Jürgen Schreier zur OECD-Studie "PISA 2003": Reformen nach PISA beginnen zu greifen
Nach der jüngsten PISA-Studie "Lernen für die Welt von morgen" haben Deutschlands Schulen sich im internationalen Vergleich verbessert und liegen jetzt im Mittelfeld. "Die Reformen, die wir nach der ersten PISA-Studie eingeleitet haben, beginnen zu greifen und zeigen erste Erfolge", bewertete der saarländische Kultusminister Jürgen Schreier das Ergebnis.
06.12.2004 Pressemeldung Ministerium für Bildung und Kultur SaarlandSchreier warnte allerdings davor zu glauben, dass die Reformen schnelle Wunder bewirken könnten. Die Verbesserung des Bildungssystems, so Schreier, sei ein langer und steiniger Weg. Es bliebe noch viel zu tun. "Im Saarland beginnen wir mit der Bildung im Kindergarten und werden sie noch stärker als bislang voranbringen", so der Minister. Auch im Zuge der Neuordnung der saarländischen Grundschulen sieht Schreier Chancen, für Qualitätsverbesserungen trotz finanzieller Enge des Landes. So werde der Unterrichtsumfang weiter deutlich erhöht und das Bildungs- und Betreuungsangebot mit Hausaufgabenhilfe am Nachmittag weiter ausgebaut, sagte der Minister.
Die neue PISA-Studie, so Schreier weiter, sei wirklich kein Grund, das deutsche Bildungswesen schlecht zu reden. Es gebe zwar immer noch Schwachstellen wie die mangelnde Lesekompetenz, aber auch hier zeigten die Ergebnisse eine Stabilisierung des Kompetenzniveaus. Demgegenüber stelle die Studie aber auch heraus, dass die deutschen Schüler mit einer überdurchschnittlich stark ausgeprägten Problemlösekompetenz ein bemerkenswertes kognitives Potenzial erkennen ließen. Hier gelte es anzusetzen.
Schreier verwies auf die Anstrengungen der Landesregierung im Einzelnen seit der ersten PISA-Studie:
- Freistellung des letzten Kindergartenjahres von den Elternbeiträgen - eine Initiative, die bisher deutschlandweit einmalig ist und die Grundlage für mehr Chancengleichheit für Kinder aus bildungsärmeren Elternhäusern darstellt.
- Darüber hinaus hob Jürgen Schreier das neue Bildungsprogramm für Kindergärten, die Verbesserung der Erzieherinnenausbildung, die jetzt mit der Fachhochschulreife abschließt, und das Sprachkompetenztraining "Hören, Lauschen, Lernen" hervor. Zudem habe das Saarland bundesweit die meisten zweisprachigen Kindergärten.
- Durch die Initiative "Bessere Grundschule" hätten die Grundschüler seit 1999 jetzt fünf Stunden mehr Unterricht, so der Minister weiter.
- Im Programm "Früh Deutsch lernen" verbesserten allen voran Kinder mit Migrationshintergrund ihre Deutschkenntnisse, um erfolgreich am Schulunterricht teilnehmen zu können.
- Seit dem Jahr 2000 seien zudem in den dritten Klassen Orientierungsarbeiten als wichtige Diagnoseinstrumente eingeführt.
- Im Bereich der weiterführenden Schulen würden in den Klassenstufen sieben (Deutsch), acht (Mathematik) und neun (1. Fremdsprache) landeszentrale Vergleichsarbeiten durchgeführt. Sie erlaubten einen innerschulischen Vergleich des Leistungsstands und zeigten die Bereiche auf, an denen nachgebessert werden müsse, führte der Minister aus. Vergleichsarbeiten dienen damit der Orientierung von Lehrern und Schülern."
- Leistung steigernd sei auch die Einführung von zentralen Abschlussprüfungen im mittleren Bildungsgang und im Hauptschulbildungsgang gewesen. Die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss ist seitdem deutlich zurückgegangen.
- Die Einführung der von der Kultusministerkonferenz (KMK) beschlossenen Bildungsstandards diene ebenfalls der Qualitätssteigerung des Unterrichts. Für den mittleren Bildungsabschluss würden diese in den Fächern Deutsch, Mathematik und 1. Fremdsprache umgesetzt, ebenso in den Grundschulen für die Fächer Deutsch und Mathematik. Darüber hinaus trage das Saarland als Mitglied der KMK das neu gegründete Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen an der Humboldt-Universität in Berlin mit.
- Der Leseförderung werde im Saarland besondere Beachtung geschenkt. Als Beispiel nannte Schreier die Leseaktivitäten in Kindergarten und Grundschule in Zusammenarbeit mit dem saarländischen Bibliotheken und Buchhändlern sowie die Lesedino-Initiative.
Die Tatsache, dass das Saarland ein Viertel seines Gesamthaushaltes für Bildung ausgebe, zeige, so Schreier, welche herausragende Bedeutung diesem Thema von der Landesregierung beigemessen werde.
Abschließend betonte Schreier, auch wenn es weiterhin eine große Streuung des Leistungsniveaus in Deutschland gebe, so sei durch PISA 2003 festgestellt worden, dass kein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Differenzierungsgrad des Schulsystems bzw. dem Alter der Differenzierung und dem Kompetenzniveau des Schülers bestehe. Das deutsche Bildungssystem brauche also keine neue Strukturdebatte, wie der PISA Koordinator Schleicher sie immer wieder von außen anzukurbeln versuche. Wichtig seien vielmehr eine Verbesserung der Qualität in den vorhandenen Strukturen und eine innovative, nachhaltige Qualitätssicherung. Diese Elemente seien von entscheidender Bedeutung, um das deutsche Bildungssystem wieder nach vorne zu bringen.
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