Auf der didacta: Die S-Klasse unter den Kinderkrippen
Vor wenigen Jahren erst haben die Fremdsprachen Einzug in die Grundschulen gehalten, und vorsichtig öffnet der eine oder andere Kindergarten auch seine Pforten fürs frühe Fremdsprachenlernen. Jetzt will ausgerechnet ein Autobauer in Deutschland neue Maßstäbe setzen: Mit den sternchen Kinderkrippen baut die Daimler AG nicht nur das Angebot zur betriebsnahen Kinderbetreuung an ihren deutschen Standorten deutlich aus – sie will auch die bilinguale Erziehung der 0-3jährigen vorantreiben.
25.01.2008 ArtikelDrei von insgesamt 14 geplanten Krippen sind bereits an den Werkstandorten Stuttgart-Untertürkheim, Sindelfingen und Bremen eröffnet. Eine Gruppe von acht Kindern wird dort jeweils von drei Erzieherinnen betreut. Das Besondere: Eine der Erzieherinnen ist englische Muttersprachlerin. Basis dieser frühen bilingualen Erziehung ist das von Prof. Dr. Henning Wode aus Kiel entwickelte Konzept "eine-Person-eine-Sprache". Das heißt: Die deutschsprachigen Erzieherinnen sprechen immer deutsch, die englischsprachigen immer englisch. Erprobt hat Wode dieses Konzept bereits in den neunziger Jahren in Kieler Kindertagestätten. Schon nach etwa sechs Wochen konnten die Kinder dort ihren Tagesablauf in der Kita in der neuen Sprache bewältigen, dazu gehörten immer wiederkehrende Abläufe wie Grüßen, sich Verabschieden oder etwa die Aufforderung zum Zähneputzen.
"Get up!"
"Ich merke, dass diese Methode auch bei kleinen Kindern total erfolgreich ist", erklärt Dr. Ilse Wehrmann, die das fachwissenschaftliche Konzept für die sternchen Kinderkrippen entwickelt hat. "Eine Mutter hat mir erzählt, ihre eineinhalbjährige Tochter hat sie morgens mit ´get up´ geweckt."
Englischsprachige Erzieherinnen in Deutschland gibt es allerdings gegenwärtig nicht viele, das weiß auch Ilse Wehrmann. Deshalb müsse man sich dringend Gedanken über entsprechende Austauschprogramme machen. Außerdem plant sie eine Langzeituntersuchung über das frühe Fremdsprachenlernen und macht sich Gedanken, wie das Konzept auf die Drei- bis Sechsjährigen ausgeweitet werden kann.
Riesiger Nachholbedarf
Neben der Zweisprachigkeit haben die sternchen Kinderkrippen noch weitere Bildungsschwerpunkte. Das Gesamtkonzept basiert auf dem in Großbritannien für Kinder unter drei Jahren entwickelten Pro¬gramm "Sure Start", das die Bertelsmann Stiftung für Deutschland unter dem Titel "Wach, neugierig, klug" überarbeitet hat. Dazu gehören auch Naturwissenschaft und Tech¬nik, interkulturelle und -religiöse Kompetenz sowie Integration von Kindern mit Behinderungen. Außerdem absolvieren alle Mitarbeiterinnen ein berufsbegleitendes weiterbildendes Studium und selbst für die Architekten hat eine spezielle Schulung zur Raumgestaltung stattgefunden.
"Mit diesem Eifer und mit dieser Qualität", so Ilse Wehrmann, "müssen wir in Deutschland die Reform der frühkindlichen Erziehung und Bildung in die Hand nehmen. Wir haben gegenüber dem Ausland einen riesigen Nachholbedarf. Wir haben ein quantitatives und ein qualitatives Problem und ergehen uns immer noch im ideologischen Streit zum Thema Rabenmütter."
Aber Ilse Wehrmann ist auch optimistisch, andere Firmen werden nachziehen, meint sie, "die Wirtschaft wartet nicht mehr, bis die öffentliche Hand so weit ist, denn ihnen fehlen die Fachkräfte." Sie können sich eben nicht leisten, auf Spitzenkräfte zu verzichten, weil die Familien keine qualifizierte Betreuung für den Nachwuchs finden.
Dazu auf der didacta 2008 in Stuttgart
- Daimler Fachveranstaltung zur frühkindlichen Bildung für Kinder unter 3 Jahren, 20. 02., 13.30 – 16.45 Uhr, Raum C1.2.2
- Materialien zur frühkindlichen Bildung, zur Sprachförderung und zur bilingualen Erziehung präsentieren die Schulbuchverlage während der gesamten Messe an ihren Ständen.
Der Beitrag "Die S-Klasse unter den Kinderkrippen" ist abgedruckt im Themendienst 2 zur didacta 2008, der zum Download (.pdf) bereitsteht unter
- bildungsklick.de/didacta und
- www.didacta-stuttgart.de
Weiterführende Links
- Homepage von Dr. Ilse Wehrmann
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