Neue Maßnahmen

Hamburg: Rechtschreibung soll besser werden

Hamburgs Schülerinnen und Schüler haben sich in den letzten vier Jahren im Bereich der Rechtschreibung verbessert. Doch in keinem anderen Kompetenzbereich ist der Rückstand gegenüber dem Bundesdurchschnitt so groß wie in Orthografie.

27.06.2018 Hamburg Pressemeldung Hamburger Senat
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So bilanziert der bundesweite IQB-Bildungstrend 2016, dass in Hamburg über 27 Prozent der Viertklässler nicht den Mindeststandard in Orthografie erreichen. Schulsenator Ties Rabe bringt daher neue Maßnahmen auf den Weg, um die Rechtschreibung zu verbessern: "Wir müssen und wir wollen in diesem Bereich mehr tun und besser werden: Rechtschreibung ist eine Schlüsselkompetenz. Wer die Rechtschreibung nicht beherrscht, hat es viel schwerer, sicher zu lesen, Texte richtig zu verstehen und gut zu schreiben. Ich appelliere auch an Hamburgs Lehrkräfte, diesen Bereich mit großem Ernst und Nachdruck zu unterrichten.“

Seit 2014 wird in Hamburg bereits ein erstes Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Rechtschreibung umgesetzt:

  • Alle Schülerinnen und Schüler lernen einen Basiswortschatz mit 785 Modellwörtern.
  • Jährlich wird die Rechtschreibleistung aller Schülerinnen und Schüler mit der Hamburger Schreibprobe (HSP) geprüft.
  • Die Handreichung "Hinweise und Beispiele für den Rechtschreibunterricht" (2014) gibt den Lehrkräften Tipps für den Unterricht.
  • Die Deutsch-Fachleitungen jeder Schule werden in Konferenzen professionalisiert.
  • Der Rechtschreibunterricht wird auf den Landesfachkonferenzen Deutsch aller Schulformen reflektiert.

Ties Rabe: "Die Maßnahmen haben zu Verbesserungen geführt. Beim Vergleich der Schülerleistungen in Klasse 9 verbesserte sich Hamburg im Vergleich der 16 Bundesländer von Platz 15 auf Platz 14. Doch in den Bereichen „richtig Zuhören“ (von Platz 13 auf Platz 9) und „Lesen“ (von Platz 14 auf Platz 9) sind wir deutlich besser vorangekommen. Daher sind weitere Maßnahmen erforderlich, die zügig die vorhandenen Unterrichtsroutinen verändern. Die Schulbehörde hat bei der Erarbeitung zusätzlicher Maßnahmen eng mit Fachlehrkräften zusammengearbeitet und sich zugleich an den Maßnahmen und Regelungen anderer Bundesländer mit besseren Rechtschreibergebnissen orientiert." 

Folgende neue Maßnahmen treten zum Schuljahr 2018/19 in Kraft:

Musterlehrplan regelt sehr genau den künftigen Rechtschreibunterricht

Zum Schuljahr 2018/19 wurden ein Musterlehrplan und ein detaillierter didaktischer Plan (Stoffverteilungsplan) für den Rechtschreibunterricht in der Grundschule entwickelt. Darin wird erstmals sehr genau beschrieben, welche Rechtschreibphänomene in welchen Klassenstufen und Zeitabschnitten in der Grundschule unterrichtet werden müssen. Für Rechtschreib-Aufgaben werden den Lehrkräften von der Schulbehörde jahrgangsbezogene Beispiele und Anregungen zur Verfügung gestellt.

Festlegung für den Mindestumfang des Rechtschreibunterrichts

Die Schulbehörde legt in einer Empfehlung an alle Grundschulen dar, dass mindestens ein Sechstel aller Deutschstunden für reinen Rechtschreibunterricht eingesetzt werden sollen. Mindestens ein weiteres Sechstel aller Deutschstunden ist für das Schreiben von Texten einzusetzen. Diese Regelung orientiert sich an Beispielen aus anderen Bundesländern mit guten Rechtschreibleistungen wie zum Beispiel Sachsen.

Variable und computergestützte Rechtschreibdiagnose

Zum Schuljahr 2018/19 wird die bisher zur Diagnose eingesetzte „Hamburger Schreibprobe“ durch die verbesserte Version „Schnabel“ ersetzt. Beide Überprüfungen sind „Diagnoseinstrumente“, sie werden also nicht benotet, sondern dienen zur Ermittlung individueller Rechtschreibprobleme. Während allerdings die bisherige Schreibprobe immer dieselben Wörter verwendete und von den Schülern nach kurzer Zeit auswendig gelernt wurde, bietet „Schnabel“ eine große Vielfalt und Varianz von Aufgaben. Zudem übernimmt künftig ein Computerprogramm die Auswertung der jährlich rund 60.000 Tests. Zum kostenlosen Download des Tests und weiterer Unterstützungsmaterialien wird eine eigene „SCHNABEL-Website“ entwickelt. 

„6 statt 4“: Zwei zusätzliche Rechtschreibung-Klassenarbeiten in Deutsch pro Jahr

Künftig sollen alle Schülerinnen und Schüler der Klassen 3 bis 8 pro Jahr sechs statt der bisherigen vier Deutsch-Klassenarbeiten schreiben. Die beiden zusätzlichen Klassenarbeiten sollen sich ausschließlich mit dem Thema Rechtschreibung befassen. Eine erste Rechtschreib-Klassenarbeit soll bereits in der zweiten Jahreshälfte von Klasse 2 geschrieben werden. Diese neuen Regelungen sollen dabei helfen, dass der Rechtschreibunterricht künftig einen deutlich höheren Stellenwert im Deutschunterricht erhält. Die Zahl der Klassenarbeiten in Deutsch war 2007 in Hamburg auf vier pro Schuljahr reduziert worden, sie lag vorher bei acht, bis 2003 sogar bei zwölf Klassenarbeiten.

Korrektur von Rechtschreibfehlern

Ab Klasse drei müssen die Schülerinnen und Schüler die Rechtschreibfehler in allen Deutsch-Klassenarbeiten korrigieren. Diese „Korrekturpflicht“ soll dazu beitragen, die Rechtschreibung immer wieder zu üben. Schülerinnen und Schüler, die sehr viele Fehler machen, sollen von der Lehrkraft besondere Schreibübungen übertragen bekommen, damit sie die Rechtschreibung besser lernen.

In allen anderen Fächern erteilt die Lehrkraft einzelnen Schülerinnen und Schülern bei gehäuften Fehlern Aufgaben zur Arbeit an individuellen Fehlerschwerpunkten oder den Auftrag zur Korrektur. Über die erforderlichen Berichtigungen entscheidet die Fachlehrkraft.

Schulungen der Lehrkräfte – künftig auch über „Webinare“

Die neuen Maßnahmen sollen im nächsten Schuljahr auf Fachkonferenzen und Schulungen dargestellt und erläutert werden. Zusätzlich will die Schulbehörde in Zusammenarbeit mit dem Bundesland Schleswig-Holstein so genannte „Webinare“ als Schulungsangebote zum Thema Rechtschreibung entwickeln. „Webinare“ sind interaktive Fortbildungen am Computer, in die sich Lehrkräfte an jedem Ort der Welt über den Computer einloggen können und gemeinsam mit anderen Teilnehmern und einer Fortbildungsleitung wie in einem normalen Fortbildungsseminar kommunizieren und lernen können.

Ansprechpartner

Hamburger Senat

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