Wolff verlangt klares Bekenntnis zu einer integrationsfördernden Schulpolitik
Ein klares Bekenntnis zu einer integrationsfördernden deutschen Schulpolitik hat die hessische Kultusministerin Karin Wolff angesichts der vorab bekannt gewordenen Resultate der PISA II-Studie gefordert. "Wir müssen alles tun, damit zugewanderte Kinder nicht im Sprachbad einer fehlgeschlagenen Unverbindlichkeit ertrinken", sagte Wolff.
07.12.2004 Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und ChancenMedienberichten zufolge erreicht bei PISA II ein Viertel der 15-Jährigen in Deutschland nur die unterste Stufe der Lesekompetenz. Weiter heißt es, dass Kinder der ersten Zuwanderergeneration zwei Schuljahre hinter dem deutschen Durchschnittswert zurückliegen. "Hier sind die Länder gefordert, schleunigst Chancengerechtigkeit herzustellen. Der beste Weg ist, die Kinder so früh wie möglich mit der Unterrichtssprache vertraut zu machen", sagte Wolff. Hessen habe bereits gehandelt und seit 2002 knapp 17.000 Kinder in Deutschkursen vor der Einschulung gefördert.
"Untauglich" nannte die Ministerin Debatten über die Schulstruktur. "Solche ideologisch orientierten Forderungen sind von gestern und schon deshalb zum Scheitern verurteilt. Es geht vielmehr um die Frage der Qualität eines Unterrichts, mit dem Schülerinnen und Schüler ihren Begabungen entsprechend unterstützt und gefordert werden", erklärte sie. Wolff sieht die Feststellung des Koordinators von PISA I, Prof. Baumert, bestätigt, der bei der Vorstellung des ersten PISA-Berichts im Dezember 2001 gesagt hatte, notwendige Antworten auf PISA müssten mit Reformen des Unterrichts gegeben werden und seien nicht an Strukturfragen festzumachen.
Wolff setzt auf eine neue Lernkultur, die Anstrengung und Leistung wieder zu Grundprinzipien des Schulalltags werden lassen. Stetiges Üben und Wiederholen seien das A und O der Wissensvermittlung in allen Schulformen, besonders aber in der Hauptschule. Es gehe darum, Leistungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler zu wecken und zu fördern: "Kinder müssen wissen, dass in der Schule Leistungen verlangt werden."
Erfreut nahm Wolff die "erkennbare Steigerung der mathematischen und naturwissenschaftlichen Leistungen deutscher Schülerinnen und Schüler" zur Kenntnis. Sie führt dies auf die Konsequenzen aus TIMSS (Third International Mathematics and Science Study) zurück. Anders beim Thema Lesen: "Niemand durfte erwarten, dass sich die Lesefähigkeiten von 15-Jährigen nach anderthalb Jahren verbessert hat", sagte Wolff mit Hinweis darauf, dass die Ergebnisse von PISA I erst im Dezember 2001 vorlagen und PISA II bereits im Mai 2003 geschrieben wurde.
TIMSS hatte 1997 als erste Studie dem deutschen Bildungsniveau ein Abrutschen ins Mittelmaß bescheinigt. Im Jahr darauf startete die bundesweite Qualitätsinitiative zur "Steigerung der Effizienz des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts" (SINUS). Hessen begann mit diesem Modell zur Veränderung von Unterrichts-, Aufgaben- und Prüfungskultur zunächst an zwölf Schulen, weitete das Modell durch schulinterne Lehrerfortbildung in kurzer Zeit auf jetzt rund die Hälfte aller hessischen Schulen mit Sekundarstufe I aus und setzte sich damit bundesweit an die Spitze der Qualitätsentwicklung im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht.
Im Bestreben, "den schiefen Turm wieder gerade zu rücken", hat die Hessische Landesregierung mit der Unterrichtsgarantie den Grundstein gelegt und die Bildungsausgaben seit 1999 um knapp 20 Prozent erhöht. "Unsere Bilanz kann sich sehen lassen: Mehr Unterricht in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Naturwissenschaften, Leseförderung, frühe Sprachförderung für Ausländer, Einführung von Vergleichsarbeiten und Abschlussprüfungen, neue Konzepte der Lehrerbildung und moderne Lehrpläne", so Wolff. Bildung habe in Hessen wieder einen Wert.
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