluss, den sie anbietet, sondern an den curricularen Inhalten und didaktischen Konzepten, die in ihr realisiert werden können. Auch diesen Fragen widmet die Studie breiten Raum.
Noch besteht in Nordrhein-Westfalen die Chance zu einer Entwicklung, die den Ansprüchen an ein modernes Schulsystem entspricht: Ein modernes Schulsystem muss leistungsfähig sein, es muss gerecht sein und es muss pluralistisch sei. Gemeinsam mit dem RLV schlägt Prof. Brenner ein Schulsystem vor, das im Wesentlichen aus drei gleichberechtigt nebeneinander stehenden Säulen besteht und die Berufskollegs mit einbindet.
In jedem dieser schulischen Bildungsgänge besteht die Möglichkeit zu einem mittleren Bildungsabschluss, und jeder kann bei entsprechender Neigung und Begabung der Schülerinnen und Schüler auch zum Hochschulzugang führen.
Die drei Säulen unterscheiden sich durch ihre curriculare und didaktische Profilierung:
- das Gymnasium entwickelt sein wissenschaftsorientiertes Profil weiter;
- die Realschule schärft ihr berufsorientiertes Profil;
- und die Aufbauschule – in ihr werden die bisherige Gesamtschule und die Hauptschule zusammengefasst – bietet ein pädagogisch-erzieherisches Profil an, um durch besondere schulische Strukturen und Fördermöglichkeiten auch Risikoschülern und Schülern aus unterprivilegierten Schichten erfolgreiche Schullaufbahnen zu eröffnen.
- Auf in die Vergangenheit!
- Schulzeitverlängerung und Hochschulzugang für alle sind bildungspolitische Irrwege!
- Warnung vor unproduktiver Schulstrukturdebatte des Realschullehrerverbandes
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