Minister Mannsfeld: Mit neuen Lehrplänen ins neue Schuljahr

"Das kommende Schuljahr ist zum einen von der Einführung der neuen Lehrpläne geprägt, zum anderen von der weiteren qualitativen Entwicklung unserer Schulen, für die das novellierte sächsische Schulgesetz den Rahmen bietet. Lehrerinnen und Lehrer, Schulleitungen, Schulträger und die Kultusverwaltung haben alles getan, damit die etwa 485.000 Schülerinnen und Schüler an öffentlichen Schulen im Freistaat Sachsen gute Bedingungen für ein erfolgreiches Schuljahr 2004/05 haben. Eine der Neuerungen ist, dass vom neuen Schuljahr an Englisch ab der dritten Klasse reguläres Unterrichtsfach an allen Grundschulen im Freistaat ist." So der Sächsische Staatsminister für Kultus, Prof. Dr. Karl Mannsfeld, am Donnerstag in Dresden in seiner Pressekonferenz zum Beginn des neuen Schuljahres. Es beginnt am kommenden Montag, 23. August.

19.08.2004 Sachsen Pressemeldung Sächsisches Staatsministerium für Kultus

Besonders erfreulich sei, so Mannsfeld, dass in diesem Jahr die Zahl der ABC-Schützen wiederum angestiegen ist: 30.400 Jungen und Mädchen erhalten ihre Schultüte - gegenüber 28.000 im vergangenen Jahr. Mannsfeld: "Zwar vermag diese Steigerung bei weitem nicht den immer noch gravierenden Rückgang der Schülerzahlen insgesamt wettzumachen, aber es ist doch eine erfreuliche Entwicklung." Die Schülerzahlen an öffentlichen Schulen sind von 511.000 im vergangenen Schuljahr auf 485.000 im jetzt beginnenden Schuljahr zurückgegangen. (Statistisches Material am Ende der PM.)

Eine klare Absage erteilte der Kultusminister Bestrebungen, die seit 1998 in den Schulen praktizierte neue Rechtschreibung wieder rückgängig zu machen: "Die sächsische Haltung ist glasklar: Es gibt kein Zurück zur alten Rechtschreibung! Das wäre Schülern, Lehrern und Eltern gegenüber nicht fair." Ohne dass man jede einzelne der neuen Regelungen als völlig gelungen bezeichnen könne, so Mannsfeld, stehe Sachsen zu der von den 16 Kultusministern der Länder getroffenen einhelligen Entscheidung für die neue Rechtschreibung, die zum 1. August kommenden Jahres verbindlich wird. "Die öffentliche Debatte, die teils geradezu hysterische Züge trägt, bringt auf unverantwortliche Weise Unruhe und Unsicherheit in die Schulen."

Mit Elan und Zuversicht, so der Minister, werden im kommenden Schuljahr in Sachsen die neuen Lehrpläne in die Praxis umgesetzt. Eingeführt werden sie komplett für die Grundschulen sowie für die Klassenstufen 5 bis 7 der Mittelschulen und Gymnasien. Die übrigen Klassenstufen folgen schrittweise in den kommenden Jahren. "Die Lehrpläne sind von Lehrerinnen und Lehrern erarbeitet und diskutiert worden, und ich bin sicher, dass sie sich in der Praxis bewähren werden. Fachübergreifender Unterricht und Teamarbeit im Kollegium, anwendungsorientierte Inhalte und deren praxisnahe Vermittlung sowie mehr Freiraum und Gestaltungsmöglichkeiten für die einzelne Schule sind die wesentlichen Leitlinien, nach denen die Lehrpläne entwickelt wurden."

In Zukunft sind nur noch 25 von 39 Unterrichtswochen im Jahr durch verbindliche inhaltliche Vorgaben fest verplant. Die übrige Zeit wird eigenverantwortlich durch die einzelnen Schulen gestaltet sie können diese Zeit beispielsweise nutzen für Vertiefung des Stoffes, für Wiederholungen, praktische Untersetzung oder vernetztes Arbeiten. "Ich bin sicher, dass die Lehrerinnen und Lehrer engagiert und verantwortungsvoll mit diesen neuen Gestaltungsmöglichkeiten umgehen und dass es zum Nutzen der Schülerinnen und Schüler geschieht."

Minister Mannsfeld gibt auch eine Anregung, wie jedenfalls ein Teil der Freiräume genutzt werden könnte: "Schülerinnen und Schüler sollten wieder mehr in den Fertigkeiten des Kopfrechnens geschult werden. So angenehm und vielfach sinnvoll der Gebrauch des Taschenrechners auch ist - er darf nicht auf Kosten der geistigen Beweglichkeit gehen. Kopfrechnen fördert die Gedächtnisentwicklung der Schüler und ihr logisches Denken." Nicht nur als Lehrling, sondern ein ganzes Leben lang, so Mannsfeld, gehöre Kopfrechnen zum unverzichtbaren Handwerkszeug. Er appelliert an Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten, alle entsprechenden Ansätze in den Lehrplänen aufzugreifen und mit Leben zu füllen.

Die Unterrichtsversorgung im sogenannten "Grundbereich" - also dem, was an Unterricht laut Stundentafel vorgesehen ist - , liegt im neuen Schuljahr in Grundschule, Mittelschule und Gymnasium bei 100 Prozent. Bei den berufsbildenden Schulen liegt die Unterrichtsversorgung regional unterschiedlich zwischen 95 und 98 Prozent, bei den Förderschulen zwischen 92 und 95 Prozent. Im Bereich der berufsbildenden Schulen wirkt sich auch im kommenden Jahr erschwerend aus, dass das herkömmliche duale Ausbildungssystem, also die Partnerschaft zwischen Schule und Ausbildungsbetrieb, durch den Lehrstellenmangel immer weniger funktioniert, und dass dadurch immer mehr junge Leute auf ein allein von der Schule getragenes vollzeitschulisches Angebot der beruflichen Ausbildung zurückgreifen müssen.

Auch im neuen Schuljahr wird es an Grundschulen, Mittelschulen und Gymnasien keine Eingangsklassen mit mehr als 28 Schülerinnen und Schülern geben - abgesehen von jenen Ausnahmefällen, in denen Eltern dies ausdrücklich wünschen. "Die entsprechende Regelung im Schulgesetz hat sich bewährt und sie führt in den nächsten Jahren dazu, dass sich die Zahl dieser Klassen auch in den höheren Klassenstufen stetig weiter verringert", so der Minister. Im vergangenen Schuljahr gab es an allgemein bildenden Schulen in öffentlicher Trägerschaft 14.778 Schulklassen der Klassenstufen eins bis zehn. In lediglich 847 davon lernten 2003/04 noch zwischen 29 und 32 Schülerinnen und Schüler. Wobei es sich in 429 Fällen um Klassen mit gerade 29 Schülern handelte. "Wenn die aktuellen Zahlen zur Klassenbildung vorliegen, wird sich erweisen, dass die Zahl der Klassen mit mehr als 28 Schülern sich im neuen Schuljahr wiederum deutlich verringert hat", so Mannsfeld.

Weitere Streiflichter aus Sachsens Schulen:

Ganztagsangebote: Aus dem Bund-Länder-Abkommen zum Auf- und Ausbau von Ganztagsangeboten hat Sachsen bislang 50 Millionen Euro für rund 70 Projekte zur Bewilligung freigegeben. Weitere Gelder fließen stetig, nachdem die den Vorhaben zu Grunde liegenden pädagogischen Konzepte für gut befunden wurden und die Finanzierung gesichert ist. Mannsfeld. "Ich habe keinen Zweifel, dass wir die 200 Millionen Euro, die im Freistaat bis 2007 dafür zur Verfügung stehen, komplett verausgaben werden."

Förderschulen: Sechs der acht Förderschultypen bilden und erziehen nach den Lehrplananforderungen der Grund- und Mittelschulen. Damit sind sie eingebunden in die Entwicklungs- und Gestaltungsaufgaben dieser Schularten. Die Einführung der neuen Lehrpläne, der Beginn des Fremdsprachenlernens Englisch ab Klassenstufe 3 setzen neue Akzente auch in den Förderschulen.

Ausländische Fremdsprachenassistenten: 69 ausländische Fremdsprachenassistenten aus zwölf Ländern wirken im neuen Schuljahr an sächsischen Schulen. Darunter elf französische, sieben US-amerikanische, vier polnische, drei tschechische und zwei kanadische.

"Leselust im Freistaat Sachsen": Das im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Stiftung Lesen gestartete Leseförderungs-Projekt wird fortgesetzt. Die Bücherkiste für alle Grundschulen wird um zehn auf 35 Bücher erweitert. Zudem werden weitere Förderschulen in das Projekt integriert. Es wird einen Wettbewerb geben, der die quantitativ und qualitativ besten Aktivitäten und Aktionen von Schulen prämiert. Die Fortbildung von Lehrkräften sowie Workshops für Eltern und Vorlesepaten bleiben tragende Säulen des Projekts. Im laufenden Jahr stellt das Kultusministerium 193.000 Euro für das Projekt zur Verfügung.

Schulversuch "Innovationen am Beruflichen Gymnasium in Sachsen": In den neuen Fachrichtungen des Schulversuchs beginnt im Schuljahr 2004/05 die Ausbildung in den Leistungskursen "Biotechnologie" sowie "Gesundheit und Soziales". Mit dem neuen Fach "Wissenschaftliches Praktikum" wird eine engere Verbindung zwischen Naturwissenschaften und fachrichtungsbestimmendem Leistungsfach erreicht und die Vorbereitung auf experimentelle wissenschaftliche Arbeit im Studium verbessert.

Koordinierung der Informationstechnologie: An allen sächsischen Schulen sind Lehrkräfte mit der pädagogischen Koordinierung der Informationstechnologie betraut. Für Grundschulen sind sogenannte Medien-Stützpunktschulen eingerichtet, die als Beratungszentrum für benachbarte Schulen fungieren. Die Lehrkräfte werden durch ein Fortbildungskonzept im Rahmen der regionalen Lehrerfortbildung auf ihre Aufgaben vorbereitet.

Zahlen und Statistiken

Schülerzahlen: Zum neuen Schuljahr sinkt die Zahl der Schülerinnen und Schüler in Sachsen erneut. Befanden sich an öffentlichen Schulen im Schuljahr 2003/04 noch rund 511.000 Schülerinnen und Schüler, werden es im kommenden Schuljahr gut 485.000 sein. (Zum Vergleich: 1994 waren es 760.000.) Die Zahlen der einzelnen Schularten: Grundschulen: 101.900, Mittelschulen: 133.700, Gymnasien: 100.300, Förderschulen: 21.600, Berufliche Schulzentren: 127.800. (Die Schülerzahl an Schulen in freier Trägerschaft lag im letzten Schuljahr bei 49.500, davon 37.600 an berufsbildenden Schulen; aktuelle Zahlen liegen noch nicht vor.)

ABC-Schützen: Bei den Erstklässlern ist wiederum ein Anstieg zu verzeichnen: Etwa 30.400 Schulanfänger hat Sachsen im kommenden Jahr. Im Schuljahr zuvor waren es rund 28.000 Jungen und Mädchen.

Lehrkräfte: Derzeit gibt es an öffentlichen Schulen im Freistaat Sachsen 32.702 Stellen. Sie werden von 40.174 Personen besetzt. (Zum Stichtag des Vorjahres - April 2003 - waren es 36.500 Stellen, in die sich 41.052 Personen teilten.)

Lehrkräfte nach Schularten: Aufgeschlüsselt nach Schularten ergibt sich folgendes Bild: Grundschule: 9.787 (Vorjahr: 10.013) Personen, Mittelschule 12.348 (12.733) Personen, Gymnasium 8.652 (8.761) Personen, Berufsbildende Schulen 5.269 (5.337) Personen, Förderschulen 4.118 (4.208) Personen.

Einstellungen: In Vorbereitung des neuen Schuljahres stellten die Regionalschulämter 210 Lehrerinnen und Lehrer ein, davon 200 unbefristet. Mehr als der Hälfte der Absolventen der staatlichen Seminare in Sachsen, die sich beim Freistaat beworben hatten, konnte ein Einstellungsangebot gemacht werden. Der größte Teil nahm die Angebote an.

Arbeitszeit / Versetzungen: Bei 3.437 Lehrerinnen und Lehrern (darunter 3.202 Grundschullehrerinnen und -lehrer) wurde die Arbeitszeit bedarfsgerecht aufgestockt. Um die Unterrichtsversorgung im neuen Schuljahr sicherzustellen, wurden 1.954 Lehrkräfte versetzt und 448 vollständig abgeordnet. 1.545 Lehrerinnen und Lehrer sind stundenweise an andere Schulen abgeordnet.

Zahl der Schulen: Zum Schuljahr 2004/05 bestehen in Sachsen folgende Schulen in öffentlicher Trägerschaft: Grundschulen: 810 (Vorjahr: 825); Mittelschulen: 456 (518), Gymnasien: 144 (154), Förderschulen: 151 (164), Berufliche Schulzentren: 100 (101). Abendmittelschulen, Abendgymnasien und Kollegs: 7 (7). Schulen in freier Trägerschaft gab es im Schuljahr 2003/04 (die aktuellen Zahlen liegen noch nicht vor): Grundschulen: 40 (Schuljahr 2002/03: 38), Mittelschulen: 10 (10), Gymnasien 10 (9), Förderschulen: 16 (16), Freie Waldorfschulen 3 (3), Berufsbildende Schulen: 177 (174), Abendschulen, Abendgymnasien, Kollegs: 1 (1).

Lehrer-Schüler-Relation: Nach der aktuellen Statistik der Kultusministerkonferenz zum Schuljahr 2002/03 - neuere Zahlen liegen noch nicht vor - liegt der Bundesdurchschnitt bei 17,3 Schülern pro Lehrer, dagegen beträgt die Relation in Sachsen 14,8 Schüler pro Lehrer. Bei den Grundschulen liegt Sachsen mit 13,8 Lehrern noch deutlicher unter dem Bundesschnitt von 19,9. Gymnasien: Sachsen 13,8, Bundesschnitt 15,9; Förderschulen: Sachsen 6,1 Bundesschnitt 7,0; Berufsbildende Schulen: Sachsen 22,7, Bundesschnitt 23,9.


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