Ahnen: Auswertung von VERA 2004 betont Notwendigkeit von Leseförderung

"Zentraler Bestandteil aller Bemühungen um weitere Verbesserungen bei der Ausbildung der Schülerinnen und Schüler in den Grundschulen muss das Thema Lesekompetenz sein." Das unterstrich die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen heute in Mainz bei der Vorstellung von Ergebnissen der Länderauswertung der Vergleichsarbeiten (VERA), die im September 2004 in Rheinland-Pfalz und weiteren sechs Ländern durchgeführt worden waren. Dabei waren - in sieben Teilbereiche untergliedert - die Kompetenzen von Grundschülerinnen und Grundschülern in den Fächern Mathematik und Deutsch zum Beginn des vierten Grundschuljahres überprüft worden.

19.01.2005 Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-Pfalz

"Wenn bei der Überprüfung der Lesekompetenz im Schnitt nur etwas mehr als 60 Prozent aller Schülerinnen und Schüler Aufgaben des mittleren und des anspruchsvollen Anspruchsniveaus mit hinreichender Sicherheit lösen konnten, ist das ein deutliches Signal, dass wir die Schwerpunktsetzung in diesem Bereich konsequent fortsetzen müssen", sagte Doris Ahnen. Untermauert werde dieses Ergebnis der Auswertung noch dadurch, dass in dem mit dem Textverständnis eng verbundenen Sachrechnen nur etwas weniger als 60 Prozent der teilnehmenden Grundschülerinnen und Grundschüler das mittlere und obere Niveau erreicht hätten, während in allen anderen Kompetenzbereichen deutlich höhere Werte um die 80 Prozent (in der Orthographie sogar fast 90 Prozent) zu verzeichnen seien.

In Rheinland-Pfalz erreichten beim Lesen 62 Prozent der Viertklässlerinnen und Viertklässler das mittlere und fortgeschrittene Niveau, beim Sachrechnen 59 Prozent. Gegenüber den ersten landesweiten Vergleichsarbeiten, die im Jahr 2003 allein die mathematischen Kompetenzen erfassten, sei der Wert beim Sachrechnen damit praktisch unverändert. Eine Verbesserung im Land sei im Bereich der Geometrie festzustellen: Lagen die Werte des mittleren und fortgeschrittenen Niveaus 2003 bei 74 Prozent, so sei dieser Wert 2004 auf 81 Prozent gestiegen. In der Arithmetik liege er aktuell bei 82 Prozent (2003: 88 Prozent). Auch bei der Rechtschreibung, beim Schreiben und in der Sprachbetrachtung (Beherrschung der Grammatik) werde im Schnitt ein recht gutes Niveau in den Grundschulen vermittelt, stellte Doris Ahnen fest. In all diesen Kompetenzbereichen hätten vier von fünf rheinland-pfälzischen Schülerinnen und Schülern, in der Rechtschreibung sogar mehr als neun von zehn der Viertklässlerinnen und Viertklässler im Land, Aufgaben des mittleren und des anspruchsvollen Niveaus gelöst.

"Die Vergleichsarbeiten am Beginn der vierten Klassenstufe verfolgen bekanntlich mehrere Ziele. Sie geben vor allem Hinweise für die weitere individuelle Förderung der Kinder und regen die Reflexion der Lehrkräfte über ihre eigene Diagnosefähigkeit an. Sie sollen dazu beitragen, die Leistungsergebnisse von Schülerinnen und Schülern innerhalb einer Schule, aber auch zwischen verschiedenen Schulen mit ähnlichen sozialen Rahmenbedingungen vergleichen zu können. Die Vergleichsarbeiten sollen insbesondere pädagogische und fachdidaktische Diskussionen in den Schulen anstoßen und intensivieren und so einen wichtigen Beitrag zur Unterrichtsentwicklung leisten", unterstrich Doris Ahnen. Interessant und zukunftsweisend sei nach Einschätzung der für VERA verantwortlichen Wissenschaftler auf längere Sicht die Analyse der Entwicklungen innerhalb des einzelnen Landes.

Bei der Gesamtbewertung der länderübergreifenden Auswertung werde deutlich, dass - von wenigen Ausnahmen abgesehen - die Grundschulen der beteiligten Länder in allen sieben Teilkompetenzen eng zusammen liegen. Bedeutsame Abweichungen gebe es nach Ansicht der Wissenschaftler nur in wenigen Teilbereichen und auch hier nur für Mecklenburg-Vorpommern (günstigere Leistungen in Arithmetik verglichen mit Berlin und günstigere Leistungen in Orthographie verglichen mit Bremen). Insgesamt seien solche Ländervergleiche der Leistungsergebnisse bei VERA aber aus methodischen und inhaltlichen Gründen problematisch, betonen die Wissenschaftler in ihrem Bericht.

Erfreulich für das Projekt VERA sei die hohe Teilnahmequote an den rheinland-pfälzischen Grundschulen sowohl in Mathematik als auch in Deutsch. Die so genannten "Kontextdaten", also die Angaben der Lehrkräfte über die Rahmenbedingungen, unter denen VERA 2004 durchgeführt wurde, wiesen darüber hinaus aus, dass der Anteil der Klassenwiederholer vergleichsweise gering und die mittlere Klassengröße mit 21,2 Schülerinnen und Schülern vergleichsweise günstig sei. Wie in allen Ländern sei der Förderbedarf insbesondere bei Kindern mit Migrationshintergrund vor allem in der Sprach- und Lesekompetenz besonders ausgeprägt. Verstärkt werden müsse diese Förderung offenkundig vor allem für den Anteil der Kinder, für die Deutsch nicht die dominante Sprache sei. Dieser Anteil liege in Rheinland-Pfalz nach Auskunft der Lehrerinnen und Lehrer bei 7,7 Prozent. Bei VERA 2003 war nach dem Anteil der Kinder nicht-deutscher Herkunftssprache gefragt worden, der bei 14,5 Prozent gelegen hatte. "Sprach- und Lesefähigkeit sind Schlüsselkompetenzen für den schulischen Erfolg. Deswegen wird dieser Ansatz konsequent verstärkt und zum Beispiel das seit 2002 auf den Weg gebrachte Programm für die Sprachförderung vor der Einschulung, das bislang mehr als 3300 Kindern zugute kam, im Haushalt 2005/2006 verdoppelt, die Leseförderung kontinuierlich ausgebaut und die schulische Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund gezielt unterstützt", unterstrich Bildungsministerin Ahnen.

Das Projekt VERA liefere wertvolle Hinweise für die Unterrichtsentwicklung insgesamt, stärke die Diagnosefähigkeit der Lehrkräfte und sei auch wichtig für die Teamentwicklung in den Lehrerkollegien, resümierte die Bildungsministerin. Dies seien wichtige Voraussetzungen für eine bessere individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler.

Anlage:

Auswertungspapier der Landauer Forschungsgruppe zu VERA 2004 (.pdf-Format)


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