Kindertageseinrichtungen zu Orten der Integration ausbauen

Die Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Maria Böhmer, und die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) wollen Kindertageseinrichtungen zu Orten der Integration ausbauen.

27.06.2008 Pressemeldung Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Schwerpunkte sind dabei die frühe Sprachförderung von Kindern aus Migrantenfamilien, die Zusammenarbeit mit den Eltern, die interkulturelle Aus- und Fortbildung von Erzieherinnen und Erziehern sowie die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Kindertageseinrichtungen in freier Trägerschaft. Dazu veranstalteten Staatsministerin Böhmer und die BAGFW ein Fachgespräch "Kindertageseinrichtungen als Orte der Integration" im Bundeskanzleramt.

Böhmer hob den erheblichen Handlungsbedarf bei der Integration und frühen Förderung von Kindern aus Zuwandererfamilien hervor: "Schon heute wird jedes dritte Kind in Deutschland in eine Zuwandererfamilie hineingeboren. In den Ballungsräumen Westdeutschlands stammen über 50 Prozent der Kinder und Jugendlichen aus zugewanderten Familien, in einigen Großstädten sind es sogar zwei Drittel. Erfreulich ist, dass sich die Inanspruchnahme von Kindertageseinrichtungen durch Kinder mit und ohne Migrationshintergrund immer weiter angleicht. Aber über 60 Prozent der Migrantenkinder besuchen Einrichtungen mit überdurchschnittlich vielen Kindern, die zu Hause nicht Deutsch sprechen. Ihnen mangelt es an Integrationsbezügen und an Möglichkeiten, im Kontakt mit anderen Kindern unsere Sprache zu erlernen. Kinder aus Zuwandererfamilien werden - oft aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse - besonders häufig bei der Einschulung zurückgestellt oder an eine Förderschule verwiesen. Sie haben damit von Anfang an keine guten Bildungschancen. Wir müssen daher alles für eine möglichst frühe und effektive Sprachförderung dieser Kinder tun. Die frühen Entwicklungs- und Lernfenster von Kindern im Vorschulalter müssen besser genutzt werden. Kindertageseinrichtungen müssen zu Orten der Bildung und der Integration ausgebaut werden. Denn hier wird der Grundstock für spätere Entwicklungschancen gelegt."

Zugleich hob Böhmer die besondere Bedeutung der BAGFW als Akteur im Rahmen des Nationalen Integrationsplans hervor. "Die rund 60 Selbstverpflichtungen aus dem Bereich der Freien Wohlfahrtspflege zeigen, dass die BAGFW ihre Verantwortung wahrnimmt. Viele Selbstverpflichtungen beziehen sich auf die frühkindliche Sprachförderung und die interkulturelle Öffnung der Dienste und Einrichtungen. Das sind Bereiche, die für die Integration eine besondere Rolle spielen."

Hier setzt die BAGFW einen besonderen Schwerpunkt. Vizepräsidentin Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg forderte, "den Prozess der interkulturellen Öffnung in den Kindertageseinrichtungen konsequent umzusetzen. Kulturelle und sprachliche Vielfalt muss als Chance und Ressource für den Einzelnen und die Gesellschaft verstanden werden."

Frau von Schenck ging auf mögliche Vorbehalte gegen Kindertagesstätten ein: "Es gibt sicherlich eine Reihe von Vätern und Müttern, die meinen, Kinder würden am besten in der Familie erzogen und die vielleicht auch Bedenken haben, ob denn ihre familiären Werte in einer deutschen Kita genügend Berücksichtigung finden. Ihnen müssen unsere Kindertageseinrichtungen immer wieder glaubhaft vermitteln: Sie und Ihr Kind sind mit Ihrer Kultur und Ihren Vorstellungen in der Kita herzlich willkommen!

Für die BAGFW spielt die Sprachförderung eine zentrale Rolle in der frühkindlichen Bildung. Aber: "Kinder erwerben Sprache und sprachliches Wissen in Interaktion und Kommunikation und vor allem spielend!"

Kindertageseinrichtungen vermitteln soziale Kompetenzen. Von Schenck: "Die Kindertageseinrichtung ist ein Ort, an dem die Kinder Vielfalt und Gemeinsamkeiten entdecken und lernen, das alltägliche Miteinander gut zu gestalten. Zum Alltag sollte auch gehören, dass die Kita ein Ort der Begegnung für die ganze Familie wird, wie etwa in der DRK-Kita "Weltweit". Wenn dies gelingt, wirkt das sehr fördernd auf das Miteinander der Kinder und auf die Integration der ganzen Familie."

Damit die Kindertagesstätte ihre verantwortungsvollen Aufgaben gut erfüllen kann, forderte die BAGFW-Vizepräsidentin von Ländern und Komunen "ausreichend viele Kindertageseinrichtungen, die personell und materiell so ausgestattet sind, dass alle Kinder mit ihren kulturellen, sprachlichen und religiösen Eigenheiten angenommen und alle ihre Talente entfalten können; dies ist ein entscheidender Schritt zu gesellschaftlicher Chancengerechtigkeit und gleichberechtigter Teilhabe an Bildung und Kultur."

Staatministerin Böhmer forderte die Länder auf, ihre Selbstverpflichtungen aus dem Nationalen Integrationsplan schnell umzusetzen: "Wir brauchen flächendeckende Sprachtests und bei Bedarf Sprachförderung für alle Kinder, damit sie bei Schuleintritt unsere Sprache gut verstehen und sprechen." Die Erzieherinnen und Erzieher in den Kindertagesstätten müssten zudem besser auf die neuen Anforderungen vorbereitet werden: "Wenn in Kindertageseinrichtungen zu 60, 80 oder 90 Prozent Kinder aus Migrantenfamilien sind, dann müssen die Erzieherinnen und Erzieher interkulturell ausgebildet sein, um darauf eingehen zu können." Die Bundesregierung unterstütze dies mit einer Qualifizierungsinitiative für den Elementarbereich.

Zentral für die Entwicklung und die Bildungschancen der Kinder sei auch die Unterstützung aus dem Elternhaus, so Böhmer: "Bildung fängt im Elternhaus an. Viele zugewanderte Eltern sind nicht mit dem hohen Stellenwert der Bildung in Deutschland vertraut. Wir müssen die Eltern in ihrer Verantwortung für den Bildungserfolg ihrer Kinder stärken und unterstützen." Die Staatsministerin bekräftige ihre Unterstützung für die Zusammenarbeit der Kultusministerkonferenz (KMK) mit Migrantenorganisationen in der Elternarbeit. In einer gemeinsamen Erklärung hatten sich KMK und acht Migrantenorganisationen verpflichtet, die Zusammenarbeit von Elternhäusern und Bildungseinrichtungen zu fördern, unter anderem durch mehr Sprachlernangebote für Eltern mit Migrationshintergrund, Erziehungsvereinbarungen zwischen Kindertagesstätten bzw. Schulen und Eltern, "Elternakademien" der Migrantenorganisationen und Informationen über die positiven Wirkungen frühkindlicher Bildung in Kindertagesstätten sowie Mitwirkungsmöglichkeiten für Eltern in den Bildungseinrichtungen.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden