Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!

Mit 16 unterschiedlichen Schulsystemen, 16 Lehrerausbildungen, 16 Lehrplänen und 16 Versetzungsordnungen – verteilt noch einmal auf mindestens drei Schulformen, finden wir in der deutschen Schullandschaft ein System vor, das einer radikalen Reform bedarf, wenn man nur eine annähernde Chancengleichheit für Schüler schaffen will. Schüler mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen werden nach den Erfahrungen des BVL - Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. - in diesem System nahezu gar nicht aufgefangen.

01.05.2006 Pressemeldung

Fast alle Bundesländer haben die Frühförderung der Kinder, die Reform des Unterrichts und der Lehrerbildung in Angriff genommen. Die KMK hat zusätzlich ein Institut für die Qualitätsentwicklung im Bildungswesen gegründet, in dem vor allem nationale Bildungsstandards entwickelt werden sollen, die den Lehrern in ganz Deutschland helfen, einen Maßstab für guten Unterricht zu finden. Die Realität an deutschen Schulen ist jedoch noch weit entfernt von dem, was Schüler mit Teilleistungsstörungen wirklich brauchen. Die Bundesvorsitzende des BVL, Christine Sczygiel, fordert: "Würden Kinder mit einer Legasthenie – Lese-/Rechtschreibschwäche oder einer Dyskalkulie – Rechenschwäche, frühzeitig in unseren Schulen erkannt und gefördert, dann könnte diesen Kindern eine Odyssee durch unser Bildungssystem erspart werden.

Statt einer gezielten Förderung werden Legastheniker und Dyskalkuliker aus unserem Bildungssystem aussortiert und auf eine Schulform verwiesen, die nicht ihrer allgemeinen Begabung entspricht. Dabei ist aus wissenschaftlichen Studien hinreichend bekannt, wie entscheidend Frühförderung für die schulische Entwicklung von Kindern mit Lernproblemen ist. In unserem föderalistischen Bildungssystem ist es leider bis heute noch Fakt, dass es in einem Bundesland die Legasthenie gar nicht gibt oder nur bis zur 4. Klasse Beachtung findet und in einem anderen Bundesland über die gesamte Ausbildungszeit Nachteilsausgleiche gewährt werden. Die Dyskalkulie wird fast überhaupt nicht beachtet!"

Selbst der UN-Bildungsexperte Muñoz bewertete nach Abschluss seiner 10tägigen Inspektionsreise durch deutsche Kindergärten und Schulen die wachsenden Kompetenzen der Bundesländer im Bildungsbereich kritisch. Dadurch verliere der Bund die Möglichkeit, eine Einheit zu gewährleisten. Die bestehenden Unterschiede zwischen einzelnen Bundesländern seien zu groß, die jährlichen Ausgaben pro Schüler reichten von 3800 bis 6300 Euro. "Ich habe das Gefühl, dass sich das deutsche Bildungssystem nicht darauf konzentriert, alle einzubeziehen, sondern dass es eher Trennungen schafft", sagte der UNExperte.

"Solange knapp jeder vierte Schulabgänger auf dem Arbeitsmarkt als schwer vermittelbar gilt, weil er das Lesen und Rechnen nicht ausreichend beherrscht, hat unsere Bildungspolitik seine Hausaufgaben nicht gemacht!", kritisiert Christine Sczygiel.

Freies Bildmaterial unter www.bvl-legasthenie.de , Rubrik PRESSE


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