Unterrichtsgestaltung

Philologenverband Baden-Württemberg zum Fremdsprachenlernen in der Grundschule

Der PhV BW begrüßt den Beginn erst ab Klasse 3, fordert eine Überarbeitung der methodisch-fachdidaktischen Konzeption und will mehr Stunden in den Klassen 3 und 4.

12.10.2017 Baden-Württemberg Pressemeldung Philologenverband Baden-Württemberg
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Der längst als minimal befundene Nutzen des Fremdsprachenlernens ab Klasse 1 bewog am 10.10.2017 den Ministerrat, den Vorschlag von Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann anzunehmen, den Beginn des Erlernens von Englisch bzw. Französisch von der ersten in die dritte Grundschulklasse zu verschieben.

Der Beginn ab Klasse 3 entspricht der im Jahre 2003 mit der Einführung des frühen Fremdsprachenlernens erhobenen Forderung des Philologenverbands (PhV BW).

Als der PhV BW dann 2009 erneut forderte, „erst in Klasse 3, aber dann richtig“ zu beginnen („später, aber dann mehr“), wies das Kultusministerium diese Kritik als „völlig überzogen und ungerechtfertigt“ zurück, um nun – acht Jahre später – zumindest den ersten Teil dieser Forderung umzusetzen, alldieweil die anfängliche wissenschaftlich fundierte Euphorie (Prof. Dr. Erika Werlen mit ihrem Tübinger Forscherteam) relativ einhelligen, aber eben anderslautenden Erkenntnissen weichen musste (siehe unsere Pressemitteilung vom 21.7.2017).

Mit der jetzt vollzogenen Änderung wird bedauerlicherweise nur der erste Teil der PhV-Forderung realisiert (späterer Beginn). Die ebenfalls auf der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnislage basierende zweite PhV-Forderung wird bedauerlicherweise nicht umgesetzt. Es wäre folgerichtig gewesen, in den Klassen 3 und 4 jeweils 3 anstatt weiterhin nur 2 Unterrichtswochenstunden vorzusehen. So wären immer noch 2 Stunden zur Stärkung von Deutsch und Mathematik für die beiden Eingangsklassen geblieben. Die dem schlechten IQB-Ergebnis geschuldete völlige Fixierung auf Letzteres verstellte den Blick auf die Notwendigkeit, ein Mehr an Fremdsprachenunterricht für die Klassen 3 und 4 vorzusehen.

Es findet unsere volle Zustimmung, die Fremdsprache künftig als eigenständiges Fach auszuweisen und Fachlehrer den Unterricht erteilen zu lassen. Diese Änderungen reichen jedoch nicht aus. Da sich die 2003 formulierte methodisch-fachdidaktische Konzeption offensichtlich als fehlerhaft bzw. falsch erwiesen hat, bedarf es nunmehr der Erarbeitung einer den neuen Voraussetzungen (ab Klasse 3, eigenständiges Fach) angepassten Konzeption. Wir erwarten, dass eine solche bis zum Beginn des Schuljahres 2019/20 vorgelegt wird, damit bis zum Start des Unterrichts in der dritten Klasse im September 2020 die Lehrkräfte fortgebildet werden können.

Diese Konzeption muss ein Bündel von Elementen beinhalten: alters- und kindgerecht, lernpsychologisch fundiert, spielerisch (aber nicht nur), effizient, systematisch, zielführend (im Sinne einer Verbindlichkeit bzgl. des bis Ende Klasse 4 Erlernten).

Bislang findet die Grundschulfremdsprache keine Berücksichtigung bei der Grundschulempfehlung. Wenn sie ab dem Schuljahr 2020/21 als eigenständiges Fach unterrichtet wird, so sollte dies geändert werden.


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