Zahl der Ganztagesschulen steigt auf mehr als 500

Im kommenden Schuljahr werden in Baden-Württemberg 504 Schulen in Ganztagesform arbeiten (364 in öffentlicher und 140 in privater Trägerschaft). Damit ist die Zahl der Ganztagesschulen erneut deutlich gestiegen. Das gab Kultusministerin Dr. Annette Schavan am Mittwoch (8. September) in Stuttgart bekannt. "Wir bauen die Ganztagesschulen kontinuierlich und bedarfsgerecht weiter aus. Schon heute stehen mehr als zehn Prozent aller Ganztagesschulen Deutschlands in Baden-Württemberg", erklärte Schavan. Zahlreiche weitere Schulen werden im neuen Schuljahr zusätzliche Lernangebote am Nachmittag machen. 50.000 Schülerinnen und Schüler nehmen an der Betreuung innerhalb der Verlässlichen Grundschule teil.

08.09.2004 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Für die Schulen in Baden-Württemberg beginnt zum Schuljahresbeginn am 13. September mit der Einführung neuer Bildungspläne eine umfassende Veränderung der Lernkultur: "Das Konzept unserer neuen Bildungspläne entspricht internationalen Maßstäben", hob die Kultusministerin hervor: "Für die Schulen im Land bedeuten die neuen Bildungspläne mehr pädagogische Freiheit, mehr Selbstständigkeit und größere Verantwortung." Zentrale Elemente der Bildungspläne sind klar definierte Bildungsstandards, Kerncurricula und auf die einzelnen Schulen abgestimmte Schulcurricula, Kontingentstundentafeln und neue Fächerverbünde.

Die neuen Bildungspläne sind über Jahre hinweg sorgfältig vorbereitet und in einzelnen Elementen in mehr als 600 Erprobungsschulen mit guten Ergebnissen praktisch getestet worden. Sie treten schrittweise in Kraft und werden zum neuen Schuljahr verbindlich eingeführt für die Klassen 1 und 2 der Grundschule, Klassen 5 und 6 der Hauptschulen und Werkrealschulen, Klassen 5, 6 und 7 der Realschulen und Klasse 5 der Gymnasien. Vor rund einem Jahr wurden den Schulen die neuen Bildungspläne zur Verfügung gestellt, damit sie ausreichend Zeit zur Vorbereitung haben. Die neuen Bildungspläne sind in drei Ebenen angelegt. Die erste Ebene stellen Bildungsstandards als verpflichtende Vorgaben dar. Auf der zweiten Ebene formulieren Niveaukonkretisierungen Durchdringungstiefe und Anforderungsmaßstäbe. Auf der dritten Ebene werden gelungene Umsetzungsbeispiele und Handreichungen geboten.

Neues nach Schularten:

Grundschulen:

Rund 220.000 Grundschulkinder, davon rund 113.000 Erstklässler, werden nach dem neuen Bildungsplan unterrichtet. Im neuen Fächerverbund "Mensch, Natur und Kultur" werden die Kinder als Entdecker, Erfinder, Künstler, Forscher und kleine Philosophen ernst genommen. Technik und Naturwissenschaften sind neben der Entfaltung von Kreativität Schwerpunkte des neuen Fächerverbundes. Durch alle Fächer zieht sich die Stärkung sprachlicher Kompetenzen. Im neuen Schuljahr wird es rund 400 Grundschulen mit sport- und bewegungsfreundlichem Profil geben. "Bis zum Jahr 2006 soll dieses Profil auf alle Grundschulen im Land ausgeweitet werden", gab Schavan bekannt.

Hauptschulen:

Rund 77.000 Hauptschülerinnen und Hauptschüler werden in den Klassenstufen 5 und 6 im neuen Schuljahr nach den neuen Bildungsplänen unterrichtet. Ein besonderer Akzent wurde auf die Vertiefung grundlegender Kulturtechniken gelegt. So wurde ein Lesecurriculum entwickelt, mit dem Lesestrategien und -techniken so vermittelt werden, dass sie von den Schülerinnen und Schülern zunehmend selbstständig auf neue Texte angewendet werden können. In Mathematik wird besonderer Wert darauf gelegt, Formen und Phänomene beispielsweise aus Natur, Kunst oder Technik Mathematik auch im Alltag spannend erlebbar und nachvollziehbar zu machen. Die Bildungspläne eröffnen neue Chancen, durch Grundlagenstärkung in elementaren Techniken sowie in themenorientierten Projekten Kompetenzen zu vermitteln, die für eine erfolgreiche Lebens- und Berufsgestaltung notwendig sind. Neue Fächerverbünde sind "Welt - Zeit - Geschichte", "Materie - Natur - Technik", "Wirtschaft - Arbeit - Gesundheit" und "Musik - Sport - Gestalten".

Realschulen:

An den Realschulen des Landes beginnt die Arbeit mit den neuen Bildungsplänen zunächst für rund 115.000 Schülerinnen und Schüler. Neu und mit einem besonderen Schwerpunkt versehen sind in den Realschulen die Fächerverbünde "Naturwissenschaftliches Arbeiten" (NWA) sowie "Erdkunde - Wirtschaftskunde - Gemeinschaftskunde" (EWG), die neben den themenorientierten Projekten "Wirtschaften - Verwalten - Recht" (WVR), "Berufsorientierung an der Realschule" (BORS), "Technisches Arbeiten (TA) und "Soziales Engagement" (SE) die in den neuen Bildungsplänen eingeforderten Kompetenzen in vernetzt praktiziertem Unterricht vermitteln. Insgesamt haben 129 Realschulen Kernelemente der Bildungsplanreform erfolgreich erprobt.

Gymnasien:

Die rund 37.000 Schülerinnen und Schüler, die im neuen Schuljahr die Klassen 5 des Gymnasiums besuchen, werden nach acht Jahr das Abitur machen. Beim neuen G 8 geht es nicht nur um eine Verkürzung der Schulzeit im Sinn eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Lebenszeit junger Menschen. Ein zentraler Punkt der neuen G 8 ist die Konzentration des Bildungskanons auf Grundlagen: "Qualität definiert sich nicht über Quantität. Der Abbau von zu viel Spezialisierung und die Stärkung der Allgemeinbildung war ein elementares Ziel dieser Reform", so Annette Schavan.

Mit dem neuen Profilfach "Naturwissenschaft und Technik" (NWT) sowie dem Fächerverbund "Geographie - Wirtschaft - Gemeinschaftskunde" entspricht das Gymnasium sowohl Erkenntnissen empirischer Schulforschung als auch veränderten Anforderungen der Berufs- und Arbeitswelt.

Lehrereinstellungsverfahren weiter flexibilisiert / Gute bis sehr gute Einstellungsmöglichkeiten auch in den kommenden zwei Jahren erwartet

Die Kultusministerin verwies auf die hohe Zahl von Lehrereinstellungen in diesem Jahr, die mit rund 5.000 die Zahl des Vorjahres um etwa 900 Einstellungen übertrifft. "Wir erwarten in den kommenden zwei Jahren ähnliche Größenordnungen, die gute bis sehr gute Einstellungsmöglichkeiten bieten werden", so Schavan. Alle frei werdenden Stellen wurden in diesem Jahr besetzt. Dazu kamen 748 zusätzliche Stellen. Annette Schavan bekräftigte das Ziel der Landesregierung bis Ende der laufenden Legislaturperiode 5.500 neue zusätzliche Lehrerstellen zu schaffen: "Bereits heute haben wir 3.668 Neustellen geschaffen."

Mehr als 1.000 Lehrerstellen wurden in diesem Jahr von den Schulen selbst ausgeschrieben und besetzt. Dies ist eine deutliche Stärkung der Eigenständigkeit der Schulen. Das Kultusministerium will dieses Verfahren weiter ausdehnen. Erstmals konnten Schulen auch im Nachrückverfahren Stellen direkt ausschreiben, wenn diese zunächst nicht besetzt worden waren. Auf diese Weise konnten vor allem Lehrer gewonnen werden, die sich ursprünglich räumlich eng festgelegt hatten.
Auch im Bereich des Personalmanagements per Internet wurden in diesem Jahr neue Grundlagen geschaffen: Derzeit werden sowohl für die Stellenausschreibungen als auch für die Bewerbungen entsprechende Online-Plattformen erstellt, die die Verfahren vereinfachen und den Aufwand verringern sollen.

Unterrichtsversorgung: Stundentafel und zusätzliche Lernangebote sind gesichert

Mit der Wiederbesetzung der frei gewordenen Stellen und den zusätzlichen Neustellen wird sich die Unterrichtsversorgung bei leicht gestiegener Schülerzahl stabil in etwa auf dem Niveau des Vorjahres bewegen. Auch an den Gymnasien wird die Unterrichtsversorgung ähnlich dem Schuljahr 2002/2003 sein, der Bedarf des achtjährigen Gymnasiums ist gedeckt. Somit ergibt sich in allen allgemein bildenden Schularten über den Pflichtbereich hinaus noch zusätzliche Angebote für besondere Gruppen (Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, Lese- und Rechtschreibschwäche etc.) sowie für Arbeitsgemeinschaften. An den Beruflichen Schulen soll, abhängig von der Entwicklung in den Vollzeitschulen, ebenso der Versorgungsgrad des Vorjahres erreicht werden. Genaue Zahlen lassen sich dort derzeit noch nicht nennen, weil noch nicht alle Daten verfügbar sind.

Anhang:

(Fact-sheeds im -.pdf-Format:)
Entwicklung der Schülerzahlen an öffentlichen Schulen
Klassen nach Klassengrößen
Klassenfrequenzen
Übersicht zur Lehrereinstellung im Jahr 2004


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